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Freitag, 23. Oktober 2026

Halloween-Vogel

Ein Zitat

Weibchen oder Jungvogel einer Rohrweihe einmal in luftiger Höhe, und nicht wie üblich in taumelndem Flug knapp über dem Schilf.
Foto: © Jörg Niederer

"Durch die Besenderung
[von Rohrweihen durch BirdLife Österreich] konnten Tageszugleistungen von bis zu 800 km sowie Flüge in Höhen von 6.000 m über dem Meeresspiegel (etwa 3.000 m über Grund) dokumentiert werden." BirdLife Österreich

Entdeckt

Der dunkle Greifvogel mit seinem an einen bleichen Totenschädel erinnernden Kopf passt gut in die Zeit von Halloween. Es ist eine Rohrweihe, ein Weibchen oder dann ein Jungvogel, genau kann ich das nicht sagen. Rohrweihen überwintern regelmässig bei uns in der Schweiz. Auch auf dem Durchzug ist er zu beobachten. Bei uns ist er nicht sehr häufig. Die Vogelwarte Sempach spricht für die Jahre 2021-2023 von drei Brutpaaren. Dieser Greifvogel, er macht Jagd auf Kleinsäuger, Vögel und Amphibien, die er geschickt unter Ausnutzung des Geländes erbeutet, ist leicht kleiner als der bei uns häufige Rotmilan. Am Klingnauer Stausee konnte ich ihn vor einer Woche beobachten und fotografieren. Da es ein trüber, nebliger Tag war, hebt er sich auf dem Bild gut von dem weisslichen Hintergrund ab.

Jörg Niederer

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Der lustige Vogel im Schilf

Ein Zitat

Rohrammer-Weibchen im Schlichtkleid beim Samenpicken.
Fotos: © Jörg Niederer
"Der Name Rohrspatz wird bald auf ihn, bald auf den Teichrohrsänger angewandt, da bei diesem die Stimme lärmend, beim Rohrammer aber das Gefieder sehr sperlingsähnlich ist." Die Singvögel der Heimat

Entdeckt

Über die Rohrammer habe ich schon einmal geschrieben. Im Beitrag vom 26. April 2022 konnte ich ein Männchen im Prachtkleid präsentieren. Nun sind es vor allem Weibchen im Schlichtkleid, die sich an den Schilfsamen gütlich tun. Mir gefallen die lustig gezeichneten Gesichter der Weibchen. Rohrammern sind sprichwörtlich geworden als schimpfende Rohrspatzen. Leider nehmen diese Vögel in der Schweiz zahlenmässig ab. Grund ist wohl, dass sie vor allem in Altschilfbeständen zahlreich vorkommen. Werden diese gemäht, fehlt den Rohrammern Deckung und Lebensraum.

Jörg Niederer

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Schwarzkopf

Ein Zitat

Einjähriges Weibchen der Schwarzkopfmöwe beim Dösen auf dem Klingnauer Stausee.
Foto: © Jörg Niederer
"Misstraue deinem Urteil, sobald du darin den Schatten eines persönlichen Motivs entdecken kannst." Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Entdeckt

Im Prachtkleid ist die Schwarzkopfmöwe von der Lachmöwe einfach zu unterscheiden. Roter Schnabel, bis zum Hals, schwarz gefärbter Kopf und sonst weitgehend weiss. Doch im Jugendkleid oder im ersten und zweiten Lebensjahr sieht die in drei Jahren erwachsene kleine Möwe der bei uns häufigen Lachmöwe ziemlich ähnlich. Zudem hält sie sich gerne in Lachmöwentrupps auf und brütet in der Schweiz auch in deren Nähe.

Schwarzkopfmöwen sind in der Schwarzmeerregion stark vertreten, bei uns sind sie das ganze Jahr selten anzutreffen. Noch seltener brüten sie bei uns. Am Samstag konnte ich eine von ihnen erstmals bewusst fotografieren. Es war ein einjähriges Weibchen, das im Klingnauer Stausee vor sich hin döste, während sich das Wasser der Aare kleinwirblig unter ihr hinweg bewegte.

Nicht jeder Vogel sieht so spektakulär aus wie der Eisvogel. Die Schwarzkopfmöwe ist eher ein Vogel für Liebhaber:innen. Man muss ihn kennen, um ihn zu sehen und zu lieben.

