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Mittwoch, 30. September 2026

Kapellen werden und vergehen

Ein Zitat

Oben: Die einstige Wesley-Kapelle im Breitenrainquartier von Bern ist heute ein Kulturzentrum. Unten. Ob das wirklich die einstige Markuskapelle in Bern-Liebefeld ist? die Wahrscheinlichkeit ist gross.
Fotos: © Jörg Niederer
"Von der Methodistenkapelle zu Berns erster Adresse für Chanson & Kabarett" Quelle: La Capella, Bern

Entdeckt

Gestern schrieb ich von einstigen 8 Methodistenkirchen in der Stadt Bern. Nun, es waren nur 7. Bei einer Liegenschaft handelte es sich lediglich um ein Wohnhaus.

Schauen wir heute auf zwei sehr verschiedene Kapellen. Beginnen wir mit der Kapelle, die nach den Gründern der methodistischen Bewegung in England benannt und noch heute so angeschrieben ist, der Wesley-Kapelle. Sie steht im Quartier Breitenrain, war einst ein eigenständiger Kirchenbezirk und zählte 1981 noch 102 Mitglieder. 1993 wurde dort die methodistische Arbeit dann eingestellt. Interessanter Weise findet sich auf der aktuellen Webseite zur Liegenschaft (ich komme noch dazu!) der Hinweis, dass in der 1907 erbauten Kapelle der letzte Gottesdient 1998 stattfand. Vermutlich wurde die Kapelle also von einer anderen Gemeinschaft einige Jahre kirchlich weitergenutzt, bis im Jahr 1998 dann dort ein Kulturzentrum eröffnet wurde, das "La Cappella". So wird die Wesely-Kapelle heute genannt. Auf der Webseite spricht man von einem Vierteljahrhundert mit "grossartiger Kleinkunst", von Sternstunden in der "Wohlfühlkapelle", davon, dass in den letzten 27 Jahren über einen halbe Million Besucher:innen gezählt wurden.

Ganz anders die Markuskapelle in Bern-Liebefeld. Sie war Teil des Kirchenbezirks Bern-Lukaskapelle, also eine sogenannte Aussenstation. Als Standort wird Könizbergstrasse 5a angegeben. Dort steht heute die auf dem unteren Bild abgebildete Liegenschaft. Wie man sieht, ist es ein schon älteres Gebäude. Der Zusatz "a" zur Hausnummer gibt es heute nicht mehr. Eine Bewohnerin, welche seit 2006 im Haus wohnt, weiss zwar von einer Kapelle, die etwa 150 Meter entfernt stand, da wo sich heute ein blaugestrichenes grosses Mehrfamilienhaus befindet. Dass es sich bei einem Teil des Hauses an der Könizbergstrasse einst um eine Kapelle handelte, davon weiss sie nichts.

Nachtrag: Die Bewohnerin hatte recht. Die eigentliche Markuskapelle stand in direkter Nachbarschaft. Sie wurde 1991 für den Bau eines Mehrfamilienhauses verkauft und abgerissen. Mehr dazu kann man in meinem Blog vom 10. Oktober 2026 erfahren! 

Die zwei Türen an besagtem Wohnhaus - sie sehen beinahe ein wenig wie die Eingänge der Judenhäuser in Endingen und Lengnau aus (Siehe Beitrag vom 22. November 2023!) zeigen, dass hier einst zwei Partien wohnten. Die Bewohnerin des Hauses, mit der ich sprach, wusste davon, dass hier einmal ein Schuhmacher wirkte und auch ein Blumenladen untergebracht war. Heute ist dort ein Fahrradverlag "VeloKultur" angesiedelt und es finden Ausstellungen statt, aktuell gerade passend zum Thema Schuhe. Im verwilderten Garten entdecke ich eine hübsche schwarze Katze. Das Haus wirkt lebendig, Menschen gehen ein und aus. Ebenfalls im Haus zu finden ist eine Gemeinschaftspraxis für Atemtherapie, Psychosoziale Beratung und Craniosacral-Therapie. Auch eine Abschieds- und Ritualbegleiterin gehört zum Praxisteam. Die 3-Zimmer-Wohnung im 2. Obergeschoss ist aktuell ausgeschrieben für CHF 1740.- exkl. Nebenkosten. Gesucht werden nette Nachbarn.

Jörg Niederer

Sonntag, 6. September 2026

Hinter der Mauer

Ein Zitat

Wieder einmal: Abendrot am Hauptbahnhof Zürich.
Foto: © Jörg Niederer
Gott spricht zu Ezechiel vom Tempel her: "Du Mensch, das ist der Ort, an dem mein Thron steht. Hier ruhen auch meine Füße. Hier will ich für immer unter den Israeliten gegenwärtig sein. Das Haus Israel wird meinen heiligen Namen nicht mehr unrein machen – weder durch Hurerei noch durch die Leichen von Königen, die sie an Kultplätzen ablegen. Das gilt für die Israeliten und ihre Könige. Sie bauten ihre Wohnungen direkt neben meine. Nur eine Wand trennte uns. Durch die Schandtaten, die sie begingen, machten sie meinen heiligen Namen unrein." (Bibel: Ezechiel 43,7b-8a)

Entdeckt

Verdichtetes Bauen nennt man das, wenn man den Raum möglichst optimal ausnutzt und Haus an Haus setzt, nur mit einer Mauer dazwischen. Was Gott durch Ezechiel daran beanstandete, war, dass auf der einen Seite der Mauer Menschen Elend bewirkten, während es auf der anderen Seite heilig zu und her gehen sollte. 

Tracy Chapman singt im Lied "Behind the Wall" davon, wie sie nachts durch ihre Wohnungsmauer hindurch aus der Nachbarswohnung Schreie hört, und wie sie nicht mehr die Polizei ruft, welche, wenn sie komme, erst spät komme. Und helfen wolle die Polizei nicht, weil sie nicht einschreiten dürfe bei einer privaten Streiterei zwischen einem Mann und seiner Frau. Eine weitere, schlaflose Nacht für die Sängerin.

Als Christ:innen möchten wir möglichst nahe bei Gott leben, Tür an Tür. Aber wenn durch die Tür hindurch Schreie der Menschen zu Gott dringen, die von uns vergessen, geschlagen, verlacht und verachtet werden, dann findet Gott keine Ruhe in der Nacht dieser Welt. Wen wundert es, dass Ezechiel davon spricht, wie Gott nicht mehr Mauer an Mauer mit den Jerusalemer leben wollte. Was Gott wolle sei, dass ganz Jerusalem ein Tempel Gottes sei. Die Menschen sollen sich nicht hinter einer Mauer vor Gott verstecken, sondern im Angesicht Gottes leben, heilig, wie Gott selbst heilig ist (Bibel: 1. Petrus 1,16), in seinem "hochheiligen" Tempelbezirk (Bibel: Ezechiel 43,12).

Einmal mehr frage ich mich: Verstecke ich mich vor Gottes Unmittelbarkeit, wie hinter einer Mauer? Bin ich ein Tempel des Heiligen Geistes (Bibel: 1. Korinther 6,19)? Lebe ich in Abgrenzung zu Gott oder in Übereinstimmung mit seinem Willen und seiner Liebe?

Jörg Niederer

Samstag, 22. August 2026

Endstation?

Ein Zitat

Bei der Reformierten Kirche Jegenstorf findet sich bei einem Grabkreuz ein zugemauertes Tor.
Foto © Jörg Niederer
"Der Mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem in sich …" Franz Kafka (1883-1924)

Entdeckt

Es könnte ein Symbolbild sein. Beim Grab ist Endstation. Das Portal ist zugemauert. Da geht es gleich zweimal nicht mehr weiter. Aber ist der Tod wirklich das Ende? Könnte es nicht auch Übergang sein in eine andere Wirklichkeit?

