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Sonntag, 15. März 2026

Verdienstvoll verdienstlos

Ein Zitat

In der Kirche St. Karl in Luzern.
Foto © Jörg Niederer
"Denn der Lohn der Sünde ist der Tod. Aber die Gnade, die Gott uns gewährt, ist das ewige Leben. Denn wir gehören zu Christus Jesus, unserem Herrn." Bibel: Römer 6,23

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Zum Foto: Das Foto zeigt den Innenraum der Römisch-katholischen Kirche St. Karl in Luzern. Sie ist nach Karl Borromäus (1538–1584) benannt. Fritz Menger (1898-1973) hat sie entworfen. Erbaut wurde sie von 1932-1934 als die erste Beton-Kirche der Innerschweiz. Sie wird in der Liste der Kulturgüter in Luzern als von nationaler Bedeutung geführt. Die Entwürfe der Fresken und Fenster in der Oberkirche stammen von Hans Stocker (1896-1983). Der Kirchenraum fasst 900 Personen.

Zum Bibel-Zitat: Als ob man den Tod erwerben müsste. Als ob er etwas Verdienstvolles wäre. Dabei ist nichts so sicher wie der Tod. Er ist unabdingbarer Bestandteil jeder menschlichen Biographie. Nach den Aussagen von Paulus (Römer 6,12-23) haben wir Menschen den Tod verdient. Verdient durch unsere Sünden. Wenn der Tod aber den Sünder und nicht die Sünde trifft, dann bedeutet das doch, dass sich Sünder und Sünde, Mensch und Tat nicht trennen lassen. Dass Aussagen wie: "Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder" falsch sind. Emil Brunner hat recht, wenn er schreibt: "Nicht bloss, wie wir uns gern einreden, 'das Sündige an uns', nein, der ganze Mensch muss in den Tod hinein. Sünde und Sünder sind nicht zu trennen." (Emil Brunner, das Gebot und die Ordnungen, Zürich 1978, Seite 157).

Wie wenn man sich das Leben verdienen könnte. Wie wenn wir des eigenen Glückes Schmied währen. Dabei ist nichts so unverdient wie das Leben. Oder kannst du gewisse Verdienste oder Versäumnisse ausweisen, die dazu geführt haben, dass du lebst, dass du reich oder arm geboren wurdest, dass du gesund oder versehrt zur Welt gekommen bist? Gewiss können wir das Beste aus einem geschenkten Leben machen. Besonders verdienstvoll ist das aber nicht. Denn letztlich sind wir uns selbst zum Leben geschenkt.

Jörg Niederer

Samstag, 13. Dezember 2025

Huhn oder Ei

Ein Zitat

Ein Haus mit Holzerker in Ennenda. Der Erker sieht verdächtig nach einem Plumpsklo aus.
Foto © Jörg Niederer
"Gäste werden auf dem Klo nicht alt, lässt man es dunkel und auch kalt." Toilettenspruch

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Die ewige Frage: Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Es kann nicht beides zugleich gewesen sein. So gestellt ist die Frage wissenschaftlich beantwortet. Das Ei gab es bei anderen Lebensformen schon lange vor dem Huhn. Schwieriger wird es, wenn man fragt: Was war zuerst da, eine Lebensform, die Eier legt oder das Ei, aus dem die Lebensform die Eier legt, geschlüpft ist? Naturwissenschaftlich ist die Frage beantwortet. Weder das Eine noch das Andere, sondern etwas davor, aus dem Spezies und zugehöriges Ei sich nach und nach entwickelten.

Diese philosophische Frage vom Huhn und Ei kann sich mitunter auch architektonisch stellen. Etwa wie auf dem Foto vom Haus mit den Holzerker, der über dem Hauseingang thront. Der Anbau sieht verdächtig nach einem ehemaligen Plumpsklo aus. Dann wäre der Hauseingang erst später an diese Stelle verschoben worden. Denn wer will schon über die Fäkaliengrube und unter dem Lokus hindurch das Haus betreten, immer in der Gefahr, vom Hausherrn oder der Hausdame im falschen Moment (an-)getroffen zu werden. Die Verlegung des Hauseingangs unter das Klo wäre folglich zeitgleich mit dem Anschluss desselben an die Kanalisation erfolgt.

Andererseits könnte auch der Hauseingang zuerst an dieser Stelle gewesen sein und das Plumpsklo stand einst freistehend hinter dem Haus zwischen den Blumenrabatten. Bei der Sanierung der Liegenschaft wurde dann der "Holzthron" im Garten ins Haus verlegt, was am einfachsten ohne grossen Raumverlust bewerkstelligt werden konnte, indem man es über dem Hauseingang in einen netten kleinen Holzerker platzierte. Unnötig zu sagen, dass das zeitgleich mit dem Anschluss an die Kanalisation erfolgt sein musste.

Das Klo über dem Hauseingang ist ein gar nicht so abwegiger (!) Standort. An beiden Orten hält man sich relativ kurze Zeit auf und an beiden Orten ist ein (An-)Kommen und (Ab-)Gehen. Beides sind willkommene (und will-kommende) Orte, ohne die ein Haus unvollständig wäre. Und an beiden Orten erfolgt ein Übergang von privatem zum öffentlichem Raum. Geschickt geplant darf der Natur hier ihren Lauf gelassen werden. Womit ich doch noch die Kurve gekriegt habe zum eigentlichen Anliegen dieses Blogs. Zur Natur, und ihrer Koexistenz mit Kultur und Philosophie.

Jörg Niederer

Dienstag, 25. November 2025

Das alte Haus...

Ein Zitat

Das Einsiedlerhaus in Hombrechtikons Ortsteil Schlatt ist schon über 500 Jahre alt.
Foto © Jörg Niederer
"Dein Haus soll ein Sammelort der Weisheit sein." Babylonischer Talmud 

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Ein älterer Herr sägt im Garten etwas umständlich Äste entzwei. Ich frage ihn, wie es so sei, in diesem alten Haus zu leben. Da meint er verschmitzt, er sei ja noch nicht so alt!

Ich spreche vom ältesten Haus auf dem Boden der Gemeinde Hombrechtikon, vom sogenannten "Einsiedlerhaus". Es steht im Ortsteil Schlatt, hart an der Kantonsgrenze.

Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass das Haus schon 511 Jahre alt ist. Die Besitzverhältnisse sind ab dem Jahr 1691 bekannt.

Vermutlich hat das Haus den Namen von seiner Lage an der Pilgerroute nach Einsiedeln. Aber er könnte auch von späteren Bewohner:innen stammen, lebten doch ab dem Jahr 1419 Brüder eines Bettelordens in Schlatt, und später dann 14 franziskanische Terziarinnen.

Die Hauskonstruktion ist sehr urtümlich. Es handelt sich um einen Bohlenständerbau, einem der ältesten im Kanton Zürich. Dabei werden die Zwischenräume stehender Balken, "Ständern" genannt, mit groben Holzbrettern, den sogenannten "Bohlen" flächig aufgefüllt. Besonders im oberen Teil des Hauses ist diese Konstruktion gut zu erkennen. Ebenfalls Original ist das Krüppelwalmdach. Dabei handelt es sich um eine Dachkonstruktion, die auf den vier Seiten mit einer Schräge versehen ist, dem sogenannten "Walmdach". Weil auf den Stirnseiten diese Schrägen aber nur auf halbe Traufhöhe hinabgezogen sind, nennt man es eben "Krüppelwalmdach" oder auch "Kurzwalmdach".

Ja, so ein altes Haus ist schon etwas Besonderes.

Jörg Niederer

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