Jörg Niederer

Montag, 19. Oktober 2026

Heute gibt es Schilfschwein

Ein Zitat

Eine Wasserralle sucht entlang des Binnenkanals beim Klingnauer Stausee nach Nahrung.
Foto: © Jörg Niederer
"Darum versenkt, wer im ungeschlichteten Zwist der Völker nach geistiger Ruhe strebt, gern den Blick in das stille Leben der Pflanzen und in der heiligen Naturkraft inneres Wirkens..." Alexander von Humboldt (1769-1859)

Entdeckt

Heute und an einigen der folgenden Tagen gibt es Vogel. Bei einer Exkursion an den Klingnauer Stausee durfte ich mir unter Anleitung wieder einmal eine Fülle an ornithologischem Wissen anhören und aneignen. Zwei Vögel konnte ich zum allerersten Mal fotografieren. Der eine von ihnen ist die Wasserralle. Das ist kein besonders seltener Vogel und gesehen bzw. vor allem gehört habe ich ihn auch schon einige Male, doch heute gelang mir erstmals ein einigermassen gutes Foto von diesem scheuen Wasserrand-Vogel. Meist hält er sich versteckt im Schilfdickicht auf. Da er besonders schmal gebaut ist, kann er sich gut zwischen den Stängeln hindurchschlängeln. Wasserrallen ernähren sich von Insekten, Schnecken und Würmern. In den letzten Jahren stieg der Bruterfolg deutlich an, unterliegt aber von Jahr zu Jahr grossen Schwankungen. Die Vögel mögen es gar nicht, wenn das Schilf jährlich gemäht wird. Erst zwei- bis vierjähriges Schilf wird in höherer Dichte besiedelt. Wasserrallen sind standorttreu. Ziehende Wasserrallen kommen aus anderen Ländern. Mann nennt die Wasserralle im Volksmund auch Schilfschwein, da ihre Rufe stark an die Lautäusserungen von Schweinen erinnern.

Jörg Niederer

Montag, 13. Oktober 2025

Streit um nichts

Ein Zitat

Zwei Lachmöwen streiten sich um einen Plastikfetzen.
Foto © Jörg Niederer
"Solange es Haare gibt, liegen sich Menschen in denselben." Heinz Erhardt (1909-1979)

Hingesehen

Wie viel Wert ein Plastikfetzen für eine Lachmöwe hat, weiss ich nicht. Zumindest ist der Abfall den Vögeln eine wilde Verfolgungsjagd wert. Mir kommt es vor, als wäre es ein Streit um nichts.

Wie oft streiten auch wir Menschen uns über banalste Dinge und Kleinstigkeiten. Dann balgen wir uns, im Bild gesprochen, um einen Fetzen Plastik, um fast nichts.

Darum: Heute will ich mich nicht aufregen und gelassen bleiben. Heute wird ein Tag ohne Streit um nichts.

Jörg Niederer

Dienstag, 16. September 2025

Flugkunst

Ein Zitat

Drei Rostgänse fliegen nahe beieinander einige Runden über dem Klingnauer Stausee.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn einer, der mit Mühe kaum / Gekrochen ist auf einen Baum, / Schon meint, dass er ein Vogel wär, / So irrt sich der." Wilhelm Busch (1832–1908)

Hingesehen

Sind Vögel im Schwarm oder Formationsflug jemals zusammengestossen und abgestürzt? Ich wüsste nicht, dass ich solches schon einmal gehört hätte. Und wenn, dann hätten sich diese sich in der Luft wohl problemlos wieder formieren können. Auch nicht gehört habe ich, dass sie wegen Verwirbelungen vorausfliegender Tiere erst nach 2 Minuten starten können, wie das bei Passagierflugzeugen der Fall ist. Beim Fliegen gilt es für Menschen so viel zu beachten. Als Gleitschirmpilot:in muss man die Abwinde und walzenförmigen Luftströmungen erahnen. Mindestgeschwindigkeiten gilt es mit allen Fluggeräten einzuhalten. Die Vögel wissen und können das instinktiv. Auch die Rostgänse, die am Klingnauer Stausee einige Runden drehten, um dann in Formation wieder im Wasser zu landen. Das ist einfach nur bewundernswert.

