Mittwoch, 10. Dezember 2025

Erstes Hospiz im Kanton Glarus

Ein Zitat

Das zu den Bethesda Alterszentren AG gehörende Salem in Ennenda wird aktuell umgebaut.
Foto © Jörg Niederer
"Mitgefühl bedeutet, ich kümmere mich um den Anderen - ich sorge für ihn. Wenn wir einen Menschen in unserer Institution glücklicher und freudiger machen können, so sollten wir es auf jeden Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht." Martin Ammann, Zentrumsleitung Alters- und Pflegezentrum Salem

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Gestern holte ich einen weiteren Abschnitt auf meinem Kapellenweg zu Häusern aus methodistischer Tradition nach. Es ging von Glarus via Ennenda nach Netstal. Diesmal war ich gemeinsam mit meiner Frau unterwegs.

Deben den bisherigen Wohnbereichen mit 70 Zimmern wurden im Neubau Salem Park 19 Alterswohnungen erstellt.
Schon nach nicht einmal zwei Kilometern Wegs kehrten wir im Salem zu einem feinen Mittagessen ein. Das Salem Ennenda gehört wie die Seerose (Siehe Beitrag vom 2. Dezember!) zu den Bethesda Alterszentren AG. Auf Einladung des dortigen Seelsorgers und Pfarrkollegen verbrachten wir eine anregende Stunde in der Cafeteria. Zum Mittagessen gab es ausgezeichnete Kürbisstrudel.

Das Salem Ennenda entstand aus einer diakonischen Pflegeeinrichtung im Jahr 1917, gegründet vom Prediger der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG). Nach verschiedenen Ausbauten übernahm 2013 die zum Diakonat Bethesda Basel gehörend Bethesda Alterszentren das Werk. 2015 wurden bei einem Anbau weitere Zimmer erstellt. Damit gibt es im Salem Ennenda nun 70 Betten in fast ausschliesslich Einzelzimmern. Ebenfalls in den Häusern zu finden ist die Demenzabteilung mit dem passenden Namen "Vergissmeinnicht".

Eine Besonderheit ist das erste Hospiz im Kanton Glarus, das im Salem Ennenda untergebracht ist. Dort werden Menschen palliativ und seelsorglich auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet. Nach einem Testbetrieb von vier Jahren hat die Glarner Regierung den dauerhaften Betrieb von drei Hospizbetten beschlossen.

Ganz neu sind seit 2025 in einem schönen Neubau, dem Salem Park, 19 Alterswohnungen entstanden. Sie runden das Angebot des Alterszentrums ab.

Ein Standortvorteil an diesem Ort ist auch die atemberaubende Berglandschaft, in der wir uns nach dem Besuch im Salem dann noch wandern weiterbewegten. Sehr empfehlenswert ist dabei der "Glarus Rundweg" auf dem Abschnitt zwischen Ennenda Oberdorf und Ännetrösligen, wobei im Winter auf die Lawinengefahr zu achten ist. Der Weg führt leicht erhöht zwischen wunderschön erstellten Trockensteinmauern östlich von Ennenda dem Hang entlang. Dabei gibt es immer wieder für die Region charakteristische Architektur zu bestaunen, und natürlich auch die Berge Glärnisch, Rautispitz, Gumenstock, Schijen und noch viele mehr.

Jörg Niederer

Dienstag, 9. Dezember 2025

Fridlis Friedhof

Ein Zitat

Der Friedhof von Niederurnen mit seinen kahlen schneeweissen Birken. Im Hintergrund erhebt sich der Fridlispitz über dem Totenacker.
Foto © Jörg Niederer
"In dir selbst ist eine Ruhe und eine Heiligtum, in welches du dich jederzeit zurückziehen und ganz du selbst sein kannst." Hermann Hesse (1877-1962)

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Heute ist mein einhundertster Tag nach der Pensionierung. Es war bisher eine bewegte Zeit. Manche Stunde haben ich beim Herumstreifen verbracht. So bin ich auch am Friedhof Niederurnen vorbeigekommen. Jetzt im Winter leuchten die schneeweissen Birken am Rand der Gräberfelder im Sonnenlicht. Über dieser Szenerie erhebt sich der Fridlispitz. Erst als ich den Namen dieses Grenzbergs zur Linthebene buchstabierte, wurde mir bewusst, dass der Gipfel seinen Namen wohl auch vom Glarner Heiligen, von Fridolin geerbt hat.

