Ein Zitat
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| Foto © Jörg Niederer |
Hingesehen
Es sei eine von Johann Nestroys vielen Wortschöpfungen. Sie ist zu finden in seinem Werk "Der Talisman". Darin verbindet er in einem Wort das Tier Esel mit dem Zustand der Isolation. "... eine Einöde nehme mich auf, ganz eseliert will ich sein", sagt darin ein gewisser Titus.
Esel gelten als störrisch und dumm, was sie keineswegs sind. Im Gegenteil: als Gebirgstiere sind sie besonders vorsichtig. So rennen sie nicht einfach los wie die Pferde bei der kleinsten Irritation, sondern denken erst einmal nach.
Die Paarung "dumm und einsam" trifft auf den grauen Vierbeiner auch nicht zu. So kommen mehrere Esel sofort recht gut miteinander aus und müssen nicht erst die Hackordnung bestimmen, wie bei den Pferde. Wozu soll man sich durch Gefechte untereinander im schwierigen Gelände in Gefahr bringen. Also wird sogleich Frieden geschlossen; es muss ja nicht die beste Freundschaft werden.
Mit Einsamkeit kommen Esel auch recht gut zurecht. Das Alleinsein fürchten sie nicht. Wie sie fast gar nichts fürchten, und sich durchaus zu wehren wissen.
So gesehen könnte es sogar erstrebenswert sein, zum Esel gemacht zu werden. Das wusste schon Apuleius in seinem Werk "Metamorphosen". Dort wird Lucius von einer Hexe in einen Esel verwandelt, durchaus zu seinem Vorteil, wenn auch aus anderem Grund, als dem der Klugheit. Nur soviel sei verraten: Es hat etwas mit dem Potenzial im Bereich der hinteren Extremitäten zu tun.
Genug der Eseleien: Wie eseliert (sprich: einsam und klug) fühlst du dich heute?
Jörg Niederer

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