Nichts Genaues weiss man nicht. Die Religionen geben zwar allesamt Antworten. Doch sie sind sich nicht einig, ja widersprechen sich. Heute fällt es mir schwerer, bestimmt zu sagen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn Menschen mit Überzeugung von einem Wiedersehen im Himmel sprechen. Ich wünschte es mir. Ich glaube auch daran. Doch sicher kann kein Mensch sein. Nun, wir werden es erfahren. Bis dahin gebe ich mich der Hoffnung hin. Denn ich wünsche mir Gerechtigkeit für die Opfer und Zukurzgekommenen. Dazu brauchen wir den Himmel als Ort der Wiedergutmachung. Auch den Ungerechten wünsche ich ein Augen und Verstand öffnendes Erwachen. Mögen dieses Erwachen den Umständen entsprechend böse oder gut sein.

Jörg Niederer

Samstag, 2. Mai 2026

Doppelte Vielfalt

Ein Zitat

Oben: Christliches Jugendtreffen in Nordmazedonien zum 1. Mai in einer Freizeitanlage nahe der griechischen Grenze. Unten: Eine winzige Wollbiene sitzt auf dem Fusspfad vor mir auf den Boden.
Fotos © Jörg Niederer
"Lasst uns ein Europa schaffen, das sowohl sokratisch wie christlich ist, gleichzeitig voller Zweifel und Glauben, voll Freiheit und Ordnung, voll Vielfalt und Einheit." Salvador de Madariaga (1886-1978)

Hingesehen

Während ich in Mazedonien im Hotel direkt an der Autobahn von Griechenland her am frühen Morgen diese Zeilen schreibe, jagen die Mehlschwalben, die über meinem Fenster nisten, wild hin und her. Ich höre auch Rauch- und Uferschwalben, den Pirol, und den Kuckuck. Weiden- und Haussperlinge melden sich, ein Pärchen der letzteren hat eines der Nester der Mehlschwalben für sich annektiert. Auch nicht weit sind Dohle und Star. Nachtigallen singen an jeder Hausecke und hinter jedem zweiten Busch.

Gestern besuchten wir über den Mittag ein christliches Jugendlager, das den freien 1. Mai für ein verlängertes Wochenende in einer grosszügigen Anlage direkt an den ersten Ausläufern des Gebirges nutzt. Die Jugendlichen kommen aus verschiedenen evangelischen Kirchen. Vielfalt und Lebensfreude war zu spüren. Wir vom Laienpredigerkurs waren eingeladen zu den Tischen und vollen Fleischtöpfen, die hier zum Essen nicht fehlen dürfen.

Einige Minuten lang erkundige ich den nahen Bachlauf bei der Freizeitanlage, der den Jugendlichen als Badeplatz dient. Auf einem Trampelpfad folge ich ihm aufwärts. Zwischen den Bäumen und Büschen hat es wunderschöne Trockenwiesen. Eine Riesensmaragdeidechse flüchtet vor mir mit Getöse ins Unterholz. Eine winzige, dunkelgefärbte Johannisechse schlängelt sich durchs Gras, der Wegerich-Scheckenfalter setzt sich auf eine Blume, fast schwarze Krabbenspinnen lauern auf dem hellbraunen Boden. Da gibt es unzählige Löcher der Falltürspinnen, eine winzige Wollbiene lässt sich anstandslos fotografieren, genauso wie die Gemeine Bodenwanze, der Schwarzer Schmalbock und die Punktiere Zartschrecke. Ich kann mich nicht erinnern, je eine Rundblättrige Osterluzei gesehen zu haben. Hier wächst sie. es gibt Weissfleckdisteln, und die gewöhnliche Mariendistel mit ihrer wunderschön symmetrischen Blüte. Auch den Echten Venusnabel entdecke ich, angelehnt an einen sich zersetzenden Baumstumpf.

All diese Eindrücke sind überwältigend. Was gäbe es hier noch zu entdecken, wenn ich mehr Zeit hätte?

