Dienstag, 14. Juli 2026

Kunstflug und Affenhitze

Ein Zitat

Oben: Alpensegler im Formationsflug. Unten: Alpensegler beim Ein- und Ausflug am Neststandort.
Fotos © Jörg Niederer

"Je mehr der Alpensegler fliegt, desto hungriger ist er. Und je hungriger er ist, desto mehr fliegt er."
Beitrag zum Alpensegler

Entdeckt

Gerade ist ihr Drillern unüberhörbar bei der Zuckerfabrik Frauenfeld. Die Alpensegler nisten dort jeden Sommer. In diesem Jahr sind so 60-70 der eleganten Flugkünstler vor Ort. Rund um eines der grossen Zuckersilos haben sie unter dem über die Seitenwand heruntergebogenen Attikablech ihre Nester angelegt. Ich habe mindestens 14 verschiedene Einflugbereiche gezählt. Gleich sieht es an einem dort befindlichen, länglichen Industriegebäude aus. Auch unter dessen Blechdach nisten sie. In regelmässigen Formations-Vorbeiflügen kommunizieren die Elterntiere und die ein- oder zweijährigen Vögel laut hörbar mit den Jungtieren. Immer wieder fliegt ein Vogel mit Futter geschickt und in atemberaubender Geschwindigkeit zwischen Blechwand und Tropfkante hinauf in den Hohlraum hinein, in dem die Jungen schon laut bettelnd warten.

In diesen heissen Tagen muss es unter dem Blechdach so richtig unangenehm gewesen sein. Eine Tortour für die Jungvögel. Offensichtlich haben viele von ihnen die brütenden Hitzetage überstanden, und dies, ohne dass sie speziell Wasser trinken konnten. Alle Feuchtigkeit erhalten die Jungtiere vom Insektenfutter, das ihnen die Eltern bringen. Zwischen 54-66 Tage dauert es, bis ein Jungvogel sein enges Nest verlassen kann. Dann aber beginnt ein Leben, das sich 200 Tage pro Jahr ausschliesslich in der Luft abspielt. Auch schläft ein Alpensegler in der Luft, wobei ein Auge immer wach bleibt. In den 20 Lebensjahren legt so ein Vogel eine Distanz zurück, die zehn Hin- und Rückflügen zum Mond entspricht.

Alpensegler können nur schwer vom Boden auffliegen. Ihre Beine sind dafür zu kurz. Jungvögel, denen der erste Flug missglückt ist, werden daher oft Opfer der Falken. Baum- und Turmfalken suchen regelmässig die Brutstandorte der Alpensegler ab, und manchmal ziehen sie an Ort und Stelle ihre eigenen Jungen gross. So hat es im künstlichen Nistkasten zuoberst auf einem Zuckersilo Turmfalken, die dort erfolgreich ihr Nest eingerichtet haben. Die aufmerksamen Alpensegler warnen sich gegenseitig vor diesen Beutegreifern. Gemeinsam sind sie gut geschützt. Zusammenbleiben macht eben durchaus Sinn, und das nicht nur im Tierreich.

Jörg Niederer

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