Ein Zitat
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| Foto © Jörg Niederer |
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Die Bronzeplastik "Frau" von Alis Guggenheim steht in einem Park, der auf Google Maps noch irrtümlich als Rosa-Luxemburg-Park benannt ist. Tatsächlich wollten einige in Zürich diesen namenlosen Park direkt neben dem Hauptsitz der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz so benennen. Der Stadtrat entschied dann aber anders, ohne wirklich stichhaltige Gründe zu liefern. Zwischenzeitlich ist ein anderer Platz auf Zürichs Letzibach-Areal nach dieser berühmten politischen Aktivistin und Sozialistin benannt. Rosa Luxemburg (1871-1919) studierte von 1890 bis 1898 an der Universität Zürich Nationalökonomie, Philosophie, Geschichte und Mathematik. Nur in Zürich konnte sie zu jener Zeit gleichberechtig als Frau mit den Männern studieren.
Viele Jahre bin ich auf dem Weg zum Hauptsitz, der sogenannten Zentralverwaltung der Evangelisch-methodistischen Kirche, an dieser Frauen-Plastik von Alis Guggenheim vorüber gegangen. Gelegentlich war sie für wenige Tage bekleidet. 1928 wurde die "Frau" – es ist Guggenheims Erstlingswerk – an der Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit ausgestellt. Doch erst 1999 stellte man die Bronzestatue an ihrem heutigem Standort in der Grünanlage des alten Aussersihler Gemeindehauses auf.
Alis Guggenheims Werke finden sich im Aargauer Kunsthauses in Aarau, im Jüdischen Museum der Schweiz in Basel, im Israel Museum in Jerusalem, in der Kunstsammlung der Stadt Zürich und in der Kunstsammlung des Kantons Zürich.
Ich finde es sympathisch, dass das Werk einer jüdischen Kommunistin vor dem Hauptsitz einer Kirche steht, die sich in ihrem ersten Sozialen Bekenntnis von 1908 für die Anliegen der Arbeitnehmenden eingesetzt hat.
Jörg Niederer

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