Freitag, 14. November 2025

Berggipfel

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Die Berge Säntis und Speer erheben sich am Horizon über den Zürichsee.
Foto © Jörg Niederer
"Die Spitze des Berges ist nur ein Umkehrpunkt." Reinhold Messner (*1944)

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Zwei alpine Gipfel erheben sich am Horizont über dem Zürichsee. Links der Säntis und rechts der Speer. Letzterer seines Zeichens mit 1950,5 Metern der höchste Nagelfluh-Berg Europas. Der Säntis ist mit 2501,9 Meter noch einmal deutlich höher. Auf ihm hat man eine grandiose Rundumsicht. Auf beide Berge bin ich schon selbst hinaufgestiegen.

Nicht so auf den Hügel, der sich auf dem Foto entlang des Sees zwischen den beiden Schneebergen hinzieht. Dabei erhebt sich der Chlosterwald gerade einmal 113 Meter über die Wasser. Vielleicht werde ich auf meiner Kapellentour zurück nach Zürich statt dem nördlichen Zürichseeufer entlang – eine Strecke, die ich schon früher einmal erwandert habe – über diesen Hügel hinwegziehen. Wir werden sehen.

Jörg Niederer

Donnerstag, 13. November 2025

Chromglänzendes Ungeheuer der Unterwelt

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Eine männliche Nymphe einer Feldgrille wärmt sich an der Novembersonne auf.
Foto © Jörg Niederer
"Warum etwas sagen, wenn man es singen kann?" Walt Disney (1901–1966)

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Ein chromglänzender schwarzer Kopf, zwei gerippte Antennen, die am runden Haupt durch Kugelgelenke befestigt sind, ein Körper wie aus Stahlsegmenten. Die Nymphe einer Feldgrille, stellt man sie sich gross vor wie ein Panzer der Armee, wirkt wie von einem anderen Stern, furchteinflössend und bedrohlich. Doch die Tierchen sind ja nur gerade 18 bis 27 Millimeter lang.

Diese Nymphe auf dem Foto stellte sich mir bei meiner methodistischen Kapellentour auf dem Wanderweg entlang des Hirschlensees in den Weg und liess sich partout nicht, auch zu ihrer eigenen Sicherheit, vom Wanderweg weg vertreiben. So konnte ich ihr mit der Kamera bis auf wenige Zentimeter auf den Leib rückten. Herausgekommen ist dieses eindrückliche Portrait eines Insekts, das überall in den Wiesen zuhause ist, dessen eindringliches Zirpen nicht überhört werden kann, und das sich doch selten in seiner ganzen Pracht zeigt.

Nymphen übrigens zirpen noch nicht, Dazu fehlen ihnen die Flügel, die sie erst nach dem Winter bekommen. Dann, im Frühjahr und Sommer wird wohl auch diese Feldgrille einstimmen in einen vielstimmigen Liebesgesang.

Jörg Niederer

Mittwoch, 12. November 2025

Kirchliche Gartenzwerge

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Gartenzwerge auf einem Altartisch in der Kirche Schübelbach.
Foto © Jörg Niederer
"Je kleiner der Garten, desto größer der Gartenzwerg." Brigitte Fuchs (*1951)

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Natur gab es gestern auf meiner methodistischen Kapellentour zwischen Pfäffikon SZ und Altenburg viel. Angefangen bei einem Trupp Grosser Brachvögel über viele Störche, Grau- und Silberreiher zu Möwen und Eichelhäher; auch Mäuse gab es und Toggenburger Ziegen, natürlich Kühe und noch mehr. Aber wirklich aussergewöhnlich waren die Gartenzwerge, diese Inbegriffe der Biederkeit, in der Kirche von Schübelbach (das einzige Gotteshaus übrigens, das am Weg lag und geöffnet war). Sie standen zuvorderst ganz Rechts im Kirchenschiff. Verteilt über die ganze Breite waren Bilder aufgestellt von Familienangehörigen, manche schon recht alt. Auf einem Foto war eine Vierfachhochzeit zu sehen. Auf anderen Männer in alten Uniformen. Und dann eben die beiden Gartenzwerge. Dem herzförmigen Ballon am Handgelenk des einen war schon länger das Gas entwichen. Fröhlich lachend eine Schnecke in der Hand standen sie da zwischen all dem Gold, Marmor und den vielen Heiligen. Da passten sie so gar nicht hin. Es sei denn, wie ich auf der Webseite der Kirchgemeinde entdecken konnte, als Beitrag zu einem Familiengottesdienst. Ob sie wohl die Lieblings-Gartenzwerge eines lieben verstorbenen Angehörigen waren? Ob sie nach dem Kirchenbesuch wieder irgendwo in einem "gepützelten" Garten ihren bürgerlichen Dienst verrichten werden? Oder landen sie gar im Pfarrgarten?

So aussergewöhnlich die Gartenzwerge in der Kirche waren, so besonders war auch das Wetter. Die Sonne beschien mich den ganzen Tag von der Seite. Das Gehen ging im Herbstlicht wie von allein.

