Ein Zitat
![]() |
| Foto: © Jörg Niederer |
Entdeckt
Zur Auflösung des gestrigen Blogs: Genf ist die Stadt, in der ich mich gerade befinde. Heute gibt es nun das Gespräch nach dem Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Und darum geht es: "Das öffentliche Zeugnis, die regionale Kontextualisierung und die Sozialen Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche im europäischen Kontext". Es wirken unter der Leitung von Pfarrer Dr. Liberato Bautista mit: Bischöfin Rosemarie Wenner, Dr. Thorsten Göbel, Pfarrerin Sarah Tiainen und dann noch meine Wenigkeit.
Seit der Generalkonferenz 2020/24 ist es den EMKs in den verschiedenen Regionen der Welt stärker möglich, auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasst zu reagieren. Zudem gibt es seit besagter Generalkonferenz neu formulierte Soziale Grundsätze. Es geht also im Wesentlichen um die sozialethische und diakonische Praxis der Kirche. Da passt doch die folgende Besinnung zum Bibelzitat oben ganz gut, ist doch das Wasser kostbares Geschenk aus Gottes Hand.
Ezechiel sieht in einer Vision, wie am Tempel eine Wasserquelle entspringt. Anfänglich klein, wird aus dem Bach nach etwa 2 Kilometern ein Strom, durch den man nicht mehr gehen kann und schwimmen muss. Dieses Wasser fliesst ins Jordantal und dann ins Tote Meer. Die Ortsbezeichnung En Gedi in Ezechiel 47,10 weist deutlich darauf hin. Das Tote Meer, ein Salzsee ohne Abfluss – es ist sein Wasser, das nach Vers 8 lebendig gemacht und damit geheilt wird durch den Strom, der vom Tempel in Jerusalem ausgeht. Ein tiefsinnig symbolisches Hoffnungsbild.
Heute streitet man sich im Nahen Osten um das Wasser des Jordans. Immer weniger davon gelangt ins Tote Meer. Es droht auszutrocknen. Techniker beraten, wie man den Salzsee retten könnte; etwa durch eine Meerwasserpipeline vom Mittelmeer zum 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Toten Meer. Doch so etwas würde den Charakter des Salzsee-Wassers massiv verändern. Wer von diesen Schwierigkeiten weiss, wünscht sich, dass Ezechiels Vision vom Wasserstrom Wirklichkeit wird. Gegenwärtig sieht es anders aus. Die Situation ist in den letzten kriegerischen Monaten nicht einfacher geworden. Realität und Wunsch klaffen weit auseinander.
Dann wäre da noch diese Frage: Wie viel trauen wir Gott zu? Wie viel Lebenswasser erwarten wir von Gott her? Wo sind die Ströme lebendigen Wassers (Bibel: Johannes 7,38) die von einem Menschen ausgehen, der Jesus Christus vertraut? Manchmal habe ich den Eindruck, als würde es mit all meinem Glauben nur gerade tröpfeln. Doch was sah Hesekiel? Auch beim Tempel Gottes war der Strom nur ein kleines Bächlein. Da kann noch viel geschehen mit unsern Lebenswasser-Tröpfchen.
Jörg Niederer


