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Freitag, 10. Juli 2026

Grüne Augen

Ein Zitat

Man beachte das grüne Auge des Grossen Kohlweisslings auf der Blütendolde des Gemeinen Dosts!
Foto © Jörg Niederer
"The green eyes / Yeah, the spotlight / Shines upon you / And how could / Anybody deny you?" (Die grünen Augen / Ja, das Rampenlicht / Scheint auf dich / Und wie könnte / dir irgendjemand widerstehen?) Coldplay, Green Eyes

Entdeckt

Bei Menschen ist Grün eine der seltensten Augenfarben. Nur 2-4% weisen sie auf, wobei in Irland und Schottland jede 5. Person grüne Augen hat. Ganz anders bei braunen Augen, die bei 90% der Menschen vorkommen.

Ob die Augen grün sind, ist abhängig vom Pigment Melanin in der vorderen Schicht der Iris. Fehlt es weitgehend, gibt es blaue Augen, ist es reichlich vorhanden, gibt es braune Augen. Wenn das Melanin aber nur in geringer Menge vorhanden ist, schaut die Person dich mit grünen Augen an.

Ob das beim Grossen Kohlweissling, einem Tagfalter, auch der Grund für seine schönen, schwarz gepunkteten, leicht ins Türkis kippenden grünen Augen ist, weiss ich nicht. Extravagant sieht es aber schon aus. Auch habe ich bei diesem häufigen Schmetterling nicht erwartet, dass er mit so schönen Augen aufwartet.

Grüne Augen wurden schon oft besungen. Etwa auf Englisch von Coldplay oder auf Deutsch von Jeremias. Wie wäre es aber mit dem Song "Green Eyes" von Luna Green? Dazu kann man sich in den Garten oder an den Rand einer Wiese setzen, und dem Treiben der Insekten zuschauen.

Jörg Niederer

Mittwoch, 3. Juni 2026

Einmaliger Sex und Fesselspiele

Ein Zitat

Das Weibchen der Veränderlichen Krabbenspinne bewacht den gut getarnten Eikokon, den es im Blütenbereich einer Rainfarn-Phazelie versteckt hat.
Foto © Jörg Niederer
"Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / dann will ich gern zugrunde gehn!" Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Entdeckt

Noch einmal Spinne (siehe Beitrag vom 30. Mai 2026!). Diesmal eine Veränderliche Krabbenspinne. Veränderlich deshalb, weil sie ihre Körperfärbung den Blütenfarben von Wiesenblumen anpassen kann. Es dauert zwar zwei Tage, aber dann ist die kleine Spinne, die ihre vier Vorderbeine wie die Scheren einer Krabbe platziert, farblich nicht mehr von der Blüte zu unterscheiden. Diese etwas 13 mm lange Spinnenart lauert ihren Opfern in den weissen oder auch gelben Wiesenblumen auf. Auf dem Foto hat sie eine unauffällige, gelblich-braune Färbung angenommen. Hell weiss leuchtet jedoch der Kokon, auf dem sie sitzt. Es ist ein Weibchen, das den werdenden Nachwuchs bewacht. Dabei lässt sie sich durch nichts vertreiben. Das wird auch verständlich, wenn man sich bewusst macht, dass dies eine der letzten Aufgaben des hübschen Tierchens ist.

Schon die Paarung ist eine einmalige Sache. In deren Verlauf fesselt ein erfolgreiches Männchen das Weibchen. Das Weibchen könnte sich leicht aus dieser Fesselung befreien, tut es aber nicht. So fixiert wird dieses Weibchen dann vom Männchen begattet. Fesselspiele beim Sex! Wer hat's erfunden?

In der Folge wird die eigene Zukunft auf eine Karte gesetzt. Alles für den eigenen Nachwuchs. Das Spinnenweibchen legt die Eier, um die es einen Kokon webt. Dieser wird so lange bewacht, bis die Jungspinnen die Eier verlassen. Um die neue Generation freizusetzen, beisst die Mutterspinne noch den Kokon auf. Dann stirbt sie. Sie hat alles gegeben für ihren Nachwuchs.

Jörg Niederer

Dienstag, 31. März 2026

Feuer und Flamme

 Ein Zitat

Auf einem abgefallenen Ast wächst der Goldgelbe Zitterling, ein Pilz aus der Gattung der Zystenrindenpilze.
Foto © Jörg Niederer
"Im Frühjahr kehrt Wärme in die Glieder zurück." Vergil (70-19 v.Chr.)

Hingesehen

Im noch relativ monochromen Frühjahrswald fallen die knalligen Farben besonders auf. Seien es nun Blumen wie der Huflattich, das Schlüsselblümchen, das Wald-Veilchen, das Buschwindröschen, oder seien es leuchtend farbige Pilze, wie dieser Goldgelbe Zitterling.

Er gleicht einer kleinen Flamme, die sich vom abgefallenen, dürren Ast nährt. Gerade mal einen Zentimeter hoch ist er mir mit seiner Leuchtkraft sofort ins Auge gestochen.

Als ich ihn freuend über den Fund einem zufällig an diesem wenig begangenen Ort stehenden älteren Ehepaar zeigte, waren die nicht sonderlich beeindruckt. Die Frau schaute ihn nicht einmal an, der Mann brabbelte etwas von Champignon. Kauend an einem Brötchen dachte er wohl gerade vor allem ans Essen.