Zu den Rostgänsen. Am Klingnauer Stausee hat es von ihnen geschätzt sicher an die 600 Tiere. Dabei waren sie vor 1950 hier gar nicht heimisch. Ihr eigentliches Zuhause sind die Steppen und Halbwüsten Asiens und Nordafrikas. Bei uns wurden die schönen Tiere als Ziervögel eingeführt. Davon sind dann wohl irgendwann einmal einige ausgebüxt, und haben sich in der freien Wildbahn bestens eingelebt. Laut Vogelwarte Sempach sei das für einheimische Vögel ein Problem, weil sich Rostgänse während der Brutzeit äusserst aggressiv verhalten würden. Nun, sie sind da, und am Klingnauer Stausee nicht mehr wegzudenken.

Jörg Niederer

Donnerstag, 11. September 2025

Exoten in der Schweiz

Ein Zitat

Zwei der rund 20 jugendlichen Rosa Flamingos, die sich aktuell am Klingnauer Stausee aufhalten.
Foto © Jörg Niederer
"Pinkige Plastikflamingos standen früher überall in den amerikanischen Vorgärten, dann gehörten sie zur Deko von Schwulenbars, und heute stehen sie auch in mit Kitsch überfrachteten Einfamilienhausgärten Mitteleuropas. Im besten Falle verdrängen sie den Gartenzwerg, falls der noch nicht vom Künstler Pavel Schmidt weggesprengt wurde, womit er vor einigen Jahren für Aufruhr in der Kunstszene sorgte." Urs Heinz Aerni in: Tom Krausz, Aves - Vögel, München 2020 

Hingesehen

Aktuell steigt das schweizerische Aufkommen von Bildern und Fotos von Rosa Flamingos in den Sozialen Medien massiv an, und da will ich natürlich diesem Trend nicht hintenanstehen. Der Grund ist allseits bekannt. Seit einer Woche befindet sich eine Abordnung dieser pittoresken Vögel am Klingnauer Stausee. Es sind Jungtiere, vermutlich aus der Camargue, die - wie Jugendliche eben sind - neugierig die nähere und weitere Umgebung erkunden. Die typische rosa Färbung werden sie bei uns aber eher nicht bekommen. Es fehlen die entsprechenden Futtertiere, Salinenkrebschen, die sie aus Brack- und Salzwasser mit ihrem speziellen Schnabel herausfiltern, indem sie sich stämpfelnd um ihre eigene Mundöffnung herumdrehen. Es sind nicht die ersten Flamingos, die den Weg in die Schweiz gefunden haben. Auch am Flachsee wurden sie schon gesichtet.

Mich fasziniert dieser unglaublich lange Hals. Nur dank ihm kommen sie trotz langer Beine, deren Gelenke irgendwie in die falsche Richtung einklappen, bis auf den Boden. Wobei es aussieht, als wären es zwei aufeinandergesetzte Hälse, die da ihre Arbeit versehen. Denn etwa auf halber Höhe ist ein deutlicher Knick zu erkennen.

Gestern am Klingnauer Stausee war ich nicht der einzige Schaulustige. Nachdem die Rosa Flamingos selbst der Gratiszeitung 20 Minuten eine positive Schlagzeile wert waren, strömten die Paparazzi und auch eine grössere Zahl ornithologisch ganz unbedarfter Männer, Frauen und Familien mit Kindern an den langgezogenen See, so dass mancher sportliche Velofahrer nicht sonderlich erfreut war. Nun ist das Fotografieren von so grossen Vögeln, mit entsprechendem Teleobjektiv versehen, keine grosse Kunst. Also versuchte ich mich auch noch ein bisschen an gerade fliegendem Getier und entdeckte nebst Waldwasserläufern, Grünschenkel, Grossen Brachvögeln und Eisvögeln dank freundlicher Hilfe von Gleichgesinnten auch eine Zwergdommel und einige Heringsmöwen. Es ist eben auch manchmal von Vorteil, wenn ganze Heerscharen von Ornithologinnen und Ornithologen dasselbe tun.

Zu eurer Freude oder eurem Leidwesen werde ich also in den kommenden Tagen das eine oder andere Foto von mehr oder weniger seltenen Vögeln hier publizieren. Wem das Zuviel wird, darf sich gerne bei mir melden.

Jörg Niederer

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