Mittwoch, 3. Dezember 2025

Sprengholz

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Warnende Anschrift, angebracht an einem Holzlager bei Bilten. Zwischen den Holzscheiten seien Sprengkapseln angebracht.
Foto © Jörg Niederer
"Wer mit dem Feuer spielt, kann sich dabei die Finger verbrennen." Sprichwort

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Irgendwo zwischen Reichenburg und Bilten hat ein Bauer sein Holzlager errichtet. An den Holzscheiten angeheftet ist zu lesen: "!!! ACHTUNG !!! / Holzscheiter sind mit / !! SPRENGKAPSELN !! / bestückt!!!"

Dreizehn Ausrufezeichen enthält diese doch recht ungewöhnliche Warnung an Holzdiebe.

Ich käme ja nie auf den Gedanken, Holz zu klauen. Wozu auch. Wir haben kein Cheminée zu Hause, und hier auf der Wanderung will ich auch nicht gerade eine Wurst bräteln. Doch so eine Warnbeschriftung macht mich neugierig? Was ist da dran, an diesen Sprengkapseln? Sind die wirklich da. Was bewirken sie? Jagen sie einen Schrecken ein, aber sonst sind sie ungefährlich? Oder sprengen sie die Holzscheite in alle Richtungen, so dass ich mich verletzen könnte.

Ich denke, das mit den Sprengkapseln ist ein "leeres Versprechen". Das würde von den Behörden nie akzeptiert. Viel zu gefährlich wäre es, Kinder solch pyrotechnischen Spielereien auszusetzen.

Und was, wenn der Bauer sich selbst überrascht mit seinen Sprengfallen? Also ich hätte grosse Lust, der Sache auf den Grund zu gehen, und bei so einer Holzbeige das Unterste nach ganz oben zu kehren. Es darf spekuliert werden.

Jörg Niederer

Dienstag, 2. Dezember 2025

Seerose und Kiwi

Ein Zitat

Das über 400-jährige Haus Seerose in Männedorf gehört zur Bethesda Alterszentren AG.
Foto © Jörg Niederer
"Herr segne dieses alte Haus / und die da gehen ein und aus / bewahre sie vor Neid und Stolz / so lang es heisst im / Hinterholz" Hausanschrift im Hinterholz, Gemeinde Hombrechtikon

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Ich gebe es zu: Zwischen der Evangelisch-methodistischen Kirche Glarus (siehe Beitrag vom 29. November und 30. November 2025) und der Seerose in Männedorf fehlen mir noch 22 Kilometer, die ich noch nicht zu Fuss hinter mich gebracht habe. Aber das ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Bis heute sind es nun schon 122 Kilometer geworden, seit ich am 28. Oktober in Wollishofen zu dieser Kapellentour aufgebrochen bin.

Nun gibt es nebst den methodistischen Kapellen noch andere Liegenschaften, die man dem näheren und weiteren Umfeld der methodistischen Arbeit in der Schweiz zuordnen kann. Dazu gehören Häuser, die aus der Arbeit der Diakonissenhäuser von Bethesda Basel und Bethanien Zürich sowie deren Nachlässen hervorgegangen sind. In Männedorf steht zum Beispiel direkt am Zürichsee die Seerose. Das Haus wurde im Jahr 1599 erbaut, und wechselte mehrfach die Besitzer. 

Darin wohnten wohl einst ein Hauptmann, mehrere Geschworene und ein Sekelmeister. Zum Altersasyl von Männedorf wurde die Seerose im Jahr 1897. Damals gab es auch schon das Bibelheim in Männedorf. Das heutige ACASA Männedorf nahm seinen Anfang mit dem Wirken von Dorothea Trudel. Dies hatte jedoch einen anderen Charakter, eher den eines Privatspitals und Sanatoriums. Erst 1908 entstand im Rahmen des Bibelheims ein Altersheim im Haus Tiefenau.

Somit ist die Seerose wohl das älteste Altersheim im schönen Ort am Zürichsee. Zu Beginn lag die Leitung des Altersasyls in den Händen der Evangelisch-reformierten Kirche. Später gelangte das Haus in den Besitz eines dafür gegründeten Vereins. Noch 2012 fanden umfangreiche Umbau- und Rennovationsarbeiten statt.

