Ein Zitat
"'Wirf weg, damit du nicht verlierst!' ist die beste Lebensregel." Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)
Foto: © Jörg Niederer
Entdeckt
Es waren schwierige und düstere Jahre für die Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz. Innert weniger Jahre mussten aufeinander der Betrieb der kircheneigenen Druckerei CVB Buch und Druck eingestellt werden; das Hotel Viktoria Hasliberg, ein anderes Werk der Kirche, musste wegen des drohendem Konkurses verkauft werden, und auch die EMK Bern-Villette und das Hotel- und Konferenzzentrum "alfa" musste aufgegeben und liquidiert werden.
Der Gebäudekomplex an bester Lage in Nähe zum Hauptbahnhof Bern sieht heute nicht viel anders aus als im Jahr 2004, als hier die kirchliche Arbeit beendet werden musste. Nur ist da eben nicht mehr das alfa-Zentrum, sondern das "Ador" von der Hotelgruppe Sorell zu finden ist.
Dabei begann alles 1973 mit einem innovativen Konzept: Hotel und Kirchgemeinde in den selben Räumen. Die Säle und Sitzungszimmer wurden so gestaltet, dass sie sowohl als kirchliche Räume wie auch für Konferenzen genutzt werden konnten. Übersetzungskabinen waren in den unterirdischen Kirchensaal integriert. Auch eine Orgel wurde eingebaut. Übrigens waren alle kirchlichen Räume ohne natürliches Licht im 1.bis 4. Untergeschoss zu finden, während Restaurant und Hotelzimmer darüber angelegt waren.
Meine ersten Erinnerungen an das alfa-Zentrum gehen auf das Jahr 1978 zurück, als ich an einer grossen Jugendveranstaltung dort teilgenommen habe. Während des Theologiestudiums absolvierte ich das sechswöchige Gemeindepraktikum in der Villetten-Gemeinde und lernte dabei so einiges vom damaligen Pfarrer Ernst Gisler. Er wohnte mit der Familie im obersten Stock in einer Wohnung, die heute wohl Teil des Hotels ist. Später dann besuchte ich als Pfarrer mit Jugendlichen im alfa-Zentrum eine Lesung der Theologin Dorothee Sölle. Auch Kurt Marti, Dichterpfarrer von Bern, war unter den Zuhörenden. Sehr oft fanden später kirchliche Sitzungen in diesem Haus statt, an denen ich aus beruflichen Gründen teilgenommen habe. Gegessen wurde dann jeweils gleich im Hotelrestaurant.
Als 1999 die Methodistenkirche das alfa-Zentrum aus finanziellen Gründen in eine Genossenschaft überführte, zeichnete sich ab, dass die damals 212 Methodist:innen ihre geistliche Heimat verlieren würden. Bis 2003 blieb der Gemeindebetrieb als Mietverhältnis gewährleistet. Ab 2004 ist der Bezirk Bern-Villette nicht mehr separat in der Statistik der Kirche aufgeführt. Das bedeutet wohl, dass ab dann die Gemeindeglieder sich entweder auf die anderen Gemeinden verteilten oder die Kirche verliessen. 2009 jedenfalls befand sich die Genossenschaft Alfa-Zentrum Bern in Liquidation. Die Evangelisch-methodistische Kirche musste dabei 6 Millionen Franken abschreiben. Auch die Berner Kantonalbank verlor bei dieser ordentlichen Liquidation einen Teil der geschuldeten 7,5 Millionen Franken.
Bleibt noch zu sagen: Im Alter von 4 bis 6 Jahren lebte ich in Bern. Damals besuchten wir die Villette-Gemeinde, beziehungsweise die Kapelle der Methodist:innen, die damals an dieser Stelle stand. Irgendwo gibt es ein Foto, wie unsere Familie vor dem Eingang jener alten Kapelle steht. Vielleicht finde ich das Foto ja wieder einmal. Wer weiss.
Jörg Niederer
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