So könnte es auch in der Schweiz aussehen, würde nicht jeder Wegrand regelmässig von Unkraut befreit, hätte es mehr Hecken und weiniger aufgeräumte Agrarlandschaft. Hinter dem Hotel ist der Übergang vom Wald zum strauchbestandenen Feld wunderschön abgestuft, auch etwas, das man in der makellosen Schweiz kaum noch sieht. Gestern beim Frühstück konnte ich dort einen Merlin beobachten, wie er auf einer Telefonstange seine Beute vertilgte.

Auch die Eindrücke von und mit den Menschen sind beglückend, die Gespräche bereichern. Sie werden geführt in Englisch und Deutsch und Mazedonisch und irgendwie, lächelnd, händeschüttelnd und manchmal händeringend.

Ich erlebe gerade doppelte Vielfalt. Das tut so richtig gut.

Jörg Niederer

Sonntag, 15. März 2026

Verdienstvoll verdienstlos

Ein Zitat

In der Kirche St. Karl in Luzern.
Foto © Jörg Niederer
"Denn der Lohn der Sünde ist der Tod. Aber die Gnade, die Gott uns gewährt, ist das ewige Leben. Denn wir gehören zu Christus Jesus, unserem Herrn." Bibel: Römer 6,23

Hingesehen

Zum Foto: Das Foto zeigt den Innenraum der Römisch-katholischen Kirche St. Karl in Luzern. Sie ist nach Karl Borromäus (1538–1584) benannt. Fritz Menger (1898-1973) hat sie entworfen. Erbaut wurde sie von 1932-1934 als die erste Beton-Kirche der Innerschweiz. Sie wird in der Liste der Kulturgüter in Luzern als von nationaler Bedeutung geführt. Die Entwürfe der Fresken und Fenster in der Oberkirche stammen von Hans Stocker (1896-1983). Der Kirchenraum fasst 900 Personen.

Zum Bibel-Zitat: Als ob man den Tod erwerben müsste. Als ob er etwas Verdienstvolles wäre. Dabei ist nichts so sicher wie der Tod. Er ist unabdingbarer Bestandteil jeder menschlichen Biographie. Nach den Aussagen von Paulus (Römer 6,12-23) haben wir Menschen den Tod verdient. Verdient durch unsere Sünden. Wenn der Tod aber den Sünder und nicht die Sünde trifft, dann bedeutet das doch, dass sich Sünder und Sünde, Mensch und Tat nicht trennen lassen. Dass Aussagen wie: "Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder" falsch sind. Emil Brunner hat recht, wenn er schreibt: "Nicht bloss, wie wir uns gern einreden, 'das Sündige an uns', nein, der ganze Mensch muss in den Tod hinein. Sünde und Sünder sind nicht zu trennen." (Emil Brunner, das Gebot und die Ordnungen, Zürich 1978, Seite 157).

Wie wenn man sich das Leben verdienen könnte. Wie wenn wir des eigenen Glückes Schmied währen. Dabei ist nichts so unverdient wie das Leben. Oder kannst du gewisse Verdienste oder Versäumnisse ausweisen, die dazu geführt haben, dass du lebst, dass du reich oder arm geboren wurdest, dass du gesund oder versehrt zur Welt gekommen bist? Gewiss können wir das Beste aus einem geschenkten Leben machen. Besonders verdienstvoll ist das aber nicht. Denn letztlich sind wir uns selbst zum Leben geschenkt.

Jörg Niederer

Dienstag, 3. März 2026

Lebendgemälde

Ein Zitat

Grasfrösche haben bei Teufenthal ihren Laich in kleine Weiher abgelegt. Als hätte eine Malerin ihre Farbpalette angemischt.
Foto © Jörg Niederer
"Es läuft der Frühlingswind / durch kahle Alleen, / Seltsame Dinge sind / In seinem Wehen." Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Hingesehen

Bei Teufenthal, direkt neben der Wyna, wurden drei kleine Tümpel angelegt. Ein Mini-Naturschutzgebiet. Wohl eher geschaffen für die seltenen Kreuz- und Geburtshelferkröten, haben die früh aktiven Grasfrösche die neuen Möglichkeiten für sich entdeckt. Davon zeugen Laichballen, die sich farblich verschiedenen Entwicklungsstadien zuordnen lassen. Im trüben Wasser wirken sie wie moderne Gemälde. Kunstwerke der Natur. Kreativität mit Mehrwert.

