Samstag, 30. Mai 2026

Vorbildliche Brutpflege

Ein Zitat

Eine weibliche Wolfsspinne trägt den Eikokon am Hinterleib befestigt mit sich herum.
Foto © Jörg Niederer
"Meine Mutter hatte einen Haufen Ärger mit mir, aber ich glaube, sie hat es genossen." Mark Twain (1835–1910)

Entdeckt

Ich will jetzt nicht ein irgendwie geartetes antiquiertes Mutterideal verbreiten. Aber was ein Wolfsspinnenweibchen für ihr Jungen tut, ist aussergewöhnlich. Dabei ist zu sagen, dass es verschiedenste Wolfsspinnenarten gibt, darunter auch die Tarantel. Alle sind für den Menschen ungefährlich. Sie jagen ihre Beutetiere, indem sie ihnen auflauern, sie verfolgen und erlegen. Dazu haben sie drei Reihen von Augen. Die je zwei Augen der oberen beiden Reihen sind grösser als die vier der untersten Reihe. Sechs der acht Augen sind nach vorn ausgerichtet. Mit kräftigen Beinen bewegen sie sich geschickt über den Boden. Geht man nahe heran, zeigt sich das schöne Ton-in-Ton-Muster auf den acht Beinen und einige Härchen, die wie Stacheln aufgerichtet darauf sitzen.

Zurück zur Brutpflege der Wolfsspinnenweibchen. Die Mütter legen nach der Paarung die Eier in einen Kokon ab, den sie am Hinterleib befestigt die ganze Zeit mit sich herumtragen. So können sie die Jungen gegen allerlei Gefahren verteidigen. Sobald die Jungtiere schlüpfen, hilft die Spinnenmutter dabei, indem sie den Kokon aufbeisst. Die rund 100 Jungspinnen versammeln sich dann in meist mehreren Lagen auf dem Hinterleib der Mutter und ernähren sich dort weiter von ihrem Eidotter. Acht Tage lang dauert dieser Transport der Jungspinnen. In dieser Zeit verbirgt und bewegt sich die Mutterspinne so, dass das Klima für die Jungspinnen optimal ist.

Nimmt man den Weibchen den Kokon weg, tragen sie auch schon einmal Steinchen, Papierkügelchen oder Schneckenhäuschen mit sich herum. So stark ist der Mutterinstinkt in den Genen dieser Tierchen verankert.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen: Bei uns in der Schweiz sind alle Spinnen für Menschen ungefährlich. Nur wenige haben Beisswerkzeuge, welche auch die menschliche Haut durchdringen können. Selbst bei diesen Spinnen, etwa den Taranteln, sind Bisse zwar schmerzhaft, haben aber keine ernsthaften Folgen. Gefährlicher kann ihre Nahrung für uns Menschen werden, etwa tropische Tigermücken, die Krankheiten übertragen. Also lasst die Spinnen am Leben. Es sind faszinierende Geschöpfe und wie man so sagt, Nützlinge.

Jörg Niederer

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