Donnerstag, 4. September 2025

Nützlicher Gemeiner Efeu

Ein Zitat

Efeudolde im Gegenlicht.
Foto © Jörg Niederer
"Pläne die Luft und das Wasser, die Wildnis und Natur zu beschützen, sind auch Pläne, den Menschen zu beschützen." Stewart Udall (1920-2010)

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Der Zitronenfalter überwintert gerne im Innern eines Efeudickichts. Dort verharrt er in Kältestarre mit geschlossenen Flügeln. Dabei gleich er einem Efeublatt, das entlang des Stils gefaltet wurde. Seine leicht grünliche Flügelaussenfläche macht die Illusion perfekt. Der Falter ist bestens getarnt und mit Frostschutzmittel im Blut zudem winterhart.

Efeu ist eine ideale Versteck- und Futterpflanze. Da der Efeu erst im Herbst blüht, sind diese Pflanzen bei allerlei Insekten sehr beliebt. Die dunkelblauen Beeren sind ab Januar bis April in einer Zeit mit wenig Vogelnahrung besonders wichtig. Efeu schadet entgegen landläufiger Meinung den Bäumen, an denen er hochwächst, nicht. Auch ist er kein Schmarotzergewächs. Daher sollte er nicht entfernt werden. Wird er trotzdem abgetötet, kann an zuvor durch den Efeu beschatteten Stämmen die Rinde Sonnenbrand bekommen.

In der christlichen Symbolik steht Efeu für die Unsterblichkeit und spiritueller Widerstandskraft. Er wechselt über die Jahre seine Blattform. Sie wird herzförmig. Da wünscht man sich, dass auch die Menschheit sich über die Jahre verändert, so dass Herz und Liebe eine immer grössere Rolle spielen.

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Jörg Niederer

Mittwoch, 3. September 2025

Flechte, Mammutbaum und Hibiskus

Ein Zitat

Die Flechtenspezialistin Monika Orler referiert im Botanischen Garten über Flechten.
Foto © Jörg Niederer
"Himmel und Erde sollen ihn [Gott] loben, dazu die Meere und alles, was in ihnen lebt." Psalm 69,35 (Bibel)

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Der Anlass zum Auftakt in die Schöpfungszeit im Botanischen Garten St.Gallen unter dem Thema: "Mitenand und Gegenand - Symbiose und Konkurrenz im Pflanzenreich" war ausgesprochen anregend und vielseitig (Siehe Beitrag vom 2. September 2025). Da reicht ein Foto nicht, um davon einen Eindruck zu vermitteln. Organisiert von der Ökumenischen Kommission GFS (Gerechtigkeit, Frieden und Schöfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St.Gallen fanden sich rund vierzig Interessierte ein.

Es begann mit der ausgewiesenen Flechten-Fachfrau Monika Orler. Bei ihr erfuhren wir, dass es sich bei Flechten weder um Moose noch um Pflanzen handelt, sondern um eine Symbiose von Pilzen und Algen; dass diese den Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit brauchen; dass sie uralt werden können und fast überall vorkommen (ausser im Wasser); dass es in der Schweiz rund 2000 Arten gibt; dass die Lungenflechte geschützt ist und in ihrem Heimatkanton Glarus an so vielen Laubbäumen vorkommen, dass die Förster Probleme bei der Waldbewirtschaftung haben; dass Flechten keinen Schaden anrichten; dass sie nichts zu tun haben mit Hautflechten beim Menschen; und noch viel mehr erfuhren wir von Monika Orler.

Manche Sukkulenten weisen einen lebendigen Lichtschacht auf.
Foto © Jörg Niederer
Bei der anschliessenden Führung durch den Botanischen Garten entdeckten wir, wie sich die Rinde des Mammutbaums anfühlt; dass die sogenannt "Lebenden Steine" zu den Sukkulenten gehören; dass es solche in den Blätter Wassern speichernde Pflanzen gibt, welche nach dem Prinzip des Lichtschachts funktionieren; dass manche Pflanzen mit Ameisen eine Zusammenarbeit eingehen; dass der Efeu und der Zitronenfalter sich in der Blatt- bzw. Flügelform gleichen; dass die Lotospflanze selbst Honig von den Blättern abperlen lässt und in allen Teilen essbar ist; dass die tropische Stachelseerose auf der Unterseite faszinierende Adern aufweist und dass die Schwimmblätter der Amazonasseerose bis 40 Kilogramm Gewicht zu tragen vermögen.

Im der anschliessenden Abendfeier wurde das Miteinander und Gegeneinander aus christlicher Sicht thematisiert. Einer der Höhepunkte war, dass die Teilnehmenden sich in Reagenzgläsern Samen, Suppenbuchstaben und Pfefferkörner in verschiedenen Farben bei den andern Personen abholen und so ein vielfältiges Farbmuster zusammenstellen konnte. Musikalisch wurde dem Anlass von der jungen Gitarristin Naja Meier Stimmung und Harmonie verliehen.  

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Jörg Niederer

Dienstag, 2. September 2025

Schöpfungszeitauftakt mit Flechten und mehr

Ein Zitat

Winzige rote Samtmilben auf einem mit Flechten überwachsenen Mäuerchen.
Foto © Jörg Niederer
"Wer nicht alles im Griff hat, hat dafür die Hände frei." Herkunft unbekannt

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Heute, am 2. September 2025 um 18.00 Uhr findet im Botanischen Garten St.Gallen der Eröffnungsanlass zur Schöpfungszeit statt. Das Thema lautet: "Mitenand und Gegenand - Symbiose und Konkurrenz im Pflanzenreich". Durchgeführt wird der Anlass von der Ökumenischen Kommission GFS (Gerechtigkeit, Frieden und Schöfungsbewahrung) der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen beider Appenzell und St.Gallen.

Die Spezialistin Monika Orler wird über Flechten einen Vortrag halten. Diese Doppelwesen bestehen aus Pilzen und Algen. Danach gibt es eine ungefähr eine Stunde dauernde Führungen durch die Pflanzenwelt des Botanischen Gartens. Ein besonderer Augenmerk wird dabei auf das Zusammenwirken und die Konkurrenz bei den Pflanzen gelegt. Bei diesen Führungen wird auch auf Personen mit eingeschränkter Mobilität Rücksicht genommen. Es folgt eine kurze gottesdienstlichen Feier, und anschliessend gibt es auch noch etwas zu Essen und zu Trinken.

Der Anlass ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es wird eine Kollekte erhoben für die "oeku Kirche für die Umwelt".

Hier kann der Flyer zum Anlass heruntergeladen werden.

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Jörg Niederer

Montag, 1. September 2025

Kultur und Sommerflieder

Zitat

Ein Schwalbenschwanz besucht die Blüten eines Sommerflieders.
Foto © Jörg Niederer
"Der klarste Weg ins Universum führt durch einen wilden Wald." John Muir (1838-1914)

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Herzlich willkommen auf meiner Blogseite NichtNurNatur. Der Titel ist Programm. Es geht nicht nur um Natur, aber natürlich auch und immer wieder genau darum: um die Natur. Aktuell interessieren mich Vögel und Insekten besonders. Aber eben nicht nur. Natur hat immer auch viel zu tun mit Kultur. Das ist gleich auch bei dieser ersten Naturbeobachtung so.

Ein Schwalbenschwanz, eine bekannte einheimische Schmetterlingsart, besucht den blühenden Sommerflieder. Sommerflieder ziehen viele Insekten an, auch viele Schmetterlinge. Darum findet er sich häufig in gepflegten und ungepflegten Gärten. Jedoch darf der Sommerflieder in der Schweiz seit 2024 nicht mehr verkauft und auch nicht mehr vermehrt oder weitergegeben werden. Der Schmetterlingsflieder, wie diese Zierpflanze auch genannt wird, gehört zu den invasiven, gebietsfremden Neophyten, also den Pflanzen, die sich ausgesprochen leicht vermehren und dabei einheimische Pflanzen verdrängen.

Nun könnte man sagen, dass der ursprünglich auch China und dem Tibet stammende Sommerflieder doch von unseren einheimischen Insekten und Faltern geschätzt wird. Warum soll er dann bei uns ausgemerzt werden. Es ist richtig, dass er vor allem langrüssligen Insekten als wertvolle Nahrungsquelle dient. Allerdings produziert diese Zierpflanze jährlich bis zu 3 Millionen Samen, die sehr leicht sind und bis zu 40 Kilometer weit verfrachtet werden. Deshalb findet man mitten auf Lichtungen in Wäldern wild wuchernde Ansammlungen vom Sommerflieder. Dort können heimische Wildpflanzen nicht mehr wachsen. Das möchte man unterbinden.

Wie sagte ich doch: Kultur und Natur haben viel miteinander zu tun. Indem wir artfremde Pflanzen bei uns kultivieren, verändern wir die Natur. Nicht immer ist das gut oder erwünscht. Beim Sommerflieder hat man sich gegen ihn entschieden.

Jörg Niederer

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Ein Zitat Fotos © Jörg Niederer "Glaube ist kein Leistungssport." Zitat von Hans Gerni (Christkatholischer Bischof von 1986-2001)...