Donnerstag, 5. März 2026

In "Schlacht" bei Sempach ist es geschehen

Ein Zitat

Im Innern der Schlachtkapelle nahe bei Sempach finden sich Namen der Gefallenen des siegreichen Heers der Eidgenossen.
Foto © Jörg Niederer
"Zuwandern dürfen nur jene, die wir brauchen, aber nicht solche, die uns brauchen." Franz Nuscheler (*1938-2025)

Hingesehen

Das letzte Mal, als ich in dieser Kapelle war, sah es nicht so leer aus. Es war Ende September 2007 gewesen, anlässlich der Trauung einer Frau aus Asien mit einem Schweizer. Ich war der Pfarrer. Ort dieser Feier: Die Schlachtkapelle bei Sempach, also da, wo nach der Legende einst Winkelried den Eidgenossen eine Gasse in die feindlichen Reihen bahnte, indem er so viel Spiesse der Feinde wie möglich ergriff und sich in diese hineinstürzte. Die Eidgenossen konnten in der Folge bei der Schlacht von Sempach das feindliche habsburgische Heer vernichtend schlagen. Unter den Gefallenen war auch der feindliche Heerführer Herzog Leopold.

Nun mag man sich fragen, ob eine Schlachtkapelle der richtige Ort einer Trauung ist. Ein Ort des Streits für ein Leben in Liebe und Frieden? Abergläubische Menschen könnten sich fürchten davor, dass diese an ein blutiges Geschehen erinnernde Kapelle in direkter Folge auf den ehelichen Kriegsschauplatz führen könnte.

Nun, ich kann versichern, dass die von mir dort Vermählten nach wie vor zusammen sind, was man nicht von allen Paaren sagen kann, die sich in meiner Gegenwart getraut hatten. Einige haben sich an friedlicheren Orten das Ja-Wort gegeben, und doch hat ihre Ehe kriegerisch geendet.

Was jedenfalls gesagt werden kann: Für eine interkulturelle Ehe mag die Schlachtkapelle auch ein Statement gewesen sein, hat man doch zuvor dieser Braut, die als Flüchtende in die Schweiz gekommen war, zehn Jahre lang misstraut und ihr den Aufenthalt in der Schweiz schwer gemacht. So war es irgendwie auch ein Sieg der Liebe über alle Verletzungen und Hindernisse einer habsburgisch anmutenden Schweizerischen Flüchtlingspolitik. In dieser Sache bräuchte es längst einen Winkelried, der den Spiess umkehrt, so dass das bürokratische Morden an den Aussengrenzen der wohlhabenden Ländern endet. Mindestens 7000 Flüchtende sind allein in diesem Jahr auf ihrer verzweifelten Reise ins vermeintliche Glück ums Leben gekommen. So darf es einfach nicht weitergehen.

Jörg Niederer

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