Ein Zitat
"Jeder sei, in seiner Art, majestätisch. Wenn er auch kein König ist, müssen doch alle seine Handlungen, nach seiner Sphäre, eines Königs würdig sein und sein Tun, in den Grenzen seines Standes und Berufs, königlich." Baltasar Gracián y Morales (1601-1658), spanischer Jesuit
Foto © Jörg Niederer
Entdeckt
Fotografisch, das gebe ich zu, ist das Bild kein Highlight. Als Belegfoto für einen ikonischer Alpenvogel aber schon. Zuvor hatten wir ihn zwar täglich gesehen, jedoch weit oben und weit weg. An der Bergvogelexkursion von BirdLife kam er zu guter Letzt dann doch noch in die Nähe: der Bartgeier.
Es geschah am Mattmark-Stausee. Hingefahren waren wir, um den Mauerläufer zu beobachten. Dazu mehr im nächsten Blog. Da sah ihn einer durch das Spektiv. Erst nur ein kleiner, eigenartigerweise T-förmiger Punkt über dem Monte-Moro-Pass flog der Greifvogel entlang der linken Bergkette direkt auf uns zu und über uns hinweg. Er brauchte dazu kaum einen Flügelschlag. In den Fängen trug er einen Beinknochen einer Gämse oder eines anderen grösseren Tieres mit sich. Wie er gekommen war, verschwand er auch wieder hinter dem Grat des Klein Allalin.
Wen kleinere Vögel "Nahrung" mit sich tragen, dann kann man von Nachwuchs oder Paarbildung ausgehen. Denn es gibt keinen anderen Grund für einen Vogel, etwas nicht sofort zu essen, wenn es nicht für Nachwuchs oder Brautwerbung gedacht ist. Ob das auch für die Geier gilt? Ich weiss es nicht? Wollte der Bartgeier sein Futter vor Konkurent:innen in Sicherheit bringen? Hat er einen bestimmten Ort, wo er die Knochen aus grosser Höhe fallen lässt, um sie schnabelgerecht zu zerkleinern? Oder bringt er sie seinen Jungen? Beim erbeuteten Bein kann man immerhin sehen, dass es auch Fleisch am Knochen hat. Während Altvögel vor allem Knochen fressen, bekommen Junggeier auch Fleisch von den Altvögeln geboten.
Nun, das sind Spekulationen. Was aber bleibt: Das Staunen über diesen mächtigen Vogel, der wieder zurück ist in unserem Alpenraum, nachdem er einst rücksichtslos ausgerottet worden war.
Übrigens: An diesem Tag sahen wir auch noch Gänsegeier und eine weitere Rarität: der Mönchsgeier. Diese beiden allerdings waren wieder bloss kleine geflügelte Punkte entlang der Gratkante vom Klein Allalin.
Jörg Niederer