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Montag, 2. November 2026

Frieden in stürmischen Zeiten

Ein Zitat

Oben und unten: Das Landgut Montmirail ist heute ein Lebens-, Gäste- und Tagungsort der evangelischen Communaute Don Camillo.
Foto: © Jörg Niederer
"Wie hat der Sturm zerrissen / Des Himmels graues Kleid! / Die Wolkenfetzen flattern / Umher in mattem Streit." Wilhelm Müller (1794-1827)

Entdeckt

Stürmischer als erwartet verlief meine gestrige Wanderung über den Jolimont von Erlach nach Marin-Epagnier. Eine kräftige Bise zerzauste die Bäume. Einmal knackte es bedrohlich über meinem Kopf und liess meine Schritte schneller werden. Der aufgewühlte Bielersee mit der St. Peters-Halbinsel zeigte sich wild und herbstlich farbenfroh.

Es ging alles gut. Weder wurde ich von einem Baum erschlagen, noch verlor ich mich in den Jolimont-Weltkriegs-Festungen auf dem Hügelzug, der sich bis Gampel hinzieht. Eigenartiger Weise hörte ich im Moment, als Holz in einer Baumkrone brach, auch mehrmals den Klingelton eines Handys mitten im Wald. Später dann drang der Knall von Schüssen an mein Ohr. Ich fragte mich, wer wohl bei diesem Sturm am Tag von Allerheiligen auf die Jagd geht. Oder übte das Militär auf diesem geschichtsträchtigen Boden den Ernstfall.

Bei Gals und Thielle überquerte ich den Zihlkanal beziehungsweise den Canal de la Thielle, der hier die Kantonsgrenze zwischen Bern und Neuchâtel markiert. Einmal mehr Röstigraben. Nun grüsste ich Passant:innen französisch. Sie alle erwiderten den Gruss im Schweizer Dialekt. Berndeutsch, um es genau zu sagen. Französisch sprachen dann erst die Fahrgäste, die sich vor dem kühlen Wind im Wartehäuschen auf dem Bahnhof Marin-Epagnier in Sicherheit brachten. Doch zuvor passierte ich einen mir gut vertrauten Ort: Montmirail. Der 1618 erbaute Landsitz diente ab 1766 der Herrnhuter Brüdergemeine als Mädcheninternat für "Töchter" aus der Deutschschweiz, die dort französisch lernen konnten. 1988 musste dann die Schule wie so viele "Welschlandjahr"-Einrichtungen mangels Schülerinnen geschlossen werden. Im selben Jahr übernahm die evangelische Communaute Don Camillo den historischen Gutshof und verwandelte ihn in ein Gäste- und Tagungsort. Schon verschiedentlich durfte ich an diesem spirituellen Ort, meist als Teilnehmer einer Pfarrweiterbildung, einige Tage verbringen.

Pfarrweiterbildung ist ein gutes Stichwort. Heute begebe ich mich wieder einmal in die herzerwärmende Gemeinschaft von Pfarrkolleg:innen, die für ihre Praxis am Rüstzeug herumwerkeln wollen. Es geht um "Frieden und Versöhnung in friedlosen Zeiten". Da bin ich mal gespannt.

Jörg Niederer

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