Freitag, 6. März 2026

Die Aussicht der Galater

Ein Zitat

Der Weiler Galattere liegt auf halber Höhe zwischen Golfplatz und Schlachtkapelle Sempach.
Foto © Jörg Niederer
"Dies Epistel an die Galater ist mein Epistel, der ich mich vertraut habe, meine [Ehefrau] Käthe von Bora." Martin Luther (1483-1546)

Hingesehen

Auf meinem Wanderweg entdecke ich einen neuen, bisher noch nie gelesenen Ortsnamen. Theologisch verbildet denke ich erst an die "Galater". Doch mit dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien hat dieser Ort nichts zu tun. Der zweite Blick auf die Karte offenbart den Unterschied. Der Weiler heisst "Galattere". Er liegt bei Hildisrieden, auf halbem Weg hinunter zur Schlachtkapelle Sempach.

Zuhause entdecke ich einen weiteren ähnlich geschriebenen Flurnamen im Kanton Zürich: "Galatere".

Die Aussicht von diesem Ort bei Sempach ist an schönen Tagen atemberaubend. Die Innerschweizer Alpenkette zeigt sich zwischen der Rigi und dem Pilatus in Hunderten von Gipfeln. Weiter westlich entdecke ich die Berner Alpen, fern hinter dem Sempachersee. Das ist kein Ort um wegzurennen. Doch genau das soll das Dialektwort "galattere" bedeuten: "Schnell springen". (Nebenbei: Springen steht im Schweizer Dialekt für rennen und nicht für hochhüpfen.) So jedenfalls erklärt "The Journal of English and Germanic philology" das Wort Galattere. Andere online abrufbare Standardwerke wie das Schweizerische Idiotikon oder Ortsnamen.ch wissen nichts davon. Da zeigt sich also eine Wissenslücke, die es noch zu füllen gilt. Bis es soweit ist, bleibt der Weiler Galattere für mich der Aussichtspunkt der Galater. Ein Ort zum Verweilen oder zum Springen vor Glück.

Jörg Niederer

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