Zwei Zitate
"Urteile nicht nach dem Augenschein, sondern nach dem Herzen." Redensart der Cheyenne-Ureinwohner
Foto © Jörg Niederer
"Wo echte Gastfreundschaft herrscht, sind nicht viele Worte nötig." Redensart der Arapaho-Ureinwohner
Hingesehen
Die Urbevölkerung in den USA gilt als besonders mit der Erde und der Schöpfung verbunden. Umso dramatischer ist die Vertreibung von Stämmen aus ihrem angestammten Siedlungsgebieten. Der Ausschnitt aus einem Mural von Steven J. Yazzie zeigt eine Situation im Südwesten der USA, wo Stämme der Navajo und Yaqui (1864-1866) betroffen waren. Das Kunstwerk fotografierte ich 2015 anlässlich meiner Mitarbeit im General Board of Church and Society (GBCS) auf einem Ausflug ins Heard Museum in Phoenix, Arizona.
Aktuell findet im Methodist Building in Washington D.C. eine Ausstellung statt, die eines der dunkelsten methodistischen Kapitel in der Geschichte thematisiert. Hauptbeteiligter: Oberst John M. Chivington, methodistischer Prediger und Populist. Ein Zitat von ihm lässt tief blicken: "Verdammt sei jeder Mann, der mit Indianern sympathisiert! … Ich bin gekommen, um Indianer zu töten, und ich halte es für richtig und ehrenhaft, alle Mittel unter Gottes Himmel einzusetzen, um Indianer zu töten. … Tötet und skalpiert alle, ob groß oder klein; zerquetscht ihre Säuglinge wie Läuse!" Am 29. November 1864 richteten 600 Angehörige der 3. und 1. Kavallerie-Regimenter der Colorado National Guard unter Chivingtons Führung ein Massaker unter friedlichen Angehörigen der Cheyenne und Arapaho an. Die Zahl der Opfer schwankt je nach Quelle zwischen 133 und 230. Sicher ist, dass es fast ausschliesslich Frauen, Kinder und alte Männer waren, die am Sand Creek River die Winterzeit verbringen wollten, und dort niedergemetzelt wurden. Berichte in den Medien über das Sand Creek Massaker, auch Chivington-Massaker genannt, führten zu einer offiziellen Untersuchung, in deren Verlauf Chivington als Massenmörder überführt wurde. Trotzdem wurde er nie für diese Tat von einem Gericht verurteilt. Ein Wikipedia-Artikel dazu erzählt ungeschminkt die ganze Geschichte. Seit 2007 gilt der Ort des Massakers als Gedenkstätte.
Die Ausstellung zum Sand Creek Massaker im Methodist Building wurde vom GBCS in Zusammenarbeit mit History Colorado ausgerichtet und mit einer Podiumsdiskussion eröffnet, an der Vertreter der Cheyenne und Arapaho vertreten waren. Bishop Julius C. Trimble, Generalsekretär vom GBCS sagte einleitend: "Wir sagen ganz klar: Die Kirche hat ihre Berufung, unsere Nächsten wie uns selbst zu lieben, nicht immer gelebt. Wir erkennen an, dass unserer Bitte um Entschuldigung nachhaltige Taten, Beziehungen und Demut folgen müssen."
Eindrücklich ist auch, was Fred Mosqueda, ein Sand Creek Vertreter der Stämme der Cheyenne und Arapaho, von seiner Grossmutter erzählte: Mehr als 100 Jahre nach dem Massaker stellte diese immer noch ihren Mokassins neben ihr Bett, "nur für den Fall, dass sie kommen und ich fliehen muss", wie sie sagte.
Für die Besichtigung der Ausstellung muss ein Zeitfenster online reserviert werden.
Jörg Niederer
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen