Ein Zitat

Fotos: © Jörg Niederer
"Von der Methodistenkapelle zu Berns erster Adresse für Chanson & Kabarett" Quelle: La Capella, Bern
Entdeckt
Gestern schrieb ich von einstigen 8 Methodistenkirchen in der Stadt Bern. Nun, es waren nur 7. Bei einer Liegenschaft handelte es sich lediglich um ein Wohnhaus.
Schauen wir heute auf zwei sehr verschiedene Kapellen. Beginnen wir mit der Kapelle, die nach den Gründern der methodistischen Bewegung in England benannt und noch heute so angeschrieben ist, der Wesley-Kapelle. Sie steht im Quartier Breitenrain, war einst ein eigenständiger Kirchenbezirk und zählte 1981 noch 102 Mitglieder. 1993 wurde dort die methodistische Arbeit dann eingestellt. Interessanter Weise findet sich auf der aktuellen Webseite zur Liegenschaft (ich komme noch dazu!) der Hinweis, dass in der 1907 erbauten Kapelle der letzte Gottesdient 1998 stattfand. Vermutlich wurde die Kapelle also von einer anderen Gemeinschaft einige Jahre kirchlich weitergenutzt, bis im Jahr 1998 dann dort ein Kulturzentrum eröffnet wurde, das "La Cappella". So wird die Wesely-Kapelle heute genannt. Auf der Webseite spricht man von einem Vierteljahrhundert mit "grossartiger Kleinkunst", von Sternstunden in der "Wohlfühlkapelle", davon, dass in den letzten 27 Jahren über einen halbe Million Besucher:innen gezählt wurden.
Ganz anders die Markuskapelle in Bern-Liebefeld. Sie war Teil des Kirchenbezirks Bern-Lukaskapelle, also eine sogenannte Aussenstation. Als Standort wird Könizbergstrasse 5a angegeben. Dort steht heute die auf dem unteren Bild abgebildete Liegenschaft. Wie man sieht, ist es ein schon älteres Gebäude. Der Zusatz "a" zur Hausnummer gibt es heute nicht mehr. Eine Bewohnerin, welche seit 2006 im Haus wohnt, weiss zwar von einer Kapelle, die etwa 150 Meter entfernt stand, da wo sich heute ein blaugestrichenes grosses Mehrfamilienhaus befindet. Dass es sich bei einem Teil des Hauses an der Könizbergstrasse einst um eine Kapelle handelte, davon weiss sie nichts.
Die zwei Türen - sie sehen beinahe ein wenig wie die Eingänge der Judenhäuser in Endingen und Lengnau aus (Siehe Beitrag vom 22. November 2023!), könnten ein Indiz sein, dass im einen Hausteil (Haushälften 5a und 5b mit je eigenen Eingängen?) sich tatsächlich einst die Methodist:innen versammelten. Jedenfalls findet sich ab 1991 in den kirchlichen Dokumenten kein Hinweis mehr auf methodistische Versammlungen an diesem Ort. Die Bewohnerin des Hauses, mit der ich sprach, wusste davon, dass hier einmal ein Schuhmacher wirkte und auch ein Blumenladen untergebracht war. Heute ist dort ein Fahrradverlag "VeloKultur" untergebracht und es finden Ausstellungen statt, aktuell gerade passend zum Thema Schuhe. Im verwilderten Garten entdecke ich eine hübsche schwarze Katze. Das Haus wirkt lebendig, Menschen gehen ein und aus. Ebenfalls im Haus zu finden ist eine Gemeinschaftspraxis für Atemtherapie, Psychosoziale Beratung und Craniosacral-Therapie. Auch eine Abschieds- und Ritualbegleiterin gehört zum Praxisteam. Die 3-Zimmer-Wohnung im 2. Obergeschoss ist aktuell ausgeschrieben für CHF 1740.- exkl. Nebenkosten. Gesucht werden nette Nachbarn.
So also kann Leben in der einstigen Kirche auch aussehen.
Jörg Niederer
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