Mittwoch, 3. Juni 2026

Einmaliger Sex und Fesselspiele

Ein Zitat

Das Weibchen der Veränderlichen Krabbenspinne bewacht den gut getarnten Eikokon, den es im Blütenbereich einer Rainfarn-Phazelie versteckt hat.
Foto © Jörg Niederer
"Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / dann will ich gern zugrunde gehn!" Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Noch einmal Spinne (siehe Beitrag vom 30. Mai 2026!). Diesmal eine Veränderliche Krabbenspinne. Veränderlich deshalb, weil sie ihre Körperfärbung den Blütenfarben von Wiesenblumen anpassen kann. Es dauert zwar zwei Tage, aber dann ist die kleine Spinne, die ihre vier Vorderbeine wie die Scheren einer Krabbe platziert, farblich nicht mehr von der Blüte zu unterscheiden. Diese etwas 13 mm lange Spinnenart lauert ihren Opfern in den weissen oder auch gelben Wiesenblumen auf. Auf dem Foto hat sie eine unauffällige, gelblich-braune Färbung angenommen. Hell weiss leuchtet jedoch der Kokon, auf dem sie sitzt. Es ist ein Weibchen, das den werdenden Nachwuchs bewacht. Dabei lässt sie sich durch nichts vertreiben. Das wird auch verständlich, wenn man sich bewusst macht, dass dies eine der letzten Aufgaben des hübschen Tierchens ist.

Schon die Paarung ist eine einmalige Sache. In deren Verlauf fesselt ein erfolgreiches Männchen das Weibchen. Das Weibchen könnte sich leicht aus dieser Fesselung befreien, tut es aber nicht. So fixiert wird dieses Weibchen dann vom Männchen begattet. Fesselspiele beim Sex! Wer hat's erfunden?

In der Folge wird die eigene Zukunft auf eine Karte gesetzt. Alles für den eigenen Nachwuchs. Das Spinnenweibchen legt die Eier, um die es einen Kokon webt. Dieser wird so lange bewacht, bis die Jungspinnen die Eier verlassen. Um die neue Generation freizusetzen, beisst die Mutterspinne noch den Kokon auf. Dann stirbt sie. Sie hat alles gegeben für ihren Nachwuchs.

Jörg Niederer

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