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Montag, 13. Oktober 2025

Streit um nichts

Ein Zitat

Zwei Lachmöwen streiten sich um einen Plastikfetzen.
Foto © Jörg Niederer
"Solange es Haare gibt, liegen sich Menschen in denselben." Heinz Erhardt (1909-1979)

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Wie viel Wert ein Plastikfetzen für eine Lachmöwe hat, weiss ich nicht. Zumindest ist der Abfall den Vögeln eine wilde Verfolgungsjagd wert. Mir kommt es vor, als wäre es ein Streit um nichts.

Wie oft streiten auch wir Menschen uns über banalste Dinge und Kleinstigkeiten. Dann balgen wir uns, im Bild gesprochen, um einen Fetzen Plastik, um fast nichts.

Darum: Heute will ich mich nicht aufregen und gelassen bleiben. Heute wird ein Tag ohne Streit um nichts.

Jörg Niederer

Dienstag, 16. September 2025

Flugkunst

Ein Zitat

Drei Rostgänse fliegen nahe beieinander einige Runden über dem Klingnauer Stausee.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn einer, der mit Mühe kaum / Gekrochen ist auf einen Baum, / Schon meint, dass er ein Vogel wär, / So irrt sich der." Wilhelm Busch (1832–1908)

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Sind Vögel im Schwarm oder Formationsflug jemals zusammengestossen und abgestürzt? Ich wüsste nicht, dass ich solches schon einmal gehört hätte. Und wenn, dann hätten sich diese sich in der Luft wohl problemlos wieder formieren können. Auch nicht gehört habe ich, dass sie wegen Verwirbelungen vorausfliegender Tiere erst nach 2 Minuten starten können, wie das bei Passagierflugzeugen der Fall ist. Beim Fliegen gilt es für Menschen so viel zu beachten. Als Gleitschirmpilot:in muss man die Abwinde und walzenförmigen Luftströmungen erahnen. Mindestgeschwindigkeiten gilt es mit allen Fluggeräten einzuhalten. Die Vögel wissen und können das instinktiv. Auch die Rostgänse, die am Klingnauer Stausee einige Runden drehten, um dann in Formation wieder im Wasser zu landen. Das ist einfach nur bewundernswert.

Zu den Rostgänsen. Am Klingnauer Stausee hat es von ihnen geschätzt sicher an die 600 Tiere. Dabei waren sie vor 1950 hier gar nicht heimisch. Ihr eigentliches Zuhause sind die Steppen und Halbwüsten Asiens und Nordafrikas. Bei uns wurden die schönen Tiere als Ziervögel eingeführt. Davon sind dann wohl irgendwann einmal einige ausgebüxt, und haben sich in der freien Wildbahn bestens eingelebt. Laut Vogelwarte Sempach sei das für einheimische Vögel ein Problem, weil sich Rostgänse während der Brutzeit äusserst aggressiv verhalten würden. Nun, sie sind da, und am Klingnauer Stausee nicht mehr wegzudenken.

Jörg Niederer

Donnerstag, 11. September 2025

Exoten in der Schweiz

Ein Zitat

Zwei der rund 20 jugendlichen Rosa Flamingos, die sich aktuell am Klingnauer Stausee aufhalten.
Foto © Jörg Niederer
"Pinkige Plastikflamingos standen früher überall in den amerikanischen Vorgärten, dann gehörten sie zur Deko von Schwulenbars, und heute stehen sie auch in mit Kitsch überfrachteten Einfamilienhausgärten Mitteleuropas. Im besten Falle verdrängen sie den Gartenzwerg, falls der noch nicht vom Künstler Pavel Schmidt weggesprengt wurde, womit er vor einigen Jahren für Aufruhr in der Kunstszene sorgte." Urs Heinz Aerni in: Tom Krausz, Aves - Vögel, München 2020 

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Aktuell steigt das schweizerische Aufkommen von Bildern und Fotos von Rosa Flamingos in den Sozialen Medien massiv an, und da will ich natürlich diesem Trend nicht hintenanstehen. Der Grund ist allseits bekannt. Seit einer Woche befindet sich eine Abordnung dieser pittoresken Vögel am Klingnauer Stausee. Es sind Jungtiere, vermutlich aus der Camargue, die - wie Jugendliche eben sind - neugierig die nähere und weitere Umgebung erkunden. Die typische rosa Färbung werden sie bei uns aber eher nicht bekommen. Es fehlen die entsprechenden Futtertiere, Salinenkrebschen, die sie aus Brack- und Salzwasser mit ihrem speziellen Schnabel herausfiltern, indem sie sich stämpfelnd um ihre eigene Mundöffnung herumdrehen. Es sind nicht die ersten Flamingos, die den Weg in die Schweiz gefunden haben. Auch am Flachsee wurden sie schon gesichtet.

Mich fasziniert dieser unglaublich lange Hals. Nur dank ihm kommen sie trotz langer Beine, deren Gelenke irgendwie in die falsche Richtung einklappen, bis auf den Boden. Wobei es aussieht, als wären es zwei aufeinandergesetzte Hälse, die da ihre Arbeit versehen. Denn etwa auf halber Höhe ist ein deutlicher Knick zu erkennen.

Gestern am Klingnauer Stausee war ich nicht der einzige Schaulustige. Nachdem die Rosa Flamingos selbst der Gratiszeitung 20 Minuten eine positive Schlagzeile wert waren, strömten die Paparazzi und auch eine grössere Zahl ornithologisch ganz unbedarfter Männer, Frauen und Familien mit Kindern an den langgezogenen See, so dass mancher sportliche Velofahrer nicht sonderlich erfreut war. Nun ist das Fotografieren von so grossen Vögeln, mit entsprechendem Teleobjektiv versehen, keine grosse Kunst. Also versuchte ich mich auch noch ein bisschen an gerade fliegendem Getier und entdeckte nebst Waldwasserläufern, Grünschenkel, Grossen Brachvögeln und Eisvögeln dank freundlicher Hilfe von Gleichgesinnten auch eine Zwergdommel und einige Heringsmöwen. Es ist eben auch manchmal von Vorteil, wenn ganze Heerscharen von Ornithologinnen und Ornithologen dasselbe tun.

Zu eurer Freude oder eurem Leidwesen werde ich also in den kommenden Tagen das eine oder andere Foto von mehr oder weniger seltenen Vögeln hier publizieren. Wem das Zuviel wird, darf sich gerne bei mir melden.

Jörg Niederer

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