Ein Zitat

Foto © Jörg Niederer
"Das Volk, das in der Finsternis lebt, hat ein großes Licht gesehen. Es scheint hell über denen, die im düsteren Land wohnen." Bibel, Jesaja 9,1
Hingesehen
Eine Weihnachtskarte ohne viel Lametta, Kerzen und Geschenkpäckchen. Auch nichts ist zu sehen von Maria, Josef und dem Kind in der Krippe. Ein minimalistisches Bild, meditativ und asketisch. Nur Hell und Dunkel und das glitzern eines schmalen Bachlaufs in der Wiese. Doch für mich ist es ein starkes Bild für das, was Weihnachten, was die Geburt Gottes in dieser Welt ausmacht.
Wir nebelgewohnten Mittellandbewohnenden sind früh am Morgen aufgebrochen. Hinauf wollten wir, möglichst dahin, wo die Sonne scheint. Der Weg durch den Wald. Immer wieder halten wir Ausschau, ob sich der Himmel öffnet. Wir kommen dahin, wo sich das Sonnenlicht zunehmend in den Milliarden von winzigen Tautröpfchen streut, mit der Folge, dass der Nebel dichter zu werden scheint. Dann zeigt sich erstmals blauer Himmel. Milchig weiss ist das Rund der Sonne zu erahnen. Wir, aus der Finsternis kommend, sehen staunend das grosse Licht. Es scheint hell über uns Nebelgeplagten auf.
Ich gebe es zu. Unsere schweizerisch-mittelländische Dunkelheit ist auszuhalten. Die Bedrohungslage an meinem Wohnort ist klein. Doch da gibt es noch unzählige, die auf der Flucht oder in Armut, auf der Strasse oder in Krankenzentren, im Kriegsgeschehen oder der Einsamkeit sehnsüchtig auf Licht am Ende des Tunnels hoffen. Hoffen wir weiter, auch wenn bis jetzt die Sonne der Gerechtigkeit noch nicht die vernebelten Gemüter auf dieser Erde zu erleuchten vermag. Hoffen wir weiter, dass es licht wird.
Jörg Niederer
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen