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Donnerstag, 18. Dezember 2025

Adventlicher Biohaufen


Ein Zitat

Ein mit Tautropfen übersätes Fadengespinst eines Schimmelpilzes auf einem Kothaufen sieht aus wie ein adventlich geschmückter, glitzernder Igel.
Foto © Jörg Niederer
"Glück ist wie Glas – je heller das Glitzern, desto leichter zerbricht es." Publilius Syrus, 1. Jhd. v. Chr.

Hingesehen

Vielleicht war es ein Fuchs, vielleicht auch ein Hund, der dort am Mülibach seine Hinterlassenschaft liegen gelassen hatte. Bald schon breiteten sich darauf Schimmelpilze aus. Feinen Fäden wuchsen dicht beieinander in alle Himmelsrichtungen. Nichts Appetitliches. Doch dann kam die feuchte, kalte Nacht und legte kleine Tauperlen fein aufgereiht über das Gespinst. Fertig war der adventliche Biohaufen. Eine ernsthafte Konkurrenz für den mit Kristallperlen geschmückten Swarovski-Weihnachtsbaum im Zürcher Hauptbahnhof.

Faszinierend, was die Natur und das Wetter aus Dung so alles machen können. Was zufällig geworden ist, ein Mensch könnte es wohl nicht annähernd so kunstvoll wirken.

Doch nur wenige Parameter müssen ändern, und aus diesem kleinen Wunderwerk wird wieder gewöhnliche Sch…dreck am  Wanderwegrand.

Jörg Niederer


Sonntag, 7. Dezember 2025

Gerechtigkeit und Frieden

Ein Zitat

Adventsschmuck hängt goldig glitzernd über den langen Rolltreppen am Flughafen Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Güte und Treue finden zueinander. Gerechtigkeit und Frieden küssen sich. Treue wächst aus der Erde empor. Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab." Bibel, Psalm 85,11+12

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Hass und Neid spucken sich an, aber "Gerechtigkeit und Frieden küssen sich".

Auf dem dunklen Hintergrund von Hass und Neid wird die Zärtlichkeit im Bild von Gerechtigkeit und Frieden, die sich küssen, speziell deutlich. Da geht es nicht um den Buchstaben des Gesetzes, auch nicht um die Abwesenheit von Krieg. da geht es um das verliebte Zusammensein, um die Potenzierung der Geborgenheit. Es sind Hoffnungsbilder, welche die Psalmschreibenden mitten in eine erfüllt unerfüllte Verheissung hineingesprochen haben. Israel war nach dem Exil ins Land der Väter und Mütter zurückgekehrt und fand sich dort wieder einmal mehr in einem Land, das seinen Ertrag nur im Angesicht des Schweisses und der ständigen Bedrohung durch böse Nachbarn brachte. Dahinein ist die Verheissung Gottes wie die Hand der Mutter, die dem traurigen Kind über die Wange fährt, wie der Kuss zweier Verliebter, der alle Liebesbeteuerungen und Worte übersteigt und hinter sich zurücklässt. Drei Worte treffen den Sachverhalt: "Gott ist Liebe". Das gilt auch für diese Adventszeit.

Jörg Niederer

Sonntag, 30. November 2025

Ein Licht anzünden

Ein Zitat

Glasfenster nach einem Entwurf von Christian Oehler in der Evangelisch-methodistischen Kirche Glarus. Ausführung: Heinrich Rudolf Süess-Naegeli, Zürich 1972
Foto © Jörg Niederer
"Und jetzt sagt er [Gott]: 'Ja, du bist mein Knecht. Du sollst die Stämme Jakobs wieder zusammenbringen und die Überlebenden Israels zurückführen. Aber das ist mir zu wenig: Ich mache dich auch zu einem Licht für die Völker. Bis ans Ende der Erde reicht meine Rettung.'" Bibel, Jesaja 49,6

Hingesehen

Der Bibelvers aus dem Buch Jesaja redet von einem Knecht. Wer damit gemeint ist, ist unsicher. Wahrscheinlich war es der Prophet selbst, aber auch Israel (Jesaja 49,3) könnte gemeint sein. Entscheidend fürs Verstehen ist das nicht. Wichtiger ist, dass wir den Auftrag verstehen, den dieser Knecht bekommen hat. Es ist ein Auftrag für die ganze Welt. Er ist als Licht für die Völker berufen, damit Heil zu jedem Menschen kommen kann.

Gerade jetzt wieder brennen die Advents- und Weihnachtslichter in den Strassen. Das ist eher Reklame für eine überbordende Konsumgesellschaft und weniger Zeichen für die Botschaft der Hoffnung, die Gott schenkt.

So gibt es auch jetzt christlich geprägte Stimmen, welche die geistige und moralische Finsternis dieser Welt beklagen, welche über Not und Elend, Krieg und Bedrohungen jammern, ja über eine Zeit, die böse geworden ist, weil die Menschheit auf dem falschen Weg sei. Diesen Leuten, die so sprechen, sei ein chinesisches Sprichwort gesagt: "Besser ein Licht anzünden als auf die Dunkelheit schimpfen."

Menschen, die auf Jesus Christus hoffen, sind nicht da, um das Elend auf dieser Welt zu beklagen, sondern um in dieses Elend, in diese Finsternis hinein ein wirkliches Licht der Mitmenschlichkeit anzuzünden. Es geht darum, ein Licht für die Welt zu sein. Wer auf Christus hofft, ist Knecht und Magd Gottes, berufen als Licht für die Welt, als Hoffnungstragende:r ins Weihnachtsdunkel hinein.

Jörg Niederer

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