Ein Zitat
"Der Umfang der Stadt beträgt neun Kilometer. Der Name der Stadt lautet von jetzt an: 'Hier-ist-Gott.'" (Bibel: Ezechiel 48,35)
Foto: © Jörg Niederer
Entdeckt
Die endzeitliche Gottesstadt ist klein, die Ezechiel hier in einer Vision beschreibt. Die Seiten des quadratischen Grundrisses messen 4500 Ellen, das sind etwa 2.25 km. Zum Vergleich: Ninive hatte damals eine Länge von 5 km und eine Breite von 2,3 km. Babylons Stadtmauer war 18 km lang.
Nur ein kleine Stadt, schon damals. Heute gibt es Städte mit 42 Millionen Einwohnern (Jakarta, Indonesien), und selbst Zürich ist etwa dreimal so gross wie die Stadt, die von Ezechiel beschrieben wurde. Ganz anders das neue Jerusalem, welches als Vision davon, was nach dieser Welt kommt, in Offenbarung 21,16 gezeigt wird. Wir müssen es uns als Würfel vorstellen mit einer Kantenlänge von 12'000 Stadien, das entspricht 2160 km. Warum war dagegen Ezechiels Stadt so klein?
Weil es nicht um Grösse geht. Das vorherrschende Element ist die Gleichförmigkeit. Vier gleichlange Seiten mit je drei gleich angeordneten Toren auf jeder Seite. Die Tore sind benannt nach den zwölf Stämmen Israels.
Alle werden gleich behandelt. Keiner hat das bessere Teil bekommen.
Gleichheit: Manche denken jetzt an Gleichmacherei. Doch was spricht gegen Gleichbehandlung in einer Welt des Ungleichgewichts. Das war doch immer wieder die Botschaft der Propheten, dass es Gott nicht gefällt, wenn die einen durch Unrecht und Gier Reichtum anhäufen auf Kosten der andern. Das ist auch heute eines, wenn nicht das grösste Problem, dass die 12 Superreichen soviel Vermögen (und damit Einfluss) besitzen wie die gesamte ärmste Hälfte der Weltbevölkerung. Gottes neue Stadt soll dagegen ein Ort sein, wo jeder Mensch den gleichen Zugang zu Gott und Leben hat. Für jeden steht die Tür offen. Jeder Mensch soll seinen Anteil haben am Segen Gottes. Das ist nicht Gleichmacherei, sondern Gottes Gerechtigkeit. Denn diese Stadt heisst nicht "Hier-ist-der-Mensch", sondern "Hier-ist-Gott". Und das ist etwas ganz anderes.
Jörg Niederer
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