Dieser Zitterling wird als ungiftig, ungeniessbar bis essbar beschrieben. Geschmack habe er keinen. Suppen verleihe er Textur. Immerhin. In China, wo er auch vorkommt, wird er als immunstimulierend angewendet.

Der Pilz kann bei Trockenheit in sich zusammenfallen. Bei Feuchtigkeit findet er wieder zur alten Frische. Bis siebeneinhalb Zentimeter breit und bis fünf Zentimeter hoch kann er werden. So gesehen war mein Fund eher klein. Ein winziges Flämmchen, von dem keine Waldbrandgefahr ausgeht. Im Gegenteil. Bei mir aktivierte der Goldgelbe Zitterling die Glückshormone, was mich dort am Waldrand auch ganz ohne zu Essen lebendiger werden lies.

Jörg Niederer

Montag, 16. Februar 2026

Farbenpracht

Ein Zitat

In Arbon am Bodensee. Blau und Brauntöne verzaubern den Blick auf das Schwäbische Meer.
Foto © Jörg Niederer
"Was mein Herz wach hält, ist die bunte Stille." Claude Monet (1840–1926)

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Früher, wenn der See so ruhig dalag und zum Meditieren und Flanieren einlud, machte mich diese Szenerie nicht gerade unglücklich, aber sie interessierte mich auch nicht. Ich liebte den Wind, das Surfen und die Wellen. Da versprach ein flacher, ruhiger See schlichtweg Langweile, zu wenig Action.

Heute sehe ich die Farbenpracht, hervorgezaubert vom einer winterlich tiefstehenden Sonne. Ich bewundere die Braun- und Blautöne, sehe das feine Kräuseln auf der Wasseroberfläche, die gerade Linie des Horizonts, die fernen Schneeberge, rieche den leicht modrigen Duft des Wassers, lasse mich blenden von den hellen Steinen der Kiesbänke.

Mein heutiger Zugang zur Natur ist ein anderer als der von früher. Das muss am fortgeschrittenen Alter liegen, am Lebensrhythmus. Die Stille, die Inaktivität erschrecken mich nicht mehr.

Jörg Niederer

Dienstag, 14. Oktober 2025

Farbe ins Leben bringen

Ein Zitat

Die Blüte der Färber-Hundskamille wurde für die Gelbfärbung von Stoffen verwendet.
Foto © Jörg Niederer
"Bunt sind schon die Wälder, Gelb die Stoppelfelder, Und der Herbst beginnt." Johann Gaudenz von Salis-Seewis (1762-1834), "Herbstlied"

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Bald schon wird uns die Zeitumstellung in eine gefühlte Dunkelheit zurückwerfen. Spätestens dann wünscht man sich, man könnte das Licht der Sonne einfangen und konservieren. In gewisser Weise gelingt das auch indirekt über die Energiegewinnung aus der Sonne und dann durch den Einsatz elektrisch erzeugten Lichts. Aber auch ein Cheminéefeuer ist nur möglich, weil der Baum sein Holz mittels Sonnenlicht erzeugt hat. Genauso gilt das auch für die Blume, die teilweise ihre Färbung der Fotosynthese aus Sonnenlicht verdankt.

In den Buntbrachen, die aktuell neben abgeernteten Feldern mehr auffallen als in der Vegetationszeit der Nutzpflanzen, findet man immer noch gelb blühende Pflanzen, etwa die Königskerze oder dann eben eine alte Färberpflanze, die Färber-Hundskamille. Anders als die Kamille, mit deren Blüten wir gesunden Tee aufbrühen, hat die Hundskamille weniger Heilwirkung. Der Bezug auf die Hunde ist durchaus abwertend gemeint. Der Zusatz "Hunds-" wird in der Volksmedizin oft für "minderwertige" Pflanzen verwendet.

Die Färber-Hundskamille hat andere herausragende Eigenschaften. Mit ihren leuchtend gelben Blüten kann man Baumwolle und Hanf lichtecht gelb färben. Mit anderen Worten bringt die Färber-Hundskamille Farbe ins Leben hinein. Grund ist der Hauptfarbstoff Luteolin. Luteolin wirkt schlaffördernd und hat noch andere "Nebenwirkungen". So kann Luteolin in flüssiger Form die Haut und die Augen reizen, was ihn zu einem zu kennzeichnenden Gefahrenstoff macht.

Alles hat eben seine zwei Seiten. Statt Mitmenschen zu reizen ist es wohl besser (und reizvoller), Licht und Farbe ins Leben zu bringen. Dazu regt mich an diesem Tag die Färber-Hundskamille an.

Jörg Niederer

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Kussmund im Rübenfeld

Ein Zitat

Klatschmohn leuchtet in der Sonne rot auf in einem Rübenfeld bei Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Mohn ist keine Pflanze für die Vase. Mohn, das ist Farbe für das Feld."

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Die hohe Zeit des Klatschmohns ist im Oktober vorbei. Doch einige leuchtendrote Blüten haben sich in den Herbst verirrt. Wie Magnete das Eisen ziehen sie meine nach Farben hungernden Blicke an. Kussmünder im Antlitz der Erde. Flatterhaft verwischen im Wind die Töne, gehauchte Kleckse auf die Palette der Bauern. Was braucht es da noch viel Worte. Tausend Augen bräuchte es.

Jörg Niederer

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