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Freitag, 4. September 2026

Wo wollen wir Vielfalt?

 Ein Zitat

"Am Anfang nicht Gier, sondern Atem / Am Anfang nicht Beute, sondern Geschenk / Am Anfang nicht Rechnen, sondern Staunen." Jacqueline Keune (1961*)

Entdeckt

Tobias Brülisauer referiert zum Auftakt der Schöpfungszeit im Botanischen Garten St. Gallen über "Kraut oder Unkraut".
Foto: © Jörg Niederer
Wie jedes Jahr luden die Ökumenischen Kommission Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) der beiden Kantone Appenzell und des Kantons St. Gallen zum Auftakt der Schöpfungszeit in den Botanischen Garten St. Gallen ein (siehe auch Beitrag vom 31. August 2026). Der Grüne Pavillon war an diesem Abend des 1. Septembers gut gefüllt, als Tobias Brülisauer, Biodiversitätsexperte und ausgewiesener Pflanzenkenner sein anregendes Referat hielt zum Thema "Kraut oder Unkraut". Als Praktiker mit viel Fachwissen gelang es dem Biobauern im Ruhestand gut, die Spannungsfelder zwischen Landwirtschaft und wild wuchernder Natur aufzuzeigen und einige Lösungsansätze zu benennen.

Ich lernte, dass in je unterschiedlichen Kontexten jede Pflanze zu einem Unkraut werden kann. Weiter erfuhr ich, dass die Natur keine Leerstellen mag, was zu einem Bewuchs um jeden Preis führt. Auch hat jede Pflanze ihre spezielle Aufgabe. Drittens gibt es in der Natur einen starken Trieb zur Diversität. Als Fazit seiner Ausführungen listete Tobias Brülisauer die folgenden Punkte auf:

  • Die Unterteilung Kraut – Unkraut ist menschengemacht
  • Es gibt keine unnützen Pflanzen!
  • Viele Pflanzen zeigen gestörte Verhältnisse an und sind da, um zu heilen
  • Landwirtschaft ist immer ein Eingriff in die Natur – übrigens Naturschutz oft auch
  • Der Erhalt einer grossen Biodiversität ist wichtig (Genetik der Zukunft)
  • Jeder Mensch sollte sorgfältig für sich entscheiden, was Kraut oder Unkraut sein soll.

Weiter ging der Abend mit einer Führung durch den Botanischen Garten. Dabei erfuhr man zu Beispiel, warum manche Schmetterlingsraupen in Ameisenhaufen gross werden und warum die Stachelseerose einen Tag weiss und einen Tag rosa blüht um dann unterzutauchen.

Der Abend wurde abgerundet mit einem Abendsegen, bei dem Brennnesseln und ihre Samen im Mittelpunkt standen, sowie dem anschliessenden Tradition gewordenen Apéro.

Jörg Niederer


Dienstag, 1. September 2026

Der kleine Blaue

Ein Zitat

Zweimal den gleichen Hauhechel-Bläuling. Einmal die Flügeloberseite, einmal die Flügelunterseite.
Fotos: © Jörg Niederer
"Die freie Natur.– Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat." Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Entdeckt

Schmetterlinge und Falter brauchen eine Vielzahl von Lebensräumen. Einige von ihnen sind spezialisiert und an eine einzige Pflanzenart gebunden. Stirbt diese Pflanzenart aus, stirbt auch der Schmetterling aus. Vier von zehn solcherlei hochgradig spezialisierte Schmetterlinge sind bei uns in der Schweiz verschwunden. Der Hauhechel-Bläuling ist da weniger anspruchsvoll. Auf der Seite der NABU steht: "Man findet die Tiere sowohl in trockenen als auch in feuchten Habitaten, wobei sie offene Landschaftsteile bevorzugen. Man kann die Art unter anderem auf ungedüngten, blütenreichen Wiesen, an Böschungen, Dämmen und in der offenen Feldflur beobachten. Auf Ruderalflächen, in Parkanlagen und manchen Gärten treten sie ebenfalls in Erscheinung und auch Kohldistel- und Flachmoorwiesen dienen ihnen als Heimat." Auch bei den Futterpflanzen ist diese Art der Bläulinge relativ anspruchslos. Noch einmal NABU: "Wichtige Futterpflanzen für die Raupen dieser Schmetterlingsart sind verschiedene Hülsenfrüchtler (Fabaceae), darunter zum Beispiel Sichel-Schneckenklee (Medicago falcata), Weiß-Klee (Trifolium repens), Hasen-Klee (Trifolium arvense), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) und Dornige Hauhechel (Ononis spinosa)."

