Freitag, 10. April 2026

Das Kirchendrama von Frauenfeld

Ein Zitat

Der Wanderfalke hat Position bezogen vor dem Brutplatz der Turmfalken auf dem Turm der Stadtkirche Frauenfeld.
Foto © Jörg Niederer
"Dass einer lächeln kann und immer lächeln / Und doch ein Schurke sein." William Shakespeare (1564-1616)

Hingesehen

Jahrelang wohnte in mehr oder weniger trauter Nachbarschaft zu Dohlen, Alpenseglern und Tauben ein Turmfalkenpaar im hoch aufragenden, neubarocken Turm der Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld. Auch in diesem Jahr bezogen die geschickten Rütteljäger wieder ihre Vogel-Einzimmerwohnung. Doch dann kam vor einem Monat der Vogel auf dem Foto, und seither vollzieht sich ein kleines Drama in luftiger Höhe über der Thurgauer Kantonshauptstadt.

Wenn in der Politik von Falken gesprochen wird, so ist gerade auch der Wanderfalke dafür Vorbild. Er hält mit 320 km/h den Geschwindigkeitsrekord unter den Gefiederten und ist der natürliche Feind kleinerer Vögel ab etwa der Grösse von Tauben und Krähen. Er jagt im Sturzflug oder aus dem Hinterhalt und mit hoher Geschwindigkeit seine Beute in der Luft. Und ja, auch Turmfalken gehören in sein Beutespektrum.

Immer wenn ich nun in die Nähe der Stadtkirche komme, schaue ich hoch zur Luke, hinter der die Turmfalken wohl brüten. Gestern aber sass dort der Wanderfalke. Die beiden kleineren Turmfalken waren auch da. Sie duckten sich nicht weit entfernt in Nischen der Kirchenfassade. Ihnen war der Weg zu Nest versperrt. Da in den letzten Tagen bei der Kirche auch schon zwei Wanderfalken bei der Paarung beobachtet worden waren, kann es sein, dass diese dem Turmfalkenpaar den Nistplatz streitig machen. Es könnte aber auch sein, dass sie es auf den Turmfalken-Nachwuchs abgesehen haben. Bisher habe ich den Wanderfalken nicht dabei beobachtet können, wie er in den Nistkasten hineingeschlüpft wäre. Für die Turmfalken jedenfalls ist es gerade sehr ungemütlich. Wenn sie die Gefahr richtig einschätzen können, dann, so hoffen ich, werden sie sich einen andern Ort für ihr Brutgeschäft suchen.

Eine Chance gibt es aber auch an diesem Standort in der Stadtkirche für die schwächeren Turmfalken. Da der Wanderfalke ausschliesslich im ultraschnellen Flug jagt und nie seine Beute am Boden schlägt, sind sie auf den Mauersimsen und im bezogenen Nest relativ sicher.

Mal schauen, wie dieser Konflikt über unseren Köpfen weitergeht.

Jörg Niederer

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