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Freitag, 7. August 2026

Die Dürre und das liebe Vieh

Ein Zitat

Dreimal Dürre. Einmal bei Burgdorf, dann bei Wynigen und ganz unten bei Hasle-Rüegsau.
Fotos © Jörg Niederer
"Überhaupt: Das Leben ist kurz; man muss die Gegenwart mit Vernunft und Gerechtigkeit nutzen. Sei nüchtern und entspannt." Marc Aurel (121-180 n. Chr.)

Entdeckt

Dreimal Dürre in der weiteren Region um Burgdorf herum. Ich erinnere mich an ein Gespräch. Es war im Frühjahr. Im Zug sass ich einem Flüchtling aus Afghanistan gegenüber. Der Bauernsohn lobte die grünen Wiesen und Matten in der Schweiz. Hier hätte es das Vieh noch besser als manche Menschen in seinem kriegsversehrten Land. Gerne würde er hier Bauer sein.

Das war, als die Dürre sich noch nicht abgezeichnet hatte. Gestern bei der Weiterwanderung auf der Kapellentour von Krauchthal zum Bahnhof Hasle-Rüegsau trafen wir in der Schwändi den Altbauern an, wie er auf einem alten Elektrovelo neben uns hoch flitzte und vor einem Wasserreservoir anhielt, um dort nach dem Wasserstand zu schauen. Ich fragte ihn, ob er noch genug Wasser habe. Er verneinte: "Eben ist es zu wenig. Die Quelle gibt noch einen Liter pro Minute." Jetzt füllte er das Reservoir mit dem teuren Wasser der Gemeinde etwas auf. Ich verstand nun, warum der Wasserschlauch von weiter oben zum Wasserspeicher des Bauern führte. Er erzählte. Sein Sohn, der nun den Hof führe, habe auch nicht mehr ausreichend Futter. Die Händler seien ausverkauft, sie könnten nicht mehr liefern, auch nicht aus Frankreich oder Deutschland, von wo sie in anderen Jahren Futter einführen konnten. Die Bauern der Nachbarsländer hätten selbst zu wenig Futter für ihre Tiere. Es habe zwar auch 2003 schon eine grosse Trockenheit gegeben, die sei aber nicht schon so früh gekommen. "So etwas habe ich noch nie erlebt", meint er. "Wir müssen wohl Kühe verkaufen."

An einer anderen Stelle sahen wir von Weitem eine Prozession von Kühen und Kälbern, wie sie über eine grosse, trockene Weide hinweg zum weit entfernten Zaun zogen. Dort hatte es angrenzend noch grüne Wiesen. Dort frassen sie dann unter dem Zaun hindurch. Andere Rinder hatten es besser, an denen wir vorbeiwanderten. Sie liessen sich nicht ablenken von dem relativ kleinen, von grünem Klee deutlich anders gefärbten Weideland. Es müsste wohl gerade gereichen haben für diesen einen Tag. Was aber dann?

Ich überlegte mir: Sieht es jetzt bei uns so aus, wie auf den Weiden des Bauernsohns in Afghanistan?

Jörg Niederer

Freitag, 15. Mai 2026

Glotzen

Ein Zitat

Rinder bei Nyffenegg beobachten uns neugierig, wie wir den Berg hinaufkeuchen.
Foto © Jörg Niederer
"Das ständige Glotzen / Das ständige Motzen / Das ständige Protzen / einfach zum Kotzen" Hans-Christoph Neuert (1958-2011)

Hingesehen

Unlängst las ich darüber, wie Schweizer:innen fremde Personen unverhohlen anglotzen, was natürlich von diesen als Problem erfahren wird. Nun hat mich auch schon einmal jemand daraufhin angesprochen, warum ich sie ständig fixiere. Tatsächlich suche ich immer irgend einen Orientierungspunkt in der Landschaft, und wie ich festgestellt habe, sind das nicht selten Personen. Natürlich arbeite ich zwischenzeitlich an dieser Marotte und versuche, bewusst auch wegzuschauen.

Dazu eine Beobachtung. Selten sind mir so viele neugierige Rinder und Kühe begegnet wie auf der letzten Wanderung. Schon von weitem fixierten sie uns, beobachteten anhaltend, wie wir langsam näher kamen, ja sie glotzten uns richtiggehend in den Boden. Was sie wohl dachten bei unserem Anblick? Vermutlich wunderten sie sich, wie langsam wir den Berg hochkraxelten, und warum wir uns überhaupt so unnötiger Weise abplagen. Vielleich mokierten sie sich auch über unser Outfit, verglichen es mit anderen Wandernden, die besser gekleidet waren. Vielleicht fragten sie sich auch, ob uns zu trauen sei. Thurgauer im Emmental, das könnte zu Eigentumsdelikten führen.

Zurückglotzen brachte auch nicht viel. Das war den Rindern und Kühen so was von egal. Die schauten uns einfach weiter an, irgendwie aufmerksam und auch gelangweilt. Man muss ja irgendetwas betrachten beim Wiederkäuen. Möglicherweise dachten sie auch darüber nach, warum sie noch nie einen Menschen gesehen haben, der wie sie ins Gras beisst, selbst wenn diese noch so erschöpft ausgesehen haben und reif für eine Stärkung gewesen wären. Das wäre mir aber gar nicht recht: Ins Gras beissen. Da glotze ich viel lieber weiter in der Gegend rum.

Jörg Niederer

Montag, 20. April 2026

Kuhversammlung

Ein Zitat

Kühe vergnügen sich auf der Weide mit dem Durchwühlen von Erdhaufen.
Foto © Jörg Niederer
"Einer schwanzlosen Kuh treibt Gott selbst die Fliegen weg." Sprichwort

Hingesehen

Auf der Weide, entlang des Elektrozauns haben sich Kühe um Erdhaufen versammelt. Vielleicht hat der Bauer sie ganz bewusst dort aufgehäuft, vielleicht ist es auch Abraum, der hier vorübergehend deponiert wurde. Die Kühe jedenfalls interessieren sie sehr für das Erdreich. Sie drängeln sich um die Haufen, wühlen mit dem Kopf in der Erde, schnuppern und schnaufen dabei genüsslich und laut. Spielen sie? Suchen sie nach fressbaren Wurzeln oder nach Mineralien? Wollen sie sich an diesem warmen Frühlingstag etwas abkühlen auf der sonst schattenlosen weiten Weide? Hätte man ihnen die Hörner nicht entfernt, sie würden wohl noch viel mehr Staub aufwirbeln.

Neugierig sind die Tiere, auch auf uns. Sie bestaunen uns, wie wir Menschen Zootiere bewundern, riechen an den Händen, die ihnen hingestreckt werden, glotzen uns mit ihren schönen Augen an. Und wir staunen zurück.

Jörg Niederer

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