Samstag, 26. September 2026

Keine Angst vor Spinnen

Ein Zitat

Eine Gartenkreuzspinne in ihrem Radnetz. Zu sehen ist ihre Unterseite.
Foto: © Jörg Niederer
"Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken." Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Entdeckt

In letzter Zeit lese ich immer wieder in Kommentaren zu Spinnenfotos, man solle sie nicht töten, sie seien harmlos und ungefährlich. Das stimmt auch für die Spinnen, die es bei uns in der Schweiz gibt. Dass man bei so einem kleinen Tier hinschreiben muss, dass man es nicht töten soll, finde ich tragisch. Andererseits kenne ich natürlich die Arachnophobie, also die Angst vor Spinnen. Wie viele Phobien ist sie unbegründet, und doch gibt es sie. Gewisse Ängste lassen sich mit Logik und Vernunft halt nicht vertreiben. So hatte ich als Kind jahrelang Angst vor Schnaken, diesen langbeinigen geflügelten Insekten, die sich ab und zu von den Wiesen in die Zimmer verirren und dann knistern den Wänden entlangstreichen.

Dagegen haben mich Schlangen, Kröten, Echsen und Spinnen immer schon fasziniert. Was andere Menschen in die Flucht trieb, das hat mich angezogen. Diese Spinne habe ich einen Tag später noch einmal besucht, als sie gerade eine Wespenart in ihrem Netz gefangen hat. Es war interessant zu beobachten, wie sie das Insekt geschickt eingesponnen hat.

Gerade habe ich gelesen, dass alle Menschen der Erde pro Jahr zusammen 400 Millionen Tonnen Fleisch und Fisch vertilgen. Das ist viel, aber noch mehr vertilgen alle Spinnen der Erde zusammen: Bei ihnen kommt die gigantische Masse von 400-800 Millionen Tonnen Insekten und Kleingetieren zusammen. Gäbe es die Spinnen nicht, würden uns viele zusätzlich Plagegeister um die Ohren schwirren.

Aber auch das gibt es. Eine einzige Spinne ist bekannt, welche sich vegetarisch ernährt. Bagheera kiplingi lebt in Mittelamerika und ist eine Springspinne, welche einer Ameisenart protein- und fettreiche Knospen der Akazie vor der Nase wegschnappt.

Übrigens frisst die hier fotografierte Gartenkreuzspinne nebenbei auch pflanzliche Nahrung. Im Frühling verfangen sich in den Radnetzen der Spinne Blütenpollen und Pilzsporen. Um Energie zurückzugewinnen, frisst die Spinne alte eigene Netze wieder auf. Dabei vertilgt sie auch die Blütenpollen darin als zusätzlichen Energiesnack. Besonders junge Spinnen sind auf diese Nahrungsergänzung angewiesen.

Jörg Niederer

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