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Freitag, 25. September 2026

Glaubensmurks

Ein Zitat

Tanzvorführung beim Münster von Strasbourg.
Foto: © Jörg Niederer
"Wir haben alle mehr Torheiten als Haare." Jean Paul (1763-1825)

Entdeckt

Gestern hörte ich einen Spruch aus dem Mund eines Kollegen. Nicht dass er deren Inhalt gutgeheissen hätte, eher schon, um unsere Diskussion über einstige glaubensbegründete Verbote zu ergänzen. Ich habe mir den Spruch notiert, um ihn für diesen Blog zitieren zu können: "Das Bein, das dich zum Tanz bewegt, das wird im Himmel abgesägt."

Der Satz kommt aus einer nicht allzu vergangenen Zeit, als es in kirchlichen Kreisen noch verpönt oder verboten war, zu tanzen, ins Kino zu gehen, Alkohol zu trinken oder an den Feiertagen zu wandern, zu lesen oder zu stricken. Hinzu kamen Kleidungsvorgaben und auch der Haarschnitt wurde misstrauisch begutachtet. Weiter wurden in den Kirchen Alternativ-Kinderprogramme zur Fasnachtszeit angeboten, um unsereins davor zu bewahren, an diesen sündigen Ort zu gehen.

Solcherlei gehörte zum pädagogischen Rüstzeug der Glaubenshüter:innen. In meiner Sonntagschulzeit sangen wir als Kinder gerne das Lied: "Pass auf kleines Auge, was du siehst... denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich, drum pass auf kleines Auge was du siehst." Weitere Strophen thematisierten in gleicher Weise die Füsse, die Ohren die Hände usw.

Dass uns Kindern da ziemlich direkt ein verqueres Gottesbild serviert wurde, war uns zu jener Zeit nicht wirklich bewusst. Dieser Gott, der einzelne Sünden bestraft, der dich immer kontrolliert, ein Helikoptergott, der dir nichts zutraut, der den Freuden des Lebens abhold ist …, der geistert immer noch in manchen Köpfen von Christinnen und Christen herum.

Dank der Erziehung meiner Eltern hatte dieses Gottesbild bei mir glücklicherweise keine Chance. Gott sei Dank dafür!

Heute gibt es andere Formen frommer Disqualifikation. Man denke nur an die nicht enden wollenden Diskussionen, wer mit welcher sexuellen Orientierung zur Kirche gehören darf, und wer nicht.

Vielleicht kennst du auch noch solche "Weisheits-" bzw. "Dummheitssprüche" aus der Kirche, die vor allem dazu da waren, um Menschen mit der Angst vor Gott zu disziplinieren? Sende sie mir zu, oder schreibe sie gleich in den Kommentarbereich!

Jörg Niederer

Sonntag, 22. Februar 2026

Handlungsfähig

Ein Zitat

Die Propsteikirche Santo Stefano in Tesserete.
Foto © Jörg Niederer
"Als die Leute aus Aschdod am andern Morgen hinkamen, sahen sie: Der Gott Dagon war zu Boden gestürzt! Er lag auf seinem Gesicht vor der Lade des Herrn. Da richteten sie das Standbild des Dagon wieder auf und stellten es an seinen Platz zurück." Bibel, 1. Samuel 5,3

Hingesehen

Glaubst du an den Gott der Auferstehung, oder an den Gott des dauernden Zusammenbruchs? Musst du deinen Gott immer wieder aufrichten, oder ist es dein Gott, der dich aufstellt? Verliert dein Gott immer wieder Kopf und Hände (1. Samuel 5,4), also seine Handlungsfähigkeit, oder gibt dir dein Gott Handlungsmöglichkeiten für ein gutes Leben? Gefragt ist nach deinem Gottesbild. 

Wenn wir meinen, wir müssten Gott beschützen, bewachen und kontrollieren, dann schleichen sich seltsame, unsinnige Glaubenshandlungen ein in unserem Leben. So wie es bei den Menschen von Aschdod war, die nicht mehr auf die Türschwelle zu treten wagten, auf der Dagons Kopf und Hände hingefallen waren (1. Samuel 5,5).

"Min Gott isch so gross, so stark und so mächtig, gar nüüt isch unmöglich mim Gott" heisst es in einem Kinderlied. Mein Gott braucht nicht meine Schutzmassnahmen für ihn, er beschützt mich. Darum traue ich Gott zu, ohne menschliche Hilfe Gott zu bleiben.

Zum Foto: Zu sehen ist die Propsteikirche Santo Stefano in Tesserete, deren Anfänge in das Jahr 1078 zurückreichen.

Jörg Niederer

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