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Mittwoch, 12. August 2026

Lebendig verspeist

Ein Zitat

Die Schlupfwespe Coleocentrus excitator auf einem Brombeerblatt.
Foto © Jörg Niederer
"Nichts ist umsonst erschaffen, aber die Fliege ist nicht weit davon entfernt." Mark Twain (1835-1910)

Entdeckt

Darf ich vorstellen: Schlupfwespe. Weibchen von Coleocentrus excitator. Einen deutschen Namen hat das gut 23 mm lange Insekt nicht. Der Legestachel wurde bei der Grössenangabe noch nicht mitgemessen. Er ist noch einmal gut 17 mm lang. Die Schlupfwespe ist ein koinobionter Endoparasitoid. Das bedeutet, dass die Larven der Schlupfwespe lange Zeit in einem andern Tier leben, und dieses langsam von innen auffressen, aber so, dass das Wirtstier erst kurz vor Ablauf des Larvenstadiums der parasitierenden Tieres stirbt. Genau das bezeichnet das "Endo" vor dem Begriff "Parasitoid". Der Parasit bringt den Wirt langsam und schlussendlich um. Es gibt auch parasitoide Insekten, die den Wirt weiterleben lassen.

Im Fall von Coleocentrus excitator parasitiert dieser verschiedene Bockkäfer, etwa den Mulmbock, den Gelbbindigen Zangenbock, den Rothalsbock und den Braunrötlichen Spitzdeckenbock. damit reguliert Coleocentrus excitator mit seinem parasitierenden Verhalten einige Baumschädlinge. Das ist für die Bockkäfer natürlich nicht sehr schön, für die Kiefern, Fichten und Erlen jedoch schon.

Jörg Niederer

Freitag, 3. Juli 2026

Haariger, fliegender Parasit

Ein Zitat

Ein Grosser Wollschweber fliegt die Blüten des Alpen-Thymians an.
Foto © Jörg Niederer
"Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt? Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen." Georg Büchner (1813-1837)

Entdeckt

Wollschweber vermehren sich parasitär. Die Leidtragenden sind in der Regel solitär lebende Wespen- und Bienenarten. Manche Wollschweber schiessen ihre Eier aus dem Flug in die Legeröhren der Wespen und Bienen. Andere, wie dieser Grosse Wollschweber, legen die einzelnen Eier beim Eingang der Legeröhre ab und tarnen diese mit Sandkörnern. Schlüpfen die Larven, besitzen sie kleine Beine, so dass sie in die Legeröhre ihres Wirts eindringen können. Dort ernähren sie sich von den Wirtslarven. Nach der ersten Häutung haben die Larven dann keine Beine mehr und gleichen so stärker den Larven der Wirtstiere. Es gibt Wollschweber, die auf diese Weise 2000-3000 Eier ablegen.

Auf dem Foto ist schön der haarige Pelz zu sehen, der den gesamten Leib des Wollschwebers umgibt. Ebenfalls ist der lange Rüssel gut zu erkennen. Mit ihm saugt der Grosse Wollschweber im Flug an den Blüten, fast wie ein kleiner Kolibri. Auf dem Foto tut sich das Insekt am Nektar des Alpen-Thymians gütlich.

Jörg Niederer

Samstag, 18. April 2026

Die Trauer-Rosenkäfer und die Pollen

Ein Zitat

Drei Trauer-Rosenkäfer auf einer Löwenzahnblüte sind ganz vertieft ins Fressen von Blütenpollen.
Foto © Jörg Niederer
"Möge die ganze Welt glücklich sein." Aus einem Hindugebet

Hingesehen

Sie sind vom Blütenstaub gelb überzuckert und in einem wahren Fressrausch, die drei Trauer-Rosenkäfer auf der Löwenzahnblüte. Es ist das zweite Mal, dass ich diesen potentiell gefährdeten Käfer fotografieren konnte. Das erste Mal fand ich ihn Mitte Mai 2024 auf einer Wildblumenwiese der Propstei Wislikofen (AG) (siehe Foto unter dem Beitrag vom 14.05.2024).

Fast einen Monat früher nun entdeckte ich etwa 20 Oxythyrea funesta auf einer lichten und stark sonnenbeschienenen Waldrandstelle direkt am Wanderweg bei Burgstelle nahe Pfaffnau (LU). Diese Käfer werden in den letzten 15 Jahren vermehrt bei uns und in Süddeutschland aufgefunden. Ihre eigentliche Heimat ist der Mittelmeerraum. Der Klimawandel begünstig offensichtlich ihre Ausbreitung auf die Alpennordseite. Die hübschen Trauer-Rosenkäfer sind ausgewachsen unverwechselbar. Mit ihren weissen Punkten auf schwarzem Grund sehen sie recht hübsch aus. In der Form gleichen sie dem häufigeren Goldglänzenden Rosenkäfer. Das Larvenstadium verbringen sie als bis zu 3 cm lange Engerlinge im Boden. In diesem Stadium kann man sie mit anderen Engerlingen verwechseln. Dann fressen sie Wurzelwerk. Als Käfer lieben sie Blütenpollen. Auf dem Foto sieht man beim Trauer-Rosenkäfer ganz rechts im Bild auch die starke Behaarung. Diese wird im Verlauf der weiteren Nahrungssuche und beim Kriechen durch enge Spalten abgeschabt und geht verloren. Bei den anderen beiden Käfer hat die "Rasur" bereits lichte Stellen hinterlassen.

Trauer-Rosenkäfer fliegen von Mai bis Juli und können folglich noch einige Zeit beobachtet werden. Dass sie bereits Mitte April anzutreffen sind, deutet darauf hin, dass sie sich den wärmeren Umständen im Schweizer Mittelland angepasst haben. Nahrung ist mit der Löwenzahn- und Rapsblüte jedenfalls im Überfluss vorhanden.

Leider ist der Käfer in der Schweiz nicht geschützt und gilt des Pollenfrasses wegen als Schädling in Obstbau. Besonders aber die Larven gelten als sehr schädlich für die Landwirtschaft. Für viele Vögel sind sie aber lebenswichtige Grundlage bei der Aufzucht der Jungen.

Jörg Niederer

Donnerstag, 13. November 2025

Chromglänzendes Ungeheuer der Unterwelt

Ein Zitat

Eine männliche Nymphe einer Feldgrille wärmt sich an der Novembersonne auf.
Foto © Jörg Niederer
"Warum etwas sagen, wenn man es singen kann?" Walt Disney (1901–1966)

Hingesehen

Ein chromglänzender schwarzer Kopf, zwei gerippte Antennen, die am runden Haupt durch Kugelgelenke befestigt sind, ein Körper wie aus Stahlsegmenten. Die Nymphe einer Feldgrille, stellt man sie sich gross vor wie ein Panzer der Armee, wirkt wie von einem anderen Stern, furchteinflössend und bedrohlich. Doch die Tierchen sind ja nur gerade 18 bis 27 Millimeter lang.

Diese Nymphe auf dem Foto stellte sich mir bei meiner methodistischen Kapellentour auf dem Wanderweg entlang des Hirschlensees in den Weg und liess sich partout nicht, auch zu ihrer eigenen Sicherheit, vom Wanderweg weg vertreiben. So konnte ich ihr mit der Kamera bis auf wenige Zentimeter auf den Leib rückten. Herausgekommen ist dieses eindrückliche Portrait eines Insekts, das überall in den Wiesen zuhause ist, dessen eindringliches Zirpen nicht überhört werden kann, und das sich doch selten in seiner ganzen Pracht zeigt.

Nymphen übrigens zirpen noch nicht, Dazu fehlen ihnen die Flügel, die sie erst nach dem Winter bekommen. Dann, im Frühjahr und Sommer wird wohl auch diese Feldgrille einstimmen in einen vielstimmigen Liebesgesang.

Jörg Niederer

Dienstag, 30. September 2025

Was frisst denn der Vogel da?

Ein Zitat

Ein jugendlicher Kampfläufer im Neeracherried hat ein grösseres Insekt erbeutet.
Foto © Jörg Niederer
"Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden." Oliver Hassencamp (1921-1988)

Hingesehen

Es ist kein seltener Vogel der hier auf dem Bild zu sehen ist. Ein Kampfläufer im Jugendkleid. Ihren Namen haben die Wattvögel von ihren Kämpfen, die sie auf Arenen in den Brutgebieten um die Weibchen ausfechten. Dann tragen sie sehr individuelle Prachtkleider, bei dem der voluminöse und aufrichtbare Kragen eine wichtige Rolle spielt. Aktuell ist diese Schnepfenart auf dem Durchzug in südlichere Regionen.

Was ich aber nicht sicher erkennen kann: Welches Insekt hat der Vogel hier erbeutet bei seinem ruhelosen Herumstochern im sumpfigen Boden? Die KI irrt wohl deutlich mit ihren Spinnenvorschlägen, hat doch das Tier auf dem Bild nicht acht, sondern nur sechs Beine. Andere Vorschläge sind: Zikade, Köcherfliege, Heuschrecke und Libellenlarve. Ich tendiere zu Libellenlarve. Was denkst du, was da in Kürze im Verdauungstrakt des Kampfläufers landen wird?

Jörg Niederer

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