Sonntag, 25. Januar 2026

Kleiderfrage

Ein Zitat

Kleider spielen eine grosse Rolle bei Weber-Butikk in St. Gallen. Schaufensterauslage mit Modepuppe und drei Hunden.
Fotos © Jörg Niederer
"So spricht der Herr, der Gott Israels! Du hast die Worte gehört und sie dir zu Herzen genommen. Du hast dich demütig vor deinem Gott gebeugt. Denn du hast gehört, welches Unheil ich angekündigt habe für diesen Ort und seine Bewohner. Deshalb hast du dich vor mir gebeugt, deine Kleider zerrissen und vor mir geweint. Und ich habe dich erhört – Ausspruch des Herrn. –" Bibel, 2. Chronik 34,26b+27

Hingesehen

Wann habe sie das letzte Mal aus Empörung oder Trauer ihr Kleid zerrissen? Als Kind habe ich einmal einem anderen Kind aus Wut das T-Shirt zerrissen. Aber aus Trauer habe ich noch nie eines meiner Kleider zerstört. Zur Zeit des biblischen Königs Joschija war das Zerreissen eines Kleides Ausdruck tiefen Schmerzes und Trauer. Joschijas Trauer gründete auf den Worten des zu seiner Zeit wieder entdeckten göttlichen Gesetzes, das im Tempel unerwartet ans Tageslicht gekommen war. Diese Schrift hatte ihm die Augen geöffnet.

Heute sind Kleider Massenware. Sie werden zu tiefsten Preisen produziert. Sie zu zerreissen wäre eine billige Form der Busse. Bei Joschija blieb es nicht beim Kleiderzerreissen. Joschija begann, die religiösen Missstände in seinem Hoheitsgebiet anzugehen. Diese bedrohten das soziale Gefüge seines Landes. Ob diese Reform auch soziales Unrecht auszumerzen versuchte, davon schreibt der Chronikschreiber nichts. Andere, Propheten wie Amos, haben den Fokus genau darauf gelegt.

Damit sind wir wieder bei den Kleidern. Würde ein T-Shirt heute nur 20 Rappen teurer verkauft, und würde man dieses Geld der Näherin geben, dann würde diese Näherin doppelt so viel verdienen, wie sie jetzt verdient. Hier könnte unsere Form von Busse ansetzen. Statt Kleider immer billiger zu kaufen, können wir dazu beitragen, dass Menschen auf dieser Welt gerechtere Löhne erhalten. Die Clean Clothes Campaign zeigt, wie heutige Busse, also Umkehr, geschehen kann. Denn unser soziales Gefüge ist in Gefahr, weil wir masslos geworden sind auf Kosten anderer Menschen dieser Welt.

Jörg Niederer

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