Heute gehört die Seerose zur Bethesda Alterszentren AG, einer gemeinnützig ausgerichteten, überregional tätigen Verbundorganisation im Bereich Wohnen, Betreuung und Pflege im Alter. Dazu gehören in der ganzen Schweiz 27 Einrichtungen. Die Seerose wird als Aussenstation der Residenz Küsnacht geführt. Vierzehn Bewohnerinnen wird dort von 20 Mitarbeitenden ein persönlicher Wohn- und Lebensraum im Alter ermöglicht.

Was mir am Ziel meiner Wanderung mit Start in Feldbach aufgefallen ist: Im Garten der Seerose wachsen Kiwis und es hat eine alte Räucherkammer. Auch Zugang zum See gibt es durch eine Stichstrasse. Und auch das gehört zur Philosophie der Bethesda Alterszentren AG: Das oberstes Ziel sei, dass sich alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, Religion und ihres Lebenskonzeptes wohl fühlen. Die seelsorgliche Begleitung der Bewohnenden wird daher in den grösseren Häusern durch angestellte Seelsorger:innen gewährleistet. In kleineren Altersheimen wie der Seerose arbeitet man mit den lokalen Pfarrpersonen zusammen.

Jörg Niederer

Montag, 1. Dezember 2025

Jelmoli-Berg

Ein Zitat

Auf dem Weg nach Glarus kommt man am Fronalpstock vorbei, ein schön geformter Zweitausender.
Foto © Jörg Niederer
"Wenn Berge da sind, weiß ich, dass ich da hinaufgehen kann, um mir von oben eine neue Perspektive vom Leben zu holen." Hubert von Goisern (*1952), österreichischer Musiker

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Jelmoli-Berg wird er von den Einheimischen im Glarnerland genannt: der Fronalpstock. Davon gibt es übrigens in der Schweiz noch einen, der steht aber am Vierwaldstättersee, und ist mindestens so beliebt wie der Glarnerische. Wohlgeformt ist er, darum wird er auch oft besucht, darum auch "Jelmoli-Berg" als Anspielung auf das einst hochfrequentierte Warenhaus in Zürich, das es ja seit Februar 2025 nicht mehr gibt. Logischerweise müsste wohl jetzt auch ein neuer Übername für den Fronalpstock gesuchte werden, vielleicht Shoppi-Tivoli-Berg oder Ikea-Berg.

Der Fronalpstock im Kanton Schwyz ist übrigens 202 Meter weniger hoch als der hier abgebildete. Nach wie vor muss er zu Fuss erklommen werden; ein Glarner Wandergipfel von stattlichen 2123 Metern Höhe.

Heute werde ich wieder im Glarnerland sein. Am vergangenen Freitag glitzerte der Fronalpstock in der Sonne. Ob er sich diesmal auch wieder in seiner ganzen Pracht zeigt?

Jörg Niederer

Sonntag, 30. November 2025

Ein Licht anzünden

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Glasfenster nach einem Entwurf von Christian Oehler in der Evangelisch-methodistischen Kirche Glarus. Ausführung: Heinrich Rudolf Süess-Naegeli, Zürich 1972
Foto © Jörg Niederer
"Und jetzt sagt er [Gott]: 'Ja, du bist mein Knecht. Du sollst die Stämme Jakobs wieder zusammenbringen und die Überlebenden Israels zurückführen. Aber das ist mir zu wenig: Ich mache dich auch zu einem Licht für die Völker. Bis ans Ende der Erde reicht meine Rettung.'" Bibel, Jesaja 49,6

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Der Bibelvers aus dem Buch Jesaja redet von einem Knecht. Wer damit gemeint ist, ist unsicher. Wahrscheinlich war es der Prophet selbst, aber auch Israel (Jesaja 49,3) könnte gemeint sein. Entscheidend fürs Verstehen ist das nicht. Wichtiger ist, dass wir den Auftrag verstehen, den dieser Knecht bekommen hat. Es ist ein Auftrag für die ganze Welt. Er ist als Licht für die Völker berufen, damit Heil zu jedem Menschen kommen kann.

Gerade jetzt wieder brennen die Advents- und Weihnachtslichter in den Strassen. Das ist eher Reklame für eine überbordende Konsumgesellschaft und weniger Zeichen für die Botschaft der Hoffnung, die Gott schenkt.

