Ein Zitat
"Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande." Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)
Foto: © Jörg Niederer
Entdeckt
Kennst du den Blog von Thomas Widmer, auch Wanderpapst genannt? Er verbindet Wanderungen mit dem Kulinarischen. Dabei fotografiert er gerne auch das, was er oder auch seine Begleitung sich einverleiben. Eigentlich ein No-Go, Fotos von Essen zu posten. Bei Widmer hat es aber eine wanderergänzende Bedeutung. So weiss man, wo man unterwegs gut (oder auch nicht) speisen kann. Heute mache ich es auch einmal so. Den Coupe Prune und das alkoholfreie Bier genoss ich im Chuderhüsi. Das ist ein Gasthaus auf 1100 Metern Höhe nördlich von Röthenbach im Emmental. Ein Wanderbus bedient den Ort an Wochenenden jeweils einmal am früheren Morgen und einmal am späteren Nachmittag. Geführt wird das Haus von der christlichen Organisation El Rafa, im Speziellen von Menschen mit Suchtproblemen. Von der Terrasse des Hauses aus hat man einen fantastischen Ausblick auf Schrattenfluh, Hohgant, Brienzer Rothorn, Sieben Hengste und natürlich die Giganten der Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Zentrum. Am vergangenen Samstag wurden wir zusätzlich mit Technoklängen des dreitägigen KuMuKu Festivals auf der Chapfwacht beschallt. Das Bum-Bum war weitherum zu hören.
Nun aber zum eigentlichen Thema. Wie findet man den Ort, an dem Methodist:innen einst in Privathäusern zusammengekommen sind. Auf dieser Wanderung von Bowil hinauf zum Chuderhüsi liegt etwa auf 1000 Höhenmetern der Weiler Martinsegg. In den Konferenzverhandlungen von 1981 steht, dass dort bei Familie Moser Predigten stattgefunden haben. Nun hat es auf der Martinsegg mehr als ein Bauernheimet. Welches es ist, versuche ich jeweils herauszufinden, indem ich im Telefonbuch nachschaue, ob dort immer noch (in diesem Fall) die Familie Moser lebt. Dumm, wenn es dann die falschen Mosers sind, die unweit davon wohnen.
Also frage ich in relativer Nähe zum gesuchten Haus auch ortsansässige Personen. Ein junger Mann, der mit einer Motorsense das Strassenbord schnitt, und zufällig selbst im Nachbarhaus des gesuchten Objekts wohnte, zeigte mir den Platz, an dem sich früher abends Menschen einfanden zur Predigt. Er wusste aber noch von weiteren Orten in näherer Umgebung. Es war halt bei den zahlreichen Freikirchen im Emmental üblich, sich bei Privaten zu versammeln. Unglücklicher Weise entschied ich mich, auf einem etwas anderen Weg hinauf zur Martinsegg zu wandern. Angekommen fragte ich wieder eine ältere Frau, die aber erst zwölf Jahre hier wohnte und keine Ahnung von lokalen christlichen Aktivitäten hatte. Mutig läutete ich im grössten der Bauernhäuser. Dort wusste man auch nichts von Gottesdiensten, aber im Haus weiter unten, man sehe es von hier oben, da habe eine Frau Moser Sonntagschule gegeben. Das sei aber schon 30 oder 40 Jahre her.
Hätte ich den zuhause geplanten Weg genommen, wäre ich an besagten Haus vorbeigekommen. Noch einmal hinuntersteigen um mein obligatorisches Selfie vor dem Anwesen zu machen (Solche Selfies sind ja fast so verpönt wie Bildern von Essen!) wollte ich nicht mehr. Also fotografierte ich das Bauernhaus so gut wie es eben ging von meinem erhöhten Standort aus.
Was folgte war der restliche Aufstieg zum Chuderhüsi, das Besteigen des nahen Aussichtsturms und den Abstieg zum Wanderausgangspunkt beim Bahnhof Bowil. 540 Höhenmeter bei 13 Wanderkilometern. Eine Etappe mehr auf meiner Kapellentour, vielleicht die Königsetappe im Emmental.
Jörg Niederer
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