Wie schön, dass ich mich selbständig bewegen kann, nicht so wie Gartenzwerge. Auch muss ich nicht ständig an einem Platz stehen, bis mich jemand entführt oder auch nur umstellt.

Aktuell sind es nur noch 20 Kilometer bis zur nächsten methodistischen Kapelle in Glarus. Der Zürichsee und die Pfnüselküste liegen hinter mir. Es geht also voran.

Jörg Niederer

Dienstag, 11. November 2025

Esel mit Kreuz

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Zwergesel tragen ein dunkles Kreuz auf dem Rücken bzw. auf ihrem Kreuz.
Foto © Jörg Niederer
"Eine Studie hat rausgefunden, dass Frauen, DIE EIN BISSCHEN ÜBERGEWICHTIG SIND, länger leben als Männer, die das erwähnen."
Spruch auf einer Tafel am Wanderwegrand

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In Oberwil leben zwei Zwergesel. Bei meinem letzten Spaziergang am der Koppel vorbei ist mir einmal mehr die kreuzförmige Fellzeichnung auf dem Rücken der hübschen Tiere aufgefallen. Diese Esel also tragen ihr Kreuz auf sich. Mir kommt dabei - déformation professionelle - natürlich auch das Jesuswort (Bibel: Lukas 9,23-26) in den Sinn, mit dem er die Menschen aufforderte, sich selbst zu überwinden, ihr Kreuz zu nehmen und ihm nachzufolgen. Damit gemeint ist die Bereitschaft, für seine Überzeugung und für das Gute in der Welt zu leben und wenn nötig auch zu sterben.

Selbst die Esel erinnern mich an diese biblische Aussage. Vielleicht sollten wir Menschen uns in unserer Lebenspraxis mehr an den Eseln orientieren. Die Werweisen nicht, ob sie das Kreuz tragen sollen oder nicht. Ihr Kreuz gehört zu ihnen, es macht sie aus.

Jörg Niederer

Montag, 10. November 2025

Amtseinsetzung

Beata Laszli wird von Kirchenratspräsidentin Martina Tapernoux anlässlich der Amtseinsetzung als Pfarrerin in der Kirche Reute gesegnet.
Foto © Jörg Niederer

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"Will nun noch jemand zwischen uns und das Apéro-Buffet treten?" Pfarrerin Beata Laszli nach all den Grussworten zu ihrer Amtseinsetzung im Restaurant Schützenhaus Reute AR.

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Reute im Kanton Appenzell Ausserrhoden weist gleich zwei Dreikantonsecken zu den Kantonen Appenzell Innerrhoden und St. Gallen auf. Das sichelförmig angelegte Dorf mit rund 700 Einwohner:innen liegt an diesem Sonntagabend um 16.30 Uhr verlassen da. Nur Gelegentlich steigen Leute aus Autos aus und verschwinden gleich wieder in Häusern oder in Richtung der markanten Evangelisch-reformierten Kirche. Dorthin bin auch ich unterwegs. Denn an diesem Sonntag wird eine neue Pfarrerin eingesetzt, die im Osten auch bei den Methodist:innen bekannt ist. Die aus Ungarn stammende Beata Laszli war einst als Gemeindemitarbeiterin in der Evangelisch-methodistischen Kirche Sevelen tätig. In Sevelen wohnt sie immer noch mit ihrer Familie. Im August wurde sie in St. Gallen durch die Verantwortlichen der Evangelisch-reformierten Kirche ordiniert. Auch dort hätte sie eine Anstellung als Pfarrerin oder Seelsorgerin gefunden. Sie entschied sich für die Kirchgemeinde Reute-Oberegg, weil sie die Menschen auf dem Land mit ihrer Mentalität gern habe.

Den Gottesdienst über die Geschichte von Petrus, der versucht, wie Jesus auf dem Wasser zu gehen, gestaltete sie zusammen mit Jugendlichen und weiteren Gemeindegliedern und natürlich dem Organisten Kaspar Wagner weitgehend eigenverantwortlich. Ihre seelsorglich feinfühlige Predigt berührte. Auch Kirchenratspräsidentin Martina Tapernoux griff anschliessend in ihrer Einleitung zur eigentlich Amtseinsetzung auf diesen Text zurück. Davon, dass sich Menschen in Kirchgemeinden und in der Welt immer wieder die Hand reichen und Hände halten. Auch, dass es nicht darum gehen könne, es als Pfarrerin allen recht zu machen. Denn an erster Stelle sei man Christus verpflichtet.

Nach dem Gottesdienst wechselte die Festgemeinde zum Apéro ins Restaurant Schützenhaus, wo es weitere Reden und Geschenke von Frauen aus den angrenzenden Kirchgemeinden und aus der Pfarrerschaft der Region gab.

Dort traf ich nebenbei auch einige mir gut von meiner Zeit als Pfarrer in St. Gallen bekannte Menschen.

Für Beata Laszli, sie wollte immer schon Pfarrerin sein, bedeutete dieser Abend wohl, dass sie endlich angekommen ist. Nun hat sie den Ort gefunden, an dem sie ihre Berufung leben kann.

Jörg Niederer

Sonntag, 9. November 2025

Warum Gott mich nicht um Rat fragt…

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Die Rosenbergkapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Wädenswil liegt an einer stark von Passant:innen frequentierten Nebenstrasse.
Foto © Jörg Niederer
"Als sie auf Sodom hinuntersahen, dachte der Herr: 'Soll ich wirklich vor Abraham geheim halten, was ich vorhabe?'" Bibel, 1. Mose 18,16+17

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Abraham musste ein bemerkenswerter Mensch gewesen sein, dass Gott mit ihm seine Pläne besprach. (Siehe Bibel, 1. Mose 18,16-33!). Als Eingeweihter kam Abraham jedoch in Teufels Küche. Denn in Sodom lebte Lot, der Sohn seines Bruders mit dessen Familie. Gott aber wollte Sodom mit Mann und Maus vernichten.

Abraham begann zu feilschen. Wie wenn es um den Preis von Blumenkohl ginge, versuchte er das Leben seines Neffen und dessen Familie und der ganzen Stadt Sodom zu retten. Und Gott liess sich von 50 Gerechten auf 10 herunterhandeln, bei deren Vorfinden in Sodom er die Stadt verschonen würde. Abraham gelang es, Gott sehr gnädig zu stimmen. Es gelang ihm, weil Gott gnädig ist.

Gott!

Manchmal möchte ich, dass du mich um Rat fragst, bevor auf dieser Welt wieder irgendeine Katastrophe dir angelastet wird.

Manchmal möchte ich, dass du dich mit mir besprichst, bevor wieder einer unschuldig stirbt.

Manchmal möchte ich, dass du dich erst bei mir darüber erkundigst, was ich davon halte, bevor du mich irgendwo an irgendwelcher Menschen Seite stellst.

Manchmal möchte ich, dass du nicht alles allein bestimmst, und ich die Suppe auslöffeln muss, die du mir einbrockst.

Manchmal möchte ich, dass du mich zuerst fragst… 

Und dann höre ich Gott sagen: "Mensch, manchmal möchte ich, dass du dich bei mir erkundigst, und nicht einfach vor dich hin lebst, als müsse sich alles um dich drehen."

Und ich verstehe, warum Gott mich so selten zu Rat zieht; – aus lauter Güte zu mir und dieser Welt.

Amen

Jörg Niederer 

Samstag, 8. November 2025

Tischgespräch

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Wackliger, gezeichneter Tisch in einem Vorgarten an der Rosenstrasse in Olten.
Foto © Jörg Niederer
"Den köstlichsten Bissen stellt man zuletzt auf den Tisch." Sprichwort

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An der Rosengasse in Olten stehen typische Arbeiterhäuser mit und ohne Holzlauben. Es ist eine Strasse beim Bahnhof, in der man sich um 70 Jahre zurückversetzt fühlt, in eine Zeit, als die ersten Italiener in die Schweiz kamen um hier zu arbeiten und zu bleiben. Keine 100 Meter davon entfernt führte mein Grossvater einst eine gutgehende Sanitär- und Spenglereiwerkstätte mit um die 50 Angestellten. Während meiner Jugend ist der grösste Teil dieses bahnhofnahen Quartiers einer grossen Überbauung gewichen. Bis eben auf die Häuser an der Rosengasse. Durch sie eilte ich auf meinem Weg zum Bahnhof, als mir Tische und Bänke in einem der schmalen Vorgärten auffielen. Gezeichnet von Wetter und mit vielen Gebrauchsspuren passten sie in die alternative Lokalität. Ich blieb stehen und schaute sie mir an mit der Absicht, sie zu fotografieren. Dabei sah ich, wie eine jüngere Frau mich aus dem Haus heraus durch das vorhanglose, nackte Fenster beobachtete. Sie öffnete einen Flügel und fragte: "Suchen Sie irgend etwas?" "Nein," antwortete ich: "Ich schaue mir nur diesen Gartentisch an". Die Frau erwartete wohl nun von mir so etwas wie eine Bemerkung, dass so heruntergekommene Gartenmöbel kein schöner Anblick seien und entsorgt gehörten. Also fragte sie misstrauisch zurück: "Was ist damit nicht gut?". "Nichts," entgegnete ich. "Mir gefällt, wie der Tisch von Wetter und Gebrauch gezeichnet ist, so schief und zerbrechlich, und doch mit viel Charakter, wie er nur über Jahre entstehen kann." Da hellte sich ihr Gesicht auf und sie lächelte.

Fotografieren durfte ich den Tisch dann auch noch, dieses Gartenmöbel mit jetzt sogar einer kleinen Geschichte mehr.

Jörg Niederer

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