So sind die kleinen, maximal 30 mm grossen Schmetterlinge oft sehr zahlreich zu finden. Insgesamt geht es aber den grösseren Schmetterlingen besser als den kleinen. Denn die grossen Schmetterlinge sind mobiler und können sich neue Lebensräume leichter als die kleinen erschliessen.

Was Schmetterlinge und Insekten generell alle brauchen: Eine grossen Vielfalt an Pflanzen, Kräuter und Lebensräume. Pflanzen-Biodiversität eben. Darum noch einmal dieser Werbespot für einen anregenden Anlass:    

Heute Dienstag, 1. September 2026 um 18.00 Uhr gibt es im Botanischen Garten St. Gallen den Schöpfungszeitauftakt zum Thema "Kraut oder Unkraut". Mehr dazu im Flyer!

Jörg Niederer

Montag, 31. August 2026

Kraut oder Unkraut

Ein Zitat

Eine Raue Gänsedistel wächst am Rand eines Feldes. Im Hintergrund sieht man ein Gewerbegebäude.
Foto: © Jörg Niederer
"Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind." Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

Entdeckt

Ist das auf dem Foto nun Kraut oder Unkraut? Die Raue Gänsedistel wird kaum je angebaut. Also ist sie wohl Unkraut. Andererseits kann man ihre Blätter essen, man muss nur vorher die stacheligen Ränder abschneiden.

Gibt es überhaut Unkräuter? Haben nicht alle Pflanzen einen Sinn im Netzwerk der Natur?

Darüber und über weitere Fragen gibt es morgen Dienstag, den 1. September 2026 um 18.00 Uhr einen Vortrag im Botanischen Garten St. Gallen von Tobias Brülisauer, Biodiversitätsexperte und ausgewiesener Pflanzenkenner.

Der Anlass zum Auftakt der Schöpfungszeit wird ergänzt durch eine ca. 45 Minuten dauernde Führung mit Fachleuten vom Botanischen Garten. Auf Personen mit eingeschränkter Mobilität wird dabei Rücksicht genommen.

Es folgt ein Abendsegen im Grünen Pavillon und ein anschliessendes Apéro.

Der Anlass ist kostenlos. Es wird eine Kollekte erhoben.

Der Botanische Garten ist erreichbar mit dem Bus der Linien 1,2,7 und 8 in Richtung Stephanshorn.

Die Schöpfungszeit wird jeweils weltweit vom 1. September bis zum Franziskustag am 4. Oktober begangen. Hinter dem Anlass im Botanischen Garten steht die Ökumenischen Kommission Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) der beiden Kantone Appenzell und des Kantons St. Gallen. Der Flyer dazu kann auf de Webseite der ACK heruntergeladen werden.

Jörg Niederer

Mittwoch, 3. September 2025

Flechte, Mammutbaum und Hibiskus

Ein Zitat

Die Flechtenspezialistin Monika Orler referiert im Botanischen Garten über Flechten.
Foto © Jörg Niederer
"Himmel und Erde sollen ihn [Gott] loben, dazu die Meere und alles, was in ihnen lebt." Psalm 69,35 (Bibel)

Hingesehen

Der Anlass zum Auftakt in die Schöpfungszeit im Botanischen Garten St.Gallen unter dem Thema: "Mitenand und Gegenand - Symbiose und Konkurrenz im Pflanzenreich" war ausgesprochen anregend und vielseitig (Siehe Beitrag vom 2. September 2025). Da reicht ein Foto nicht, um davon einen Eindruck zu vermitteln. Organisiert von der Ökumenischen Kommission GFS (Gerechtigkeit, Frieden und Schöfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St.Gallen fanden sich rund vierzig Interessierte ein.