Besagter Fridolin habe laut Legende (Siehe Beitrag vom 4. Dezember) einen adligen Toten zeitlich begrenzt auferweckt. Oft wird er daher gemeinsam mit dem Skelett des wiederbelebten Ursus dargestellt. Mir scheint, diese Totenerweckung ist eher rudimentär ausgefallen und enthält etwas viel Halloween-Grusel.

Friedhöfe sind Orte der Ruhe. So wird in der neusten Ausgabe der Kultur- und Wanderzeitschrift "Transhelvetica" zum Thema "Stille" dazu geraten, die Ruhe auch auf Friedhöfen zu suchen.

Was mich betrifft, schätze ich den Gang zwischen den Gräbern durchaus. Solange ich dort noch nicht die letzte Ruhe suche, geht der Ruhestand noch recht dynamisch weiter.

Jörg Niederer

Montag, 8. Dezember 2025

Von Flugshows und Bärenstichen

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Der Flughafen Mollis an einem ruhigen Morgen. Im Hintergrund der von Wolken teil verborgene Rautispitz-Ostgrat.
Foto © Jörg Niederer
"Als Nation können wir stolz darauf sein, dass wir weichherzig sind; aber wir können es uns nicht leisten, weich im Kopf zu sein." Franklin Delano Roosevelt (1882–1945)

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Der Flugplatz Mollis war lange Jahre ein Militärstandort. An einem ersten Flugtag im Jahr 1923 landete Walter Mittelholzer auf der damaligen Rasenpiste. Ab 1972 ist dort die Heli Linth angesiedelt, ab 1974 die Schweizerische Rettungsflugwache Rega. Bei Airshows landete hier auch schon einmal eine Lockheed Super Constellation. 2016 kamen einmal 25'000 Besucher:innen zu einer Zigermeet, wie man diese Flugvorführungen nannte. Als ich am Flugfeld vorbeiwanderte, startete ein einsamer Privatjet, und danach übten Flugschüler Landeanfüge und Starts, dieweil ein Mitarbeiter von der Rega sich an einem Heli zu schaffen machte. Sonst blieb es ruhig auf dem Rollfeld und bei den Hangars. Das gefällt mir. Da gibt es keine Reisenden mit grossen Koffern und Strohhüten. Es geht an diesem Morgen beschaulich und geruhsam zu und her.

Per Fahrrad und zu Fuss bewegt man sich über mehrere hundert Meter auf dem Gelände des Flugplatzes parallel zur Piste und passiert dabei getarnte und militärisch ausrangierte Flugzeughallen, um dann an Baustellen vorbei die ersten Häuser des Orts Mollis zu erreichen.

Mich hat fasziniert, wie sich die Wolken am Rautispitz-Ostgrat stauten und einem Schleier gleich den steilen östlichen Felsabbruch verbargen. Direkt da oben im Nebel wäre der für versierte Wandernde mit Klettererfahrung ersteigbare Bärenstichkopf. Woher er seinen Namen hat, konnte ich nicht herausfinden. Was ein Bienenstich ist, weiss ich. Einen dieser süssen Mehlspeisen gleichen Bärenstich ist mir nicht bekannt. Aber man muss ja nicht wissen, warum etwas heisst wie es heisst, um daran seine Freude zu haben.

Den Namen Mollis dagegen kann man erklären. Er kommt nicht etwa davon, dass dort mollige Menschen wohnten. Im Ortsnamen-Verzeichnis wird es so erklärt: "Mollis ist ein sekundärer Ortsname, der auf einen ursprünglichen Flurnamen vom Typus *mollĭānu(s) 'weicher, sumpfiger Boden' zurückgeht." Ob das Adjektiv "mollig" ebenfalls auf die latinische Bezeichnung von etwas Weichem zurückzuführen ist?

Jörg Niederer

Sonntag, 7. Dezember 2025

Gerechtigkeit und Frieden

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Adventsschmuck hängt goldig glitzernd über den langen Rolltreppen am Flughafen Zürich.
Foto © Jörg Niederer
"Güte und Treue finden zueinander. Gerechtigkeit und Frieden küssen sich. Treue wächst aus der Erde empor. Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab." Bibel, Psalm 85,11+12

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Hass und Neid spucken sich an, aber "Gerechtigkeit und Frieden küssen sich".

Auf dem dunklen Hintergrund von Hass und Neid wird die Zärtlichkeit im Bild von Gerechtigkeit und Frieden, die sich küssen, speziell deutlich. Da geht es nicht um den Buchstaben des Gesetzes, auch nicht um die Abwesenheit von Krieg. da geht es um das verliebte Zusammensein, um die Potenzierung der Geborgenheit. Es sind Hoffnungsbilder, welche die Psalmschreibenden mitten in eine erfüllt unerfüllte Verheissung hineingesprochen haben. Israel war nach dem Exil ins Land der Väter und Mütter zurückgekehrt und fand sich dort wieder einmal mehr in einem Land, das seinen Ertrag nur im Angesicht des Schweisses und der ständigen Bedrohung durch böse Nachbarn brachte. Dahinein ist die Verheissung Gottes wie die Hand der Mutter, die dem traurigen Kind über die Wange fährt, wie der Kuss zweier Verliebter, der alle Liebesbeteuerungen und Worte übersteigt und hinter sich zurücklässt. Drei Worte treffen den Sachverhalt: "Gott ist Liebe". Das gilt auch für diese Adventszeit.

Jörg Niederer

Samstag, 6. Dezember 2025

Morscher, leuchtender Berg

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Der Mattstock zeigt seine höchsten Gipfel über dem Nebel in hellen Licht, dieweil die Welt bei Netstal noch im Schatten dämmert.
Foto © Jörg Niederer
"Oft denke ich an den Tod, den herben, / Und wie am End' ich's ausmach'?! / Ganz sanft im Schlafe möcht' ich sterben - / Und tot sein, wenn ich aufwach'!" Carl Spitzweg (1808–1885)

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Nach so viel Kultur kommt heute wieder einmal etwa Natur. Der Blog heisst ja nicht "Nicht nur Kultur", sondern "Nicht nur Natur"; also sollte die Natur doch leicht im Vorteil sein.

Bewegt man sich von Zürich her auf den Walensee zu, erhebt sich rechts von diesem ein Berg, der ein wenig aussieht wie eine Burg mit zwei Türmen an jeder Seite. Mürtschenstock wird er genannt. Er teilt sich auf in den Vorderstock (Böder), Mittstock (Fulen) und Hinterstock (Ruchen). Seine Namen hat der Berg wohl aufgrund seines geologischen Zustands. Die Kalke, aus denen er besteht, sind äusserst brüchig, beziehungsweise morsch. Genau das ist mit "Mürtschen" gemeint. Ebenso wird Ruchen mit "rau" und Fulen mit "faul" in Verbindung gebracht.

Dieser Berg zeigte am 1. Dezember morgens um halb Zehn nur gerade seine höchsten Erhebungen, als ich ihn von Ziegelbrücke aus erblickte. Was von ihm zu sehen war, leuchtete jedoch umso heller, während die restliche Welt noch in Nebel und Schatten getaucht dem Tag entgegendauerte.

So kann der Advent auch sein. In einer Welt, in der alles zu zerbröckeln scheint, erstrahlt ein Licht der Hoffnung.

Jörg Niederer

Freitag, 5. Dezember 2025

Untersuchungsverfahren

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Die Höhere Fachschule in Ziegelbrücke.
Foto © Jörg Niederer
"Der Untersuchungsausschuss gestaltet sein Verfahren nach freiem Ermessen, hat jedoch dem Beschuldigten, dem Anzeigeerstatter und dem zuständigen Pastoralen Mitglied mit Aufsichtsfunktion Gelegenheit zu persönlicher Anhörung zu geben." Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche, Art. 7,3 

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Wieder einmal wandere ich an der Höheren Fachschule in Ziegelbrücke vorbei. Vor Jahren als ich Distriktsvorsteher (eine Art Regionalverantwortlicher mit Aufsichtsfunktion) war, fand hier die einzige, je gegen mich erfolgte kircheninterne Untersuchung gegen mich statt. Eine Pfarrperson fühlte sich von mir ungerecht behandelt. Geleitet wurde das Verfahren, das zu meinen Gunsten ausging, durch eine Laienperson aus der Kirche. Genau dieser Frau bin ich drei Stunden bevor das Foto von der Fachschule entstand, zufällig auf dem Bahnhof Ziegelbrücke begegnet. Zuvor habe ich sie gut zehn Jahre nicht mehr gesehen.

Ich stand also auf dem Bahnhof und wartete auf den Zug nach Glarus, da glaube ich einige Perrons entfernt eben diese Frau zu sehen, zusammen mit ihrem Ehepartner. Ich mache mich bemerkbar, winke. Zaghaft winken die beiden zurück, doch ich kann gut erkennen, dass sie sich unsicher sind. Fragend schauen sie zu mir herüber. Ich hole meinen Schlauchschal hervor, zeige auf das Logo der Evangelisch-methodistischen Kirche, zu der wir beide gehören. Doch sie kann es wohl aus der Distanz nicht erkennen. Dann steige ich in den zwischenzeitlich eingefahrenen Zug ein.

Zuhause schreibe ich der Frau, will wissen, ob ich da eine wildfremde Person verunsichert habe, oder ob sie es wirklich gewesen ist. So sicher bin ich mir nicht mehr; in meinem Alter meint man ja manchmal Dinge oder Personen zu sehen, die es gar nicht gibt.

Nach einigen Tagen kommt die Antwort. Ja, sie war es. Meine Aktion mit dem Schlauchtuch habe sie jedoch vollends verunsichert. "Als du dann noch eine Schal geschwenkt hast, war ich mir nicht mehr sicher", schreibt sie.

So kann es gehen. Was helfen soll, irritiert erst recht. Fast ein wenig so, wie damals bei der Untersuchung gegen mich.

Jörg Niederer

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Bei Fridolin

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Der Heilige Fridolin, Kantonspatron von Glarus, steht bei Näfels auf einem Kreisel, geschmückt mit vielen Luftballons.
Foto © Jörg Niederer
"Mit ihren Herden wieder hin, / ziehen die Schäfer an Fridolin." Bauernregel zum Namenstag von Fridolin am 6. März.

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Beim Namen Fridolin kam mir lange Jahre vor allem ein Dackel in den Sinn. Die Geschichte, geschrieben von Franz Caspar, dem Autor des noch bekannteren Buchs "Rösslein Hü", war in den meisten Kinderzimmern zuhause. So auch in meinem. Erst viel später wunderte ich mich, dass ein Dackel ausgerechnet den Namen eines Kantonsheiligen trägt, notabene des einzigen Menschen auf einem schweizerischen Kantonswappen.

Fridolin ist mir denn auch mehrfach im Kanton Glarus begegnet. Noch bin ich auf meiner Kapellentour nicht ganz fertig mit diesem Stand. Es fehlen noch etwa zehn Kilometer Glarus.

Wer ist nun dieser Heilige Friedolin, der stets mit Wanderstab und Bibel dargestellt wird? Selbst bei der stilisierten Figur auf dem Kreisel bei Näfels dürfen diese beiden Attribute nicht fehlen, auch wenn abgesehen vom Kopf und den Händen wenig an eine menschliche Gestalt erinnern.

Fridolin soll in Bad Säckingen DE das sogenannte Fridolinskloster gegründet haben. Das war im 6. Jahrhundert. Der adlige Fridolin wurde in der irischen Klosterschule des Erzbistums Armagh ausgebildet, war aber nie ein Mönch. Die Legende erzählt, wie dieser Fridolin sich um den Wiederaufbau des Klosters Poitiers in Gallien bemühte, um sich nach vollendetem Werk als Wanderprediger auf Missionsreise zu begeben. Diese habe ihn dann über Metz und Strassburg nach Chur geführt. Seine Kirchen- und Klostergründungen, auch die spätere in Säckingen, waren alle dem Heiligen Hilarius von Poitiers geweiht.

In den Besitz von Glarus kam Fridolin durch eine Schenkung der Brüder Ursus und Landolphus, wobei letzterer versucht haben soll, ihn nach Ursus' Tod um seinen Anteil zu betrügen. Darauf habe Fridolin Ursus vorübergehend vom Tod auferweckt, um diese Sache klipp und klar durch Ursus klären zu lassen.

Das ist denn auch der Grund, warum Friedolin Schutzheiliger gegen Erbschleicherei ist.

Endgültig zum Kantonspatron wurde Fridolin in der Schlacht zu Näfels am 9. April 1388, in der die Glarner unter dem Banner des Fridolin die habsburgische Übermacht aus der Eidgenossenschaft vertreiben konnten.

Kriegerisches habe ich in Glarus nicht vor. Das Erbe des Fridolin muss ich ihm auch nicht streitig machen. Aber wandernd fühle ich mich dem Mann aus Irland schon ein wenig verbunden. Fridolin, wir sehen uns!

Jörg Niederer

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