Ein Zitat
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| Fotos © Jörg Niederer |
Hingesehen
Als Wiedergänger versteht man Verstorbene, die aus irgend einem Grund keine Ruhe finden und so in dieser Welt weiter herumspuken. Wenn nun an einem Ort ein Mord begangen worden war oder ein Selbstmörder beerdigt wurde, richtete man dort gelegentlich einen Stein auf, mit einer bannenden Inschrift, um das Herumgeistern des Wiedergängers zu verhindern.
Als so einen Bannstein interpretierte 1981 Dr. Hans Kläui von der Genealogisch-Historischen Forschungsstelle den Marienstein beim Feldenmoos und Dürrenbach, nahe der Gemeindegrenze von Hedingen. Von mir rot hervorgehoben findet sich auf der flacheren Seite dieses einsamen Steins auf weiter Flur ein Marienmonogramm. Kläui datierte es ins 15. Jahrhundert, noch vor der Reformation. Auf dem Stein sind noch weitere Verzierungen und möglicherweise Schriftzeichen eingemeisselt, die aber kaum noch lesbar sind.
Was genau an diesem Ort geschehen ist, oder ob es sich gar nicht um einen solchen Bannstein handelt, sondern um einen Grenzstein des Klosters Kappel, wie Dr. A. Sigg vom Staatsarchiv des Kantons Zürich vermutet, ist noch nicht restlos geklärt. Mir leuchtet Kläuis Argumente mehr ein. Grenzsteine, auch die von Klöstern, sind anders beschriftet und behauen. Die Ursache für die Steinsetzung des Mariensteins von Hedingen wird wohl noch lange ein Geheimnis bleiben.
Jörg Niederer

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