So gibt es auch jetzt christlich geprägte Stimmen, welche die geistige und moralische Finsternis dieser Welt beklagen, welche über Not und Elend, Krieg und Bedrohungen jammern, ja über eine Zeit, die böse geworden ist, weil die Menschheit auf dem falschen Weg sei. Diesen Leuten, die so sprechen, sei ein chinesisches Sprichwort gesagt: "Besser ein Licht anzünden als auf die Dunkelheit schimpfen."

Menschen, die auf Jesus Christus hoffen, sind nicht da, um das Elend auf dieser Welt zu beklagen, sondern um in dieses Elend, in diese Finsternis hinein ein wirkliches Licht der Mitmenschlichkeit anzuzünden. Es geht darum, ein Licht für die Welt zu sein. Wer auf Christus hofft, ist Knecht und Magd Gottes, berufen als Licht für die Welt, als Hoffnungstragende:r ins Weihnachtsdunkel hinein.

Jörg Niederer

Samstag, 29. November 2025

Im Zigerschlitz

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Selfie vor der Kapelle der Evangelisch-methodistischen Kirche in Glarus.
Foto © Jörg Niederer
"Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit» Friedrich Schillers Worte beschreiben auch den Pioniergeist in Glarus

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Nach 51 Kilometern, aufgeteilt auf drei Etappen, bin ich endlich in Glarus angekommen. Der letzte Abschnitt davon startete gestern in Eiseskälte in Reichenburg, führte bei heftigem, kalten Gegenwind an der KVA Linth vorbei, um kurze Zeit später in den sonnengewärmten Zigerschlitz einzubiegen. In Näfels dann wartete das Schlachtdenkmal, in dem die Helden der Eidgenossenschaft gefeiert werden für ihren Sieg im Jahr 1388 über ein zehnfach überlegenes habsburgisches Heer. Weiter spazierte ich der Linth entlang, auch als Escherkanal bekannt, am Flugplatz Mollis vorbei, und erlebte, wie kurz nach 13 Uhr die Sonne hinter dem Glärnisch unterging. Zum Glück nicht für immer, denn etwas 800 Meter weiter tauchte sie wieder auf und liess nicht mehr locker bis vor die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) in Glarus.

Durchs Fester des Kirchenteils entdeckte ich eine Person bei Staubsaugen, was die Hoffnung auf einen Besuch im Inneren der Kapelle nährte. Tatsächlich wurde ich von Urs, dem Hausverwalter, freundlich empfangen. Auch Pfarrer Bernd wurde dazu geholt, der sich darüber wunderte, dass endlich man ein Kollege den weiten Weg nach Glarus gefunden hatte. Erst aber wurde ich etwas beiseite gestellt, da es noch galt, die nicht über jeden Zweifel erhabenen Mikrofone für den Gottesdienst vom Samstagabend am richtigen Ort zu platzieren. Dann aber bekam ich eine schöne, grosse Tasse Kaffee, mein erstes warmes Getränk an diesem Bilderbuchwettertag mit Nonstop-Wanderung. Die Gespräche am Tisch drehten sich in der Folge über Gott und die Welt, über die EMK-Gemeinde, die Kirchenmusik, Peter Spuhler und so einige gemeinsame Bekannte, über die wir natürlich nur Gutes ausgetauscht haben.

Doch, die 20 Kilometern lange Fussreise in die verschneite Bergwelt des Sardona-UNESCO-Naturerbes hat sich bestens gelohnt. Da bin ich nicht zum letzten Mal gewesen. Ich muss (will) schliesslich dann auch wieder von Glarus zurück an den Zürichsee wandern.

Jörg Niederer

Freitag, 28. November 2025

Schattensprünge

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Früh morgens beim Bahnhof Frauenfeld reicht mein Schatten über den Lauf der Murg ans andere Ufer.
Foto © Jörg Niederer
"Kirche funktioniert in dogmatisch geheiligtem Schneckentempo... Willst du was bewegen? Bring Snacks. Viel Geduld. Und ein dickes Fell." Ina Jäckel, Pastorin

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Manchmal möchte ich schon da sein, wo mein Schatten bereits angekommen ist. Doch so einfach ist das nicht. Jeder Prozess, jeder Weg verlangt eine gewisse Anstrengung. Einmal komme ich leichter voran, dann ist es eine wirklich beschwerliche Reise.