Jörg Niederer

Freitag, 28. November 2025

Schattensprünge

Ein Zitat

Früh morgens beim Bahnhof Frauenfeld reicht mein Schatten über den Lauf der Murg ans andere Ufer.
Foto © Jörg Niederer
"Kirche funktioniert in dogmatisch geheiligtem Schneckentempo... Willst du was bewegen? Bring Snacks. Viel Geduld. Und ein dickes Fell." Ina Jäckel, Pastorin

Hingesehen

Manchmal möchte ich schon da sein, wo mein Schatten bereits angekommen ist. Doch so einfach ist das nicht. Jeder Prozess, jeder Weg verlangt eine gewisse Anstrengung. Einmal komme ich leichter voran, dann ist es eine wirklich beschwerliche Reise.

Manchmal bin ich meinem Schatten auch schon weit voraus. Dann folgt er mir, lässt sich nicht abschütteln. Der Schatten hat kein Gewicht, ich muss ihn nicht hinter mir herschleppen oder vor mir herstossen. Aber er zieht mich leider auch nicht mit sich mit. Das ist gut, wenn es in die falsche Richtung gehen sollte. In die richtige Richtung könnte er mich schon etwas mehr unterstützen.

Als ich beobachtete, wie mein Schatten zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs mit Leichtigkeit auch den Wasserlauf der Murg überhüpfte, sagte ich mir: Da muss noch mehr gehen. Zum Beispiel könnte es ja sein, dass beim ersten Sonnenstrahl mein Schatten gar die 12 Kilometer weit entfernten Ufer des Neusiedlersees verbindet. Doch will ich wirklich über diese Distanz hoffnungslos hinter meinem Schatten zurückbleiben. Besser ich warte, bis sich die Sonne dem Zenit annähert, und meinen Schatten vom andern Ufer wieder zu mir zurück gleitet.

Als Gleichnis spricht der Schattenwurf in mein Leben hinein. Am Morgen früh gehen meine Pläne und Erwartungen weit in die Zukunft. Doch mit den Stunden werden die damit verbundenen Hoffnungen kleiner, bis sie beim Menschenmöglichen angekommen sind. Doch dann denke ich zurück an das, was auf diesem Weg gelungen oder misslungen ist. Ich drehe mich um, und sehe immer klarer, wie die Probleme wie Schatten anwachsen und dann glücklich im Sonnenuntergang flammend untergehen. Nun habe ich Ruhe, bis zum nächsten Morgen mit seinen neuen grossen Erwartungen.

Jörg Niederer

Freitag, 17. Oktober 2025

Fingerzeige

Ein Zitat

Leuchtend gelbe Blätter an einem herbstlich eingefärbten Ahornbaum.
Foto © Jörg Niederer
"Leb ich Gott, bist du bei mir, / sterb ich, bleib ich auch bei dir, / und im Leben und im Tod bin ich dein, / lieber Gott." Arno Pötzsch (1900-1956)

Hingesehen

Die Liedstrophe von Arno Pötzsch steht als Leitwort über der Todesanzeige eines Pfarrkollegen, an dessen Beisetzung ich heute teilnehmen werde. Dazu scheint mir dieses Foto eines Ahorns mit seinen leuchtenden und doch absterbenden Blättern gut zu passen. Die Äste ragen wie Finger in die Höhe, zeigen die Richtung an. Nicht hinab in die Grube, hinauf zum Licht geht die Reise. Die Blätter fallen einige Sekunden, der Baum aber streckt sich mitunter Jahrhunderte, weist mir die allgemeine Richtung.

Jörg Niederer

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