Es begann mit der ausgewiesenen Flechten-Fachfrau Monika Orler. Bei ihr erfuhren wir, dass es sich bei Flechten weder um Moose noch um Pflanzen handelt, sondern um eine Symbiose von Pilzen und Algen; dass diese den Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit brauchen; dass sie uralt werden können und fast überall vorkommen (ausser im Wasser); dass es in der Schweiz rund 2000 Arten gibt; dass die Lungenflechte geschützt ist und in ihrem Heimatkanton Glarus an so vielen Laubbäumen vorkommen, dass die Förster Probleme bei der Waldbewirtschaftung haben; dass Flechten keinen Schaden anrichten; dass sie nichts zu tun haben mit Hautflechten beim Menschen; und noch viel mehr erfuhren wir von Monika Orler.

Manche Sukkulenten weisen einen lebendigen Lichtschacht auf.
Foto © Jörg Niederer
Bei der anschliessenden Führung durch den Botanischen Garten entdeckten wir, wie sich die Rinde des Mammutbaums anfühlt; dass die sogenannt "Lebenden Steine" zu den Sukkulenten gehören; dass es solche in den Blätter Wassern speichernde Pflanzen gibt, welche nach dem Prinzip des Lichtschachts funktionieren; dass manche Pflanzen mit Ameisen eine Zusammenarbeit eingehen; dass der Efeu und der Zitronenfalter sich in der Blatt- bzw. Flügelform gleichen; dass die Lotospflanze selbst Honig von den Blättern abperlen lässt und in allen Teilen essbar ist; dass die tropische Stachelseerose auf der Unterseite faszinierende Adern aufweist und dass die Schwimmblätter der Amazonasseerose bis 40 Kilogramm Gewicht zu tragen vermögen.

Im der anschliessenden Abendfeier wurde das Miteinander und Gegeneinander aus christlicher Sicht thematisiert. Einer der Höhepunkte war, dass die Teilnehmenden sich in Reagenzgläsern Samen, Suppenbuchstaben und Pfefferkörner in verschiedenen Farben bei den andern Personen abholen und so ein vielfältiges Farbmuster zusammenstellen konnte. Musikalisch wurde dem Anlass von der jungen Gitarristin Naja Meier Stimmung und Harmonie verliehen.  

Übrigens: Wer auf dem Laufenden bleiben will über die Beiträge in diesem Blog, kann sich in der WhatsApp-Gruppe NichtNurNatur eintragen.

Jörg Niederer

Dienstag, 2. September 2025

Schöpfungszeitauftakt mit Flechten und mehr

Ein Zitat

Winzige rote Samtmilben auf einem mit Flechten überwachsenen Mäuerchen.
Foto © Jörg Niederer
"Wer nicht alles im Griff hat, hat dafür die Hände frei." Herkunft unbekannt

Hingesehen

Heute, am 2. September 2025 um 18.00 Uhr findet im Botanischen Garten St.Gallen der Eröffnungsanlass zur Schöpfungszeit statt. Das Thema lautet: "Mitenand und Gegenand - Symbiose und Konkurrenz im Pflanzenreich". Durchgeführt wird der Anlass von der Ökumenischen Kommission GFS (Gerechtigkeit, Frieden und Schöfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St.Gallen.

Die Spezialistin Monika Orler wird über Flechten einen Vortrag halten. Diese Doppelwesen bestehen aus Pilzen und Algen. Danach gibt es eine ungefähr eine Stunde dauernde Führungen durch die Pflanzenwelt des Botanischen Gartens. Ein besonderer Augenmerk wird dabei auf das Zusammenwirken und die Konkurrenz bei den Pflanzen gelegt. Bei diesen Führungen wird auch auf Personen mit eingeschränkter Mobilität Rücksicht genommen. Es folgt eine kurze gottesdienstlichen Feier, und anschliessend gibt es auch noch etwas zu Essen und zu Trinken.

Der Anlass ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es wird eine Kollekte erhoben für die "oeku Kirche für die Umwelt".

Hier kann der Flyer zum Anlass heruntergeladen werden.

Übrigens: Wer auf dem Laufenden bleiben will über die Beiträge in diesem Blog, kann sich in der WhatsApp-Gruppe "NichtNurNatur" eintragen.

Jörg Niederer

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