Ein Zitat
"Glaube ist kein Leistungssport." Zitat von Hans Gerni (Christkatholischer Bischof von 1986-2001) in der Stadtkirche Olten
Fotos © Jörg Niederer
Hingesehen
Vorne rechts, die ersten vier Bankreihen: Da sassen wohl die Kinder und Jugendlichen, wenn in der Kirche der Gottesdienst über die Bühne ging. Vorne rechts, die ersten vier Bankreihen: Schnitzwerk der Langeweile. Diese Form von Kreativität findet sich nicht selten in Kirchen und zeugt von einem gewissen Desinteresse an dem, was da so zelebriert wurde. Das vorliegende Beispiel-Foto (oben) wurde in der christkatholischen Stadtkirche von Olten aufgenommen, nahe dem Martin-Disteli-Altarbild zum Jüngsten Gericht. Vielleicht finden sich irgendwo eingeschnitzt auf den Bankrücken auch die Initialen F.H., sass doch hier in jugendlichen Jahren einst ein gewisser Franz Hohler. Was, wenn man erwischt wurde beim Beschädigen der Kirchenmöbel? Gab es zur Strafe Nachsitzen? Nachsitzen in einem Gottesdienst?
Standortwechsel: Amtshaus Olten (Foto unten), irgendwo in der 1. oder 2. Etage ganz hinten links. Ein relativ kleiner Raum. Hier trafen sich längere Zeit die Gemeindeglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche zum Gottesdienst. Dort besuchte ich als Kind nach dem Gottesdienst die Sonntagschule, zusammen mit Geschwistern, Cousins und Cousinen und noch weiterem Kirchennachwuchs. Dort sassen wir also in den vorderen vier (!) Bankreihen und hörten den Geschichten von Tante Gerda und Co. zu. Auch wir kritzelten. Mangels Taschenmesser mit den Fingernägeln, mit denen wir die weichen Schichten der Jahrringe weiter einkerbten. Auch wir versuchten uns an Initialen (verräterisch) und wurden ab und zu dabei erwischt. Gab es Strafen? Ich kann mich nicht daran erinnern. Standpauken ja, aber mehr passierte nicht.
Der Kirchengutsverwalter, mein Onkel, war zwar alles andere als erfreut, man beklagte die Schäden an den Holzbänken, überlegte, was man dagegen tun könnte, und liess es dann doch auf sich bewenden. Nach dem Umzug der Kirche in eigene Räume an die Jurastrasse verschwanden die Bänke und wurden durch Stühle ersetzt. Damit waren unsere jugendlichen Meisterwerke kirchlicher Kunst verloren. Aber die Erinnerung daran wird noch einige Zeit wach bleiben bei denen, die damals dabei waren.
Jörg Niederer
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen