Ein Zitat
"Heute ist es ganz normal, dass eine Frau Pfarrerin werden kann. […] Und das finde ich sehr schön, und gut." Elsi Altorfer, methodistische Pfarrerin im Ruhestand
Fotos: © Jörg Niederer
Entdeckt
Den methodistischen Kirchenbezirk Signau gibt es nicht mehr. Verschwunden ist die einst blühende Arbeit – es gab 9 Standorte, davon drei Kapellen. 2012 wurden die Bezirke Langnau i. E. und Signau zu einem neuen Bezirk Oberemmental zusammengefasst. Das war auch das Jahr, als in der Kapelle Signau die kirchliche Arbeit beendet wurde.
Auf meiner Kapellentour werde ich nicht alle einstigen Standort besuchen. Doch am vergangenen Montag waren es wenigstens drei des ehemaligen Bezirks Signau. Zum Schulhaus Höchi schrieb ich im gestrigen Beitrag. Danach kam ich auch noch auf Mutten bei Signau am damaligen Sonntagschulstandort im Heimet Schossmatt vorbei. Das richtige Haus gefunden hätte ich nicht, wenn es mir nicht von einer älteren Frau gezeigt worden wäre. Die Predigten fanden wohl in einem Nachbarshaus bei einer Familie Lehmann statt, vermutlich parallel zur Sonntagschule.
Drei Kilometer zu Fuss weiter, am Rand von Signau und direkt am Schüpbachkanal, steht nach wie vor die Kapelle von Signau. Noch erzählen die hohen Bogenfenster im Erdgeschoss vom einstigen Versammlungsort. Meine früheste Erinnerung an die Kapelle Signau geht in eine Zeit zurück, als ich mich gerade erst als Christ zu verstehen begann. Damals gab es für Jugendliche Einsätze bei sogenannten Evangelisationen. Meist eine Woche lang versuchte man mit speziellen Verkündiger:innen und einer einladenden Botschaft Menschen für Christus zu gewinnen. An einer dieser Wochen nahm ich also in Signau teil. Gertrud Wehner war damals die Pfarrerin auf dem Bezirk. Eine Frau mit einem Dutt. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die in der Evangelisch-methodistischen Kirche Gemeinden leiteten und auf den Kanzel predigten. Vor 70 Jahren öffneten die Methodisten den Frauen den Zugang zum Predigtamt. In der Schweiz begann die erste ordinierte Frau vor 57 Jahren als Pfarrerin zu wirken. Dazu gibt es aktuell auch einige hörenswerte Interviews.
Zurück zu Signau. Mit dabei an diesem Missionseinsatz war auch ein Student des Theologischen Seminars, heute die Theologische Hochschule Reutlingen. Er ermutigte mich damals, selbst das Studium der Theologie aufzunehmen.
Viel ist mir von diesem Einsatz in Signau nicht mehr geblieben an Erinnerungen. Zwischen damals und heute liegen – wie man so sagt – eine oder auch mehrere Phasen von Glaubensdekonstruktionen, gefolgt von jeweiligen Glaubensrekonstruktionen. Mit anderen Worten: Der Inhalt und die Umsetzung des persönlichen Glaubens ist in einem Wandel begriffen. Manches, was mir früher einleuchtete, ist mit meinem heutigen christlichen Verständnis nur noch schräg. Im Rückblick frage ich mich jeweils: Wie konntest du nur?
Es gibt in jeder christlichen Biografie Brüche und Aufbrüche. So wie auch in jeder kirchlichen Entwicklung. Diese Veränderungen, so glaube ich, haben bei mir zu einer reiferen Art des Glaubens geführt. Vielleicht sind die massiven Veränderungen in der Kirchenlandschaft ja auch so etwas wie eine Glaubensdekonstruktion, bei der Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Auf die "Rekonstruktion" des christlichen Glaubens heute bin ich sehr gespannt.
Jörg Niederer
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