Manchmal bin ich meinem Schatten auch schon weit voraus. Dann folgt er mir, lässt sich nicht abschütteln. Der Schatten hat kein Gewicht, ich muss ihn nicht hinter mir herschleppen oder vor mir herstossen. Aber er zieht mich leider auch nicht mit sich mit. Das ist gut, wenn es in die falsche Richtung gehen sollte. In die richtige Richtung könnte er mich schon etwas mehr unterstützen.

Als ich beobachtete, wie mein Schatten zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs mit Leichtigkeit auch den Wasserlauf der Murg überhüpfte, sagte ich mir: Da muss noch mehr gehen. Zum Beispiel könnte es ja sein, dass beim ersten Sonnenstrahl mein Schatten gar die 12 Kilometer weit entfernten Ufer des Neusiedlersees verbindet. Doch will ich wirklich über diese Distanz hoffnungslos hinter meinem Schatten zurückbleiben. Besser ich warte, bis sich die Sonne dem Zenit annähert, und meinen Schatten vom andern Ufer wieder zu mir zurück gleitet.

Als Gleichnis spricht der Schattenwurf in mein Leben hinein. Am Morgen früh gehen meine Pläne und Erwartungen weit in die Zukunft. Doch mit den Stunden werden die damit verbundenen Hoffnungen kleiner, bis sie beim Menschenmöglichen angekommen sind. Doch dann denke ich zurück an das, was auf diesem Weg gelungen oder misslungen ist. Ich drehe mich um, und sehe immer klarer, wie die Probleme wie Schatten anwachsen und dann glücklich im Sonnenuntergang flammend untergehen. Nun habe ich Ruhe, bis zum nächsten Morgen mit seinen neuen grossen Erwartungen.

Jörg Niederer

Donnerstag, 27. November 2025

Christusaugen

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Blaue und weisse Stiefmütterchen mit Rändern aus Raureif in einem Zierbeet in Winterthur.
Foto © Jörg Niederer
"Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen." Redensart aus dem Märchen Aschenputtel

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Dass die Freidenker ausgerechnet eine Blume als Symbol ausgesucht haben, die auch "Christusauge" genannt wird, ist schon erstaunlich. Sie haben sich wohl stärker an der französischen Bezeichnung "La Pensée" orientiert, welche nicht nur die Bezeichnung für das Stiefmütterchen ist, sondern auch noch mit "der Gedanke" übersetzt werden kann.

Beim Nachdenken komme ich als Pfarrer schon früher oder später auf Christus, wobei ich da weniger an sein Auge denke.

Nun gibt es nebst dem Stiefmütterchen noch andere Blütenpflanzen, welche Christusauge genannt werden. Da wären die Konen-Lichtnelke, die Ringelblume, der Christusaugen-Alant und der Echter Bartpippau. Das Auge des Christus ist damit kaum blumentechnisch genau zu bestimmen, einmal abgesehen davon, dass alle so bezeichneten Blumen schön sind.

Die Bezeichnung "Stiefmütterchen" ist vom Märchen der bösen Stiefmutter (bzw. von Aschenputtel oder Cinderella) hergeleitet. Dabei werden die fünf Blütenblätter auf die verschiedenen Rollen aufgeteilt. Das eine zentrale, visuell unten befindliche Kronblatt ist die "Stiefmutter". Dieses bedeckt teilweise die darüber liegenden zwei seitlichen "Töchter", und diese ihrerseits die beiden "Stieftöchter". 

Genau so funktioniert das Gedächtnis. Mit einer Geschichte erinnere ich mich leichter an Namen, Reihen und Ereignisse. Damit wären wir wieder bei der französischen Bezeichnung: "La Pensée", also beim Gedenken und Nachdenken. Der Kreis schliesst sich.

Bleibt noch eine offene Sache: Im Märchen von Aschenputtel ist von zwei Stiefschwestern die Rede, aber nicht von zwei Aschenputteln. Vielleicht gibt es ja eine entsprechende Version, die mir aber nicht bekannt wäre. Vermutlich hat man es bei der Blumen-Namensgebung der "Stiefmütterchen" nicht ganz so genau genommen mit der Geschichte. Da bekommt der Ausruf: "Erzähl keine Märchen" doch gleich noch eine tiefere Bedeutung.

